In dieser Zwingeranlage beim Jagdkommando sind „Ragna“ und „Hati“ nach den tödlichen Bissen immer noch untergebracht

© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
04/15/2020

Elitesoldat totgebissen: Gutachterin soll Schuldfrage klären

Nach Todesbissen von Militärhunden schaltet die Staatsanwaltschaft eine Sachverständige aus Deutschland ein.

von Patrick Wammerl

Trifft das österreichische Bundesheer ein Verschulden am Tod eines seiner Elitesoldaten? Um diese Frage endgültig zu klären, lässt die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt die tödlichen Hundebisse beim Jagdkommando eine Expertin aus dem Ausland untersuchen. Eine, für das Hundewesen zuständige Sachverständige aus Deutschland soll feststellen, ob es Fehler bei der Verwahrung und Betreuung der zu scharfen Waffen ausgebildeten Hunde gab. Laut Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, habe sich in Österreich aus Gründen der Befangenheit kein geeigneter Sachverständiger gefunden.

Bei dem Vorfall am 13. November 2019 in der Jagdkommandokaserne in Wr. Neustadt, wurde der 31-jährige Hundeführer und Elitesoldat Dominik R. von zwei Belgischen Malinois angefallen und getötet. Es handelte sich um den damals sieben Monate alten Welpen „Ragna“, sowie den 28 Monate alten – gut ausgebildeten – Militärhund „Hati“. Der junge Privat- und der ältere Diensthund gehören dem Diensthundeausbilder des Jagdkommandos, der sich zu dem Zeitpunkt auf einer Übung befand. Dominik R. sollte sich in der Kaserne um die Hunde kümmern.

Obwohl „Hati“ den Hundeführer gut kannte, kam es auf dem Weg zum Auslaufplatz zur tödlichen Attacke. Laut den gerichtsmedizinischen Untersuchungen und einem DNA-Gutachten wurden Bissspuren beider Hunde an der Leiche des Soldaten festgestellt. Dieses Ergebnis ist deshalb überraschend, weil der Welpe „Ragna“ wegen einer Beißhemmung nicht zum Militärdienst zugelassen wurde.

Dominik R. hatte weder seine Dienstpistole noch ein Messer bei sich und war den beißwütigen Hunden dadurch schutzlos ausgeliefert. Um ein schuldhaftes Verhalten in der Causa zu klären, will die Staatsanwaltschaft noch eine weitere Expertenmeinung einholen. „Es geht darum herauszufinden, ob bei der Verwahrung und der Betreuung der Hunde Nachlässigkeiten passiert sind“, erklärt Habitzl.

Nähe zum Militär

Dabei war es gar nicht so einfach einen geeigneten Sachverständigen dafür zu finden. Weil alle in Österreich gemeldeten Gutachter eine Nähe zum Militärhundewesen aufweisen, bestand laut Habitzl die Gefahr der Befangenheit. Deshalb beauftragt man im Zuge eines Rechtshilfeersuchens eine Gutachterin aus Deutschland, erklärt der Staatsanwalt.

Egal wie die Untersuchungen auch ausgehen, das Heer wird Diensthund „Hati“ nie mehr einsetzen, erklärt Heeressprecher Oberst Michael Bauer gegenüber dem KURIER. Ob der Malinois ausgeschieden oder eingeschläfert wird, steht nicht fest. Über das Schicksal des jüngeren Privathundes „Ragna“ muss nach Ende der Ermittlungen der Diensthundeführer entscheiden, dem das Tier gehört. Derzeit sind die beiden Tiere immer noch in der Jagdkommandokaserne in Quarantäne.

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