Biegler zu Besuch bei den Massai-Frauen

© Ferstl Caroline

Chronik Niederösterreich
07/25/2021

Eine Weiße auf Wassersuche in Tansania

Simone Biegler unterstützt mit ihrem Verein die Unabhängigkeit der Massai-Frauen. Das Ergebnis: ein eigener Brunnen für das Dorf.

von Caroline Ferstl

Auf Höhe des alten Schulgebäudes, neben den Maisfeldern der Massai-Frauen, beginnen die Fingerspitzen plötzlich zu kribbeln. Simone Biegler bleibt stehen. Ihre Augen beginnen zu leuchten. Mit ihren Füßen zeichnet sie ein Kreuz in die trockene Erde. Hier ist es, sie spürt es – das lang ersehnte Wasser.

Eigentlich ist Simone Biegler diplomierte Krankenschwester und wohnt in einem idyllischen Bauernhaus auf einem der sanften Hügel der Buckligen Welt. Doch für die Massai-Frauen, die in Nduruma im Norden Tansanias leben, ist sie mehr als das: Sie ist die, die das Wasser bringt.

2017 reiste Biegler das erste Mal nach Tansania, um einen Bekannten bei der Wassersuche zu begleiten. Biegler selbst hatte bereits etliche Kurse und Ausbildungen zu Wassersuche und Geomantie belegt.

Im staubtrockenen Ödland von Tansania nach Wasser zu suchen, war dann aber doch etwas anderes. Trotzdem war Biegler erfolgreich – und führte die Bohrfirma zu kristallklarem Wasser für ein ganzes Dorf.

Intuition versus Wissenschaft

„Wassersuche ist weder Glückssache noch Wissenschaft. Es ist Intuition“, erklärt die 48-Jährige. Manche nutzen eine Wünschelrute, andere ein Pendel – und wieder andere eben die Fingerspitzen. „Es ist eine Fähigkeit, die auch bei uns verbreitet war – bis wir irgendwann fälschlicherweise zu dem Irrglaube kamen, wir hätten Wasser in Hülle und Fülle“, kritisiert Biegler. Denn auch die Nordhalbkugel ist nicht von Wasserknappheit verschont – Landwirte und Umweltorganisationen warnen immer häufiger vor zunehmender, vom Klimawandel bedingter Trockenheit.

Zurück nach Nduruma: Das Projektgebiet, so groß wie Niederösterreich, liegt eine Autostunde entfernt von Arusha, der drittgrößten Stadt Tansanias, in der geschätzt zwei Millionen Menschen leben. Hier haben sich die Massai-Frauen von ihrem Nomadendasein verabschiedet und angesiedelt, um ihren Kindern Schuldbildung zu ermöglichen und Landwirtschaft zu betreiben. Der nächste Brunnen ist kilometerweit entfernt.

Das einzige Wasser vor Ort gehört den Schnittblumen, die hier in weißen Zelten, abgeschirmt von den Augen der durstigen Bevölkerung, von vorwiegend niederländischen Großfirmen gepflanzt und anschließend in Europa im Supermarkt billig verkauft werden.

Bei ihrem nächsten Besuch versprach Biegler den Massai-Frauen, sich um das so dringend benötigte Wasser zu kümmern – sie war beeindruckt von deren Solidarität und Unabhängigkeit.

Doch knüpfte sie ihr Versprechen an eine Bedingung: Jeder sollte seinen Teil zum Brunnenbau beitragen. Denn abhängig machen sollten sich die Frauen von niemandem – weder von ihren Männern noch von Spendengebern aus dem globalen Norden.

Biegler würde in Österreich einen Verein gründen, die Frauen erklärten sich bereit, Gemüse anzubauen, und dieses am Markt zu verkaufen. Das Geld würden sie in die Vereinskasse legen.

Versprochen ist versprochen

Zwei Jahre ist das nun her. Die Pandemie erschwerten Bieglers Pläne, erst vor wenigen Wochen konnte sie wieder ins Projektgebiet reisen und sich vom Engagement der Massai-Frauen überzeugen.

Sie war gerührt von der Arbeit der Frauen: „Sie haben ihr Versprechen gehalten und Gemüse gepflanzt, bewässert und am Markt verkauft. Und das neben ihrer eigentlichen Arbeit wie Holz sammeln, Feuer machen, kochen, Wäsche waschen, Kinder hüten und Wasser holen.“

Zwischen 9.000 und 11.000 Euro kostet der Bau eines Brunnens – so viel etwa wie ein durchschnittlicher Neuwagen. Dank der Spenden aus Österreich konnte mit dem Brunnenbau endlich begonnen werden: Biegler engagierte eine tansanianische Bohrfirma, die ihre Einschätzung mit einem Wassersuchgerät kontrollierte.

Ende August soll der Brunnen fertiggestellt werden. Dann soll das nächste Projekt starten: Eine Krankenpflegeschule für die Massai-Frauen.

2019 gründete Biegler die „NGO Gertrud, Verein zur Förderung von Wasserprojekten“, nachdem bei einem Vortrag über ihre Reise nach Tansania 800 Euro Spenden zusammengekommen sind. Namensgeberin ist die Heilige Gertrud, die an diesem Tag  ihren Gedenktag hatte.

Die NGO ist keine Hilfsorganisation, sie forciert Hilfe zur Selbsthilfe: In Zusammenarbeit mit Spenden aus Österreich und Vereinseinnahmen, die die Massai-Frauen in Nduruma erwirtschafteten, entsteht bis Ende August eine gemeinsame Wasserstelle. Nächstes große Ziel ist eine Krankenpflegeschule.


Spendenkonto: AT223219500000918078
BIC: RLNWATWWASP
www.kaffeeprojekt.com

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