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Chronik Niederösterreich
12/28/2020

Eigentum oder Forstrecht: Konflikt um Heide, die ein Wald sein soll

Die Rainer-Gruppe pocht bei der Brunner Heide auf ihr privates Eigentum, die Behörde will das Forstrecht anwenden.

von Martin Gebhart

Wann ist ein Wald ein Wald? Das ist im Konflikt zwischen Eigentümern und Anrainern um die Zukunft der Brunner Heide die entscheidende Frage. Wird das Naturgebiet rund um die letzten Ziegelteiche in Brunn am Gebirge als Wald eingestuft, muss das Areal für Spaziergänger offenbleiben. Ist es kein Wald, kann die derzeitige Einzäunung zum Dauerzustand werden. Der Ball liegt nun bei der Bezirkshauptmannschaft Mödling.

Vor drei Jahren hatte die Rainer-Gruppe (Autohandel, Immobilien) dieses Wienerberger-Areal, das auch in den 23. Wiener Gemeindebezirk hineinreicht, erworben. Als Teil eines Pakets, in dem es in erster Linie um bereits gewidmete Flächen in der Gemeinde Vösendorf gegangen ist. Dort gibt es bereits Baulandwidmungen, für die Brunner Heide war das nicht angedacht. Burkhard Ernst, Chef der Rainer-Gruppe: „Es war nie geplant, dass dort etwas gebaut wird. Es wurden auch keine Entwicklungsschritte gesetzt. Alles, was da kolportiert wird, ist an den Haaren herbeigezogen.“ Was Andreas Linhart, SPÖ-Bürgermeister der 14.000-Einwohner-Gemeinde Brunn am Gebirge, bestätigt.

Es sind irrsinnig viele Menschen dort gewesen, obwohl es ein Privatgelände ist

Burkhard Ernst | Eigentümer

Dass gerade dieses Gebiet so umkämpft ist, liegt auf der Hand. Für die Brunner Bevölkerung ist es eines der letzten Naherholungsgebiete. Und speziell die direkten Anrainer wollen, dass es frei zugänglich bleibt. Das wurde von den Eigentümern allerdings gestoppt, indem sie das Areal einzäunen haben lassen. Burkhard Ernst: „Es sind irrsinnig viele Menschen dort gewesen, obwohl es Privatgelände ist.“ Es habe auch einige „unangenehme Zwischenfälle“ gegeben. Sachbeschädigungen, Vandalismus, Lagerfeuer etc. listet er auf. Anzeigen liegen der Polizei Brunn bereits vor.

Behörde setzt Schritte

Zu einem besonderen Aufreger wurde das von der Behörde beauftragte Mulchen dieses Grünraums, weil sehr viele Beobachter der Meinung waren, dass nun alles gerodet werde. Ernst: „Es wurde nicht gerodet, wir lassen die echten Bäume stehen.“ In einer Nacht wurden von Unbekannten sogar die Bremsschläuche eines Mulchgerätes durchschnitten. „Das war ein krimineller Akt, da hört sich der Spaß auf“, ärgert sich Ernst.

Deswegen halten die Eigentümer an dem Zaun fest, auch wenn dieser immer wieder beschädigt wird, wie Fotos dokumentieren. Und es wird auch bereits auf eine Sicherheitsfirma zurückgegriffen. Burkhard Ernst: „Wir tun nichts, was rechtlich nicht in Ordnung ist.“

Der Zaun ist für Bezirkshauptmann Philipp Enzinger kein Problem: „Jeder darf sein Grundstück einzäunen, wenn es nicht ein Wald ist.“ Aber genau dieser Nebensatz wird von nun an die Juristen beschäftigen. Die Bezirkshauptmannschaft hat nämlich am 7. Dezember festgestellt, dass es sich bei einem Großteil des Areals forstrechtlich bereits um einen Wald handle. In einem Schreiben wurden die Eigentümer deswegen zu einer Stellungnahme aufgefordert. Höchstwahrscheinlich folgt danach ein Feststellungsbescheid. Enzinger: „Das Forstgesetz regelt, wann es ein Wald ist. Wir sehen das völlig unaufgeregt.“

Die Reaktion von Eigentümer Burkhard Ernst: „Die Behauptung, dass es Wald ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt einfach falsch.“ Sollte die Behörde aber so entscheiden, werde man das durch alle Instanzen juristisch durchfechten.

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