Pfarrer Adolf Valenta, Dragan Proksch, Pfarrer Sladjan Vasic, Pfarrer Markus Lintner und Bürgermeister Hans Stefan Hintner als „Hausherr“ (v. li.) in der Mödlinger Josefskirche.

© Jedlicka Stefan

Chronik Niederösterreich
09/18/2021

Drei Konfessionen unter einem Kirchendach

Mödling ist anders – jedenfalls in religiöser Hinsicht. Römisch-katholische, evangelische und orthodoxe Pfarren pflegen einzigartige Zusammenarbeit.

von Stefan Jedlicka

Seit vielen Jahrzehnten hat die Ökumene in Mödling einen hohen Stellenwert. Bereits der langjährige, mittlerweile verstorbene Stadtpfarrer Wilhelm Müller war für die enge Zusammenarbeit mit seinen evangelischen Amtskollegen bekannt.

Nun startet in Mödling ein österreichweit einzigartiges ökumenisches Projekt: Seit Pfarrer Sladjan Vasic am 5. September den ersten universal-orthodoxen Gottesdienst in der Josefskirche am Hyrtlplatz gefeiert hat, wird das Gotteshaus sogar von drei christlichen Konfessionen genutzt.

"Wunderbares Zeichen"

Denn auch der römisch katholische Pfarrer Adolf Valenta und der evangelische Pfarrer Markus Lintner sind hier am Werk. Während Evangelische und Orthodoxe die Kirche regelmäßig für Gottesdienste nutzen, feiert die römisch-katholische Pfarre vor allem Hochzeiten und Taufen in St. Josef.

„Es ist ein wunderbares Zeichen der christlichen Verständigung. Ich bin mehr als stolz, dass dieses großartige Projekt hier stattfindet“, sagt Bürgermeister Hans Stefan Hintner (ÖVP). Die Josefskirche – wegen des benachbarten, ehemaligen Waisenhauses auch unter dem Namen Waisenhauskirche bekannt – befindet sich unter dem Patronat der Stadtgemeinde. Diese hat in den vergangenen Jahren viel in die Renovierung des Gotteshauses und in die Restaurierung der Orgel investiert.

Eigentum der Stadt

Auch in diesem Punkt ist Mödling eine Ausnahme: Als Patronatspfarre stehen die Kirchen – neben St. Josef auch die Spitalskirche und die Stadtpfarrkirche St. Othmar – seit dem Jahr 1556 im Eigentum der Stadt (siehe Infokasten). Sie müssen daher auch von dieser erhalten werden. Hintergrund: Davor war der jeweilige Dechant im Stephansdom auch Pfarrer von Mödling – ein Amt, das in der Praxis jedoch kaum ausgeübt wurde.

Kaiser Ferdinand I. schenkte die Pfarre samt Besitztümern daher dem damaligen Markt Mödling. Die Bedingungen: Statt eines evangelischen Predigers musste wieder ein katholischer Pfarrer für die Seelsorge verantwortlich sein. Und Mödling musste katholisch werden.

Instandhaltung

Verfügte die Pfarre einst über eigenen Grundbesitz, so wurden diese Vermögenswerte unter Bürgermeister Josef Schöffel im 19. Jahrhundert veräußert, um einen neuen Stadtteil, die sogenannte „Schöffelvorstadt“, errichten zu können. „Seither ist die Pfarre voll budgetwirksam“, sagt Bürgermeister Hintner.

Aktuell müsse man allerdings mit keinen größeren Sanierungen rechnen, sagt Adolf Valenta auf KURIER-Nachfrage. „Die Kirchen sind als historische Gebäude natürlich immer pflegebedürftig, wurden aber sehr gut instand gehalten.“

1556 schenkt Kaiser Ferdinand I. mit dem sogenannten „Gabebrief“ dem Markt Mödling allen Besitz der Pfarre: die kirchlichen Gebäude, Wälder, Weingärten und Felder.

1748 bietet Erzbischof Kollonitz Mödling 10.000 Gulden für das Pfarrpatronat. Es kommt jedoch nicht zum Verkauf. Die Vereinbarungen des „Gabebriefes“ gelten noch heute: Die Stadtgemeinde trägt die Baulast für die Kirchen und bestimmt mit, wer  Pfarrer wird.

Neuer Pfarrverband

Der 42-Jährige hat die römisch-katholische Stadtpfarre erst vor wenigen Wochen als neuer Pfarrer übernommen. Valenta ist auch Dechant und Leiter des neu gegründeten „Pfarrverbandes am Mödlingbach“, der auch Wiener Neudorf einschließt. Er stammt aus Ebreichsdorf im Bezirk Baden und hat zuvor bereits drei Pfarren zeitgleich geleitet – nämlich Brunn, Gumpoldskirchen und Neu Guntramsdorf.

Ein extra Dankeschön gab es für Dragan Proksch aus der orthodoxen Gemeinde, der den Kontakt von Pfarrer Vasic zur Stadt Mödling hergestellt hatte und so den Anstoß zur Übersiedlung von Traiskirchen im Bezirk Baden nach Mödling gegeben hatte. Denn die Orthodoxen waren mit den räumlichen Gegebenheiten in Traiskirchen nicht mehr zufrieden.

„Wir hatten mehr als 100 Gläubige bei Gottesdiensten, aber nur rund 50 Sitzplätze zur Verfügung“, sagt Vasic, der außerdem in mehreren Mödlinger Schulen Religion unterrichtet. „Jetzt ist es möglich, mit den Schülern in nur wenigen Minuten in die Kirche zu gehen“.

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