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Er rettete eine Taube – und bekam eine Freundin fürs Leben

Im Herbst rettete Michael Bübl Brieftaube Dorothea das Leben. Seither sind sie beste Freunde.
Lächelnder Mann hält eine Taube vor einer bunt bemalten Wand.

In der Stadt unerwünscht, bei feierlichen Anlässen gequält, als Briefträger oft ausgebeutet – Tauben haben unter den Menschen meist keinen guten Stellenwert. Zuletzt sorgten die Tiere in Krems für einen veritablen Politstreit. Dabei sind die Tiere weit besser als ihr Ruf. Die sozialen Vögel, selbst Stadttauben, sind Nachkommen ausgesetzter Brief- und Haustauben und damit sind sie eigentlich sogar die idealen Haustiere.

Davon ist zumindest Sicherheitsberater und Buchautor Michael Bübl aus Ernstbrunn (Bezirk Korneuburg) überzeugt. Und er muss es wissen, denn seit Herbst 2025 lebt Taube Dorothea bei ihm. Die beiden sind unzertrennlich. Sogar zur Arbeit begleitet ihn Dorothea. Sie sei quasi seine Kollegin, erzählt er.

„Häufchen Elend“

Begonnen hat die vielleicht gar nicht so ungewöhnliche Freundschaft eines Abends im September. Vis-à-vis seines Zuhauses, vor einem Wirtshaus, wurde Bübl auf eine Gruppe Fußgänger aufmerksam, die um einen „Klumpen“, wie es der Schlosser beschreibt, herum standen. Plötzlich habe einer der Umstehenden diesen Klumpen auf die Straße gekickt. 

Bübl sah genauer hin und erkannte in „dem Häufchen Elend“ eine verletzte Taube. Zerzaust, mit abstehendem Flügel. „Ich habe mich auf die Taube gestürzt, mit einem Hechtsprung“, erinnert sich Bübl.

Daheim gönnte er der verletzten Brieftaube erst einmal ein warmes Bad. „Das hat ihr gefallen.“ Dann richtete er vorsichtig ihren Flügel und gab ihr mit einer Pipette Wasser. Über Nacht setzte er das Tier in einen Katzenkorb. „Dort ist sie zusammengebrochen, den Kopf zur Seite, die Augen zu. Ich dachte, sie wird sterben.“

Weit gefehlt. Am nächsten Tag erwartete sie Bübl freudig, der das Tier weiter aufpäppelte. Für den verletzten Flügel bastelte er eine Krücke, um ihn ruhig zu stellen. Nach einer Woche konnte die Taube, die Bübl Dorothea nannte, den Flügel wieder etwas bewegen. Bübl machte daraufhin täglich Flugübungen mit dem Tier. Immerhin wollte er die Taube ja wieder freilassen. Den Besitzer konnte er nicht ausfindig machen.

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Wellness: Ein Genuss für Mensch und Taube.

Doch Dorothea hatte andere Pläne. Sie blieb – und wurde Bübls beste Freundin. „Die ist sowas von herzig, sowas von lieb. Die mag kuscheln wie ein Kater“, schwärmt er. Apropos Kater. Der hat sich ebenfalls schon weitgehend an die neue Mitbewohnerin gewöhnt. Mittags sitzt Dorothea am Fenster und schaut sich die Schulkinder an. Sie liebt es, zu baden und jeden Tag muss ihr Bübl – der sich selbst scherzhaft als Butler bezeichnet – den Bauch kraulen.

„Das Herzigste ist in der Früh. Da kommt sie zu mir ins Bett und legt sich auf die Decke oder kriecht darunter und schläft noch eine Stunde.“ Später begleitet sie Bübl unter der Jacke zur Arbeit. Sogar rodeln waren die beiden im Winter gemeinsam. „Sie ist immer bei mir. Wenn ich weggehe, ist das die Hölle für sie“, sagt der Sicherheitsberater.

Intelligent und sozial

Dorotheas Verhalten ist nicht ungewöhnlich. Tauben sind sehr soziale, intelligente sowie treue Tiere. Sie leben monogam und teilen sich die Aufzucht der Jungtiere. Zudem können sie Menschen wiedererkennen oder sich 100 verschiedene Fotos merken. Sie können sogar englische Wörter lernen. Untersuchungen zeigen, dass Tauben ein Bewusstsein für sich selbst haben: Sie erkennen sich im Spiegel. Bübl selbst möchte zu mehr Respekt gegenüber den Tieren aufrufen.

Er ist nicht alleine. In Wien hat etwa Fabian Hummer vor vier Jahren ein kleines Taubenküken gerettet. Heute teilt er den Alltag von Mango auf einem Instagram-Account. In Deutschland wurden Tierschützer Malte Zierden und seine Taube Oßkar bekannt. Ihr wurde sogar eine Kinderbuch-Reihe gewidmet.

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