© Marlene Penz

Chronik Niederösterreich
09/12/2021

Entdeckung der Stille: Buddhas Weisheiten am Waldviertler Bauernhof

Chöje Gelongma Lama Palmo, die erste buddhistische Priesterin Österreichs, eröffnet ein Institut.

von Marlene Penz

Kaum 100 Einwohner zählt die Ortschaft Siebenhöf im niederösterreichischen Bezirk Zwettl. Sie gleicht mehr einer Streusiedlung, und außer Natur im Überfluss gibt es hier nicht viel. Ein Haus, ein Bauernhof, eine Kapelle – so weit, so unspektakulär. Doch was hier unweit der Grenze zu Oberösterreich entsteht, ist alles andere als das: das erste buddhistische, rein auf Klausuren ausgerichtete Institut Österreichs – und zwar gleich hinter der Kapelle. Der Schwerpunkt liegt auf meditativer Versenkung.

Abschied aus der Medienbranche

„Man entscheidet sich, selbst Buddha zu werden“ – Chöje Gelongma Lama Palmo (50), geboren als Sabine Januschke in Wien, ist die erste buddhistische Priesterin Österreichs und eine der wenigen westlichen Lamas (tibetische Lehrer des Buddhismus) weltweit.

Mit 27 Jahren entschied sie sich für ein Leben als buddhistische Nonne, löste ihre Ehe auf, hängte ihren Job in der Medienbranche an den Nagel. 2004 wurde sie von ihrem indischen Kloster nach Österreich geschickt, um die Lehren Buddhas hier weiterzugeben und die Palpung Linie – eine Linie des tibetischen Buddhismus – in Europa zu verfestigen.

„Ich hatte einen Rucksack voller Habseligkeiten bei mir, das war alles. Anfangs habe ich auf Sofas geschlafen “, erzählt Chöje Lama Palmo. „Ich hatte kein eigenes Konto, das Vereinskonto war leer.“ Dennoch fand sie einen Weg und etablierte Palpung Europe. Mittlerweile baut Palmo nach einem „Stadtinstitut“ in Purkersdorf das zweite Institut auf – und zwar hier in Siebenhöf im Langschlägerwald.

Offen für alle

„Es ist kein Kloster, sonst hätte ich einen traditionellen tibetischen Bau herstellen können“, erklärt sie. Außerdem würde es dafür mindestens vier vollordinierte Nonnen brauchen, aber „das ist schwierig, da gibt es nicht viele – ich war eine der ersten überhaupt“. Nun sorgt Palmo dafür, die Gelübde weiterzugeben – eine Lama zu haben, die Nonne ist, ist rar. Anstatt in einem traditionellen tibetischen Bau wird sie das in naher Zukunft in einem klassischen Waldviertler Gebäude machen – in einem Bauernhof, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert reicht.

„Ich hatte die Vision von einem Vierkanthof, zunächst im Mühlviertel, aber dann habe ich diesen hier gefunden“, erzählt sie in der Küche des alten Hauses. Es soll ein Klausurinstitut werden: Hier können sich Menschen zurückziehen, die sich der weiterführenden buddhistischen Praxis zuwenden möchten, aber auch Interessierte, „unabhängig von ihrer Konfession“, die sich an einem abgegrenzten Ort in geistige Stille zurückziehen wollen. „So etwas gibt es in Österreich noch nicht“, sagt Chöje Lama Palmo.

Sie selbst werde, je nach Art der Klausur, auch Laien die Grundlagen der Meditation beibringen, „damit der Geist in sich ruhen kann, dann ist es überall leichter – im Job, in der Familie. Es ist für alle offen, im Speziellen für jene, die sich entschieden haben, dem Pfad Buddhas zu folgen.“ Im Schreinraum finden bis zu 70 Personen Platz; einige wenige können auch direkt am Hof wohnen.

„Im Sommer 2019 haben wir mit den Renovierungs- und Umbauarbeiten begonnen. Es war ziemlich heruntergekommen, es gab nicht einmal einen Wasseranschluss.“ Im Moment wird noch an allen Ecken und Enden gearbeitet, damit im Jänner die ersten Klausuren stattfinden können.

Frauen am Werk

„Wir machen alles, was möglich ist, selbst“, sagt die 50-Jährige. Wenn sie von „wir“ spricht, meint sie die anderen Frauen, die derzeit mit ihr am Hof wohnen: „Alina und Marla sind 19, sie sind so etwas wie meine Kinder, ich begleite sie und ihre Mütter schon seit vielen Jahren.“ Und wenn sie von „alles selbst machen“ spricht, meint sie es wortwörtlich – Fliesen legen, verspachteln, Wände aufziehen. Geld sei knapp und Palpung Europe unter anderem auf Spenden angewiesen.

Auch in Purkersdorf habe sie so viel wie möglich selbst gemacht. „Bei einigen Sachen brauchte es natürlich Fachleute, wie etwa bei der Elektrik oder beim Dach, aber den Innenausbau habe ich allein gemacht.“

Auch hier im Waldviertel habe sie damit kalkuliert, als Arbeitskraft Hand anzulegen – doch dann wurde bei ihr im Vorjahr Darmkrebs diagnostiziert. Im März konnte sie weder gehen noch sprechen, wie sie erzählt. „Ich hoffe, dass ich bis zur Eröffnung zumindest nicht mehr nach fünf

Minuten Bewegung außer Atem bin.“

Alina werde im Herbst nach Purkersdorf ziehen und dort mit der Gemeinschaft vor Ort meditieren, sie selbst möchte in Siebenhöf bleiben. „Alles hier wird langsam wachsen, der Meditationsgarten, das eigene Gemüsefeld und der Gnadenhof“, weiß die buddhistische Priesterin.

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