Rudolf K. ist vom Staat enttäuscht. Er lebt ein bitteres Dasein

© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
06/08/2020

Durch das soziale Netz gefallen: 76-Jähriger lebt am Parkplatz

Kranker Pensionist verlor Unterkunft und haust seit Wochen in Wr. Neustadt im Auto. Das Gericht bestellte einen Gutachter.

von Patrick Wammerl

Seine Notdurft muss er im Acker verrichten, waschen kann er sich nur mit Wasser aus einer Mineralwasserflasche. Seit mehr als drei Wochen lebt Rudolf K. am Parkplatz einer Tankstelle in Wiener Neustadt, in dem, was ihm geblieben ist – seinem silbernen Kia.

Der 76-Jährige ist, wie man landläufig sagt, durch das soziale Netz des Staates gefallen. Gerichte, Sozialämter und Kliniken sind seit Monaten mit dem Fall des schwer kranken Beziehers der Mindestsicherung beschäftigt. 2019 wurde er nach neun Jahren in einem kleinen Haus in Bad Sauerbrunn im Burgenland delogiert und in einer Polizeiaktion in eine Flüchtlingsunterkunft nach Eisenstadt gebracht. Dort türmte er.

Nachdem er für kurze Zeit eine Wohnung im Bezirk Neunkirchen bezogen hatte, musste er auch diese wieder räumen. Seit Mitte Mai hat Rudolf K. kein Dach mehr über dem Kopf und haust am Parkplatz – mit dem Sauerstoffgerät am Beifahrersitz. Wegen einer schweren Lungenerkrankung braucht der Pensionist medizinische Hilfe. Vor einigen Tagen hat ihm die Polizei die Kennzeichen abgenommen, weil das Fahrzeug nicht ordnungsgemäß angemeldet war. Das verschärfte seine Lage noch zusehends. Rudolf K. ist verbittert und vom Staat enttäuscht. Weil er das die Behörden auch spüren lässt, hat er den Ruf des uneinsichtigen Revoluzzers. Aktuell ist ein Verfahren am Bezirksgericht Neunkirchen anhängig. „Weil der Landesverein für Erwachsenenvertretung keine Klienten mehr aufnehmen konnte, waren wir gezwungen, einen Rechtsanwalt als einstweiligen Vertreter zu bestellen“, erklärt Gerichtsvorsteher, Stefan Koppensteiner.

Gutachter soll Zustand klären

Rudolf K. fühlt sich durch diese Art „Sachwalterschaft“ hintergangen. Gegen einen Heimplatz wehrt er sich mit Händen und Füßen. „Alles, was ich will, ist eine Bleibe und die medizinische Behandlung, die mir zusteht“. Laut Koppensteiner ist der 76-Jährige aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur jemand, bei dem der Behörde oft die Hände gebunden sind. Das Gericht hat nun einen Sachverständigen bestellt, der den Gesundheitszustand und die Psyche des Pensionisten beurteilen soll. Es scheint, als ob der Parkplatz noch länger sein Zuhause bleibt.

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