© Wammerl Patrick

Chronik Niederösterreich
10/19/2020

Düstere Aussichten für Häuselbauer: Bauplatz als Mangelware

Kaum freie Parzellen, die Preise steigen. Gemeinden greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

von Patrick Wammerl

Das Griss war sicher nicht nur deshalb so groß, weil Tennis-Star Dominic Thiem ein paar Meter weiter gerade sein neu errichtetes Wohndomizil bezieht. Um jungen Bewohnern aus dem Ort die Möglichkeit zu geben, im niederösterreichischen Lichtenwörth (Bezirk Wiener Neustadt) sesshaft zu werden, hat die Gemeinde dieser Tage 27 Baugründe aufgeschlossen und um 135 Euro pro feilgeboten. Mit dem riesigen Interesse hat Bürgermeister Manuel Zusag (ÖVP) nicht im entferntesten gerechnet.

Weil Baugründe selbst 45 Kilometer südlich von Wien als heiß begehrtes Gut gehandelt werden und freie Plätze entweder Mangelware oder nur schwer leistbar sind, kam es zu einem Wettrennen von mehr als 150 Interessenten. Darunter, erklärte Zusag, waren aber nicht nur Personen, die dringend einen Platz zum Wohnen suchen, sondern vermehrt auch Anleger, Immo-Spekulanten oder Bauträger.

Bauzwang innerhalb von 12 Monaten

„Man kann sich gar nicht vorstellen, was bei uns los war. Die Nachfrage war gigantisch“, so Zusag. Die Gemeinde griff deshalb zu drastischen Mitteln und ließ von einem Anwalt einen speziellen Vertrag aufsetzen. Wer einen Grund will, musste sich verpflichten, innerhalb von 12 Monaten zu bauen und seinen Hauptwohnsitz mindestens zehn Jahre lang im Ort zu begründen.

Was viele, auch mit ehrlichen Bauabsichten, jedoch abspringen ließ: Die Gemeinde sicherte sich vertraglich das Wieder- und Vorkaufsrecht für die Grundstücke und für die gegebenenfalls darauf errichteten Gebäude. Abgelöst werden sollen allerdings nur zwei Drittel von jenem Wert, der von einem Sachverständigen ermittelt wird. So sprangen mehr als 100 Interessenten wieder ab.

Dort wo Aufschließungen nicht explizit von Gemeinden forciert werden, schaut es derzeit am Immobiliensektor schlecht aus. „Grundstücke werden derzeit als Anlagevermögen oder Altersvorsorge gesehen. Auf den Banken gibt es wenige Zinsen – und Grund und Boden steigen kontinuierlich im Wert. Kaum jemand ist bereit, zu verkaufen“, erklärt Immobilienmakler Alexander Permoser. Daran hat bis dato auch die Corona-Krise nichts geändert, so der Experte. Die Nachfrage, speziell nach Baugründen, ist um ein Vielfaches höher als das Angebot am Markt.

600 Euro pro Quadratmeter

Teilweise steigen durch das rare Angebot die Quadratmeterpreise in astronomische Höhen. Das macht es für junge Leute, die bauen wollen und etwas finanzieren müssen, wieder teils unerschwinglich. Wurden gute Lagen in der Stadt Wiener Neustadt etwa vor einigen Jahren noch mit 150 bis 200 Euro pro Quadratmeter gehandelt, so muss man derzeit bereits bis zu 350 Euro für Bauland auf den Tisch blättern. Noch wesentlich teurer wird es, je näher man zum Wiener Speckgürtel kommt: Bauplätze in der Thermenregion um Sooß und Gumpoldskirchen oder beim Wienerwald wechselten zuletzt bereits für 600 Euro pro Quadratmeter und mehr den Besitzer.

Doskozils eigener Weg

Um genau so eine Entwicklung hintanzuhalten, plant Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) eine höchst umstrittene Novelle des Raumplanungsgesetzes. Kritiker nehmen bereits das Wort Enteignung in den Mund. Der Landeschef will im Burgenland einen Höchstpreis für Bauland auf Basis des Fünfjahresmittelwerts der Statistik Austria plus Aufschließungskosten einführen. Wer Grund und Boden in Siedlungsgebieten nicht an Bauwillige verkaufen möchte, soll eine jährliche „Mobilisierungsabgabe“ leisten, sprich mehrere Hundert Euro bezahlen.

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