Taubenplage in Krems? "Am Bahnhof merkt man es definitiv"
Insbesondere der Bahnhof sei durch Taubenkot belastet.
Tauben sind besser als ihr Ruf. Um nicht zu sagen: viel besser. Dank ihrer guten Orientierung und kognitiven Fähigkeiten waren die häufig unterschätzten Tiere früher beliebte Postboten. Auch für ihr Fleisch oder zu Ausstellungszwecken wurden sie vom Menschen gezüchtet.
Zwar hat sich das Image der Tauben in den letzten Jahren gebessert, vielerorts gilt der Vogel dennoch als Plage. Ihre Dienste sind obsolet geworden, ihre Nachkommen jedoch geblieben. Als verwilderte Haustiere gehören sie vielerorts zum Stadtbild – auch in Krems.
ÖVP beklagt "massive Plage"
Sehr zum Leidwesen der lokalen ÖVP, wie die Stadt-Partei in einer Aussendung schreibt. Es gebe eine seit Jahren bestehende "massive Tauben- und Dohlenplage", welche sich seit Monaten verschärfe. Das Problem zeige sich insbesondere am Bahnhofplatz, präge jedoch auch andere Teile der Stadt. "Die Aufenthaltsqualität leidet massiv, gleichzeitig steigen die Belastungen für Anrainer, Wirtschaftstreibende und die öffentliche Hand kontinuierlich an", heißt es in dem Schreiben.
Dringlichkeitsantrag ohne Unterstützung
Aus diesem Grund wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung ein Dringlichkeitsantrag für die Ausarbeitung und Umsetzung eines umfassenden Maßnahmenpakets zur Vergrämung der Tiere eingebracht. Dass dieser weder seitens der SPÖ noch der FPÖ Unterstützung fand, sorgte bei den Antragstellern für Unmut. Stadtpartei-Obmann Martin Sedelmaier betonte etwa, dass es an der FPÖ sei, eine Lösung zu finden und warf der Partei vor, an einer "Arbeitsallergie" zu leiden.
Denn politisch ist Christoph Hofbauer (FPÖ) für das Thema Stadttauben in Krems zuständig. Seine Abteilung arbeite bereits seit längerer Zeit an einem Taubenkobel, entgegnet der Tierschutzstadtrat den Vorwürfen. Die Aufregung seitens der ÖVP könne er insofern nicht nachvollziehen, als dass er im Ausschuss laufend über die Zwischenstände des Projekts informiert habe. "Da sitzen auch Vertreter der ÖVP am Tisch", so Hofbauer, der den im nächsten Jahr anstehenden Wahlkampf als Auslöser der Debatte vermutet.
Ei-Attrappen ins Gelege
Als Vorlage für die geplanten Maßnahmen in Krems dient das sogenannte Augsburger Modell. Die deutsche Stadt hatte viele Jahre mit hohen Taubenpopulationen zu kämpfen und betreut mittlerweile mehrere Schläge, in denen die Tiere versorgt werden. Um den Artbestand nachhaltig zu kontrollieren sowie einzudämmen, werden die Gelege regelmäßig durch Eier-Attrappen ausgetauscht.
Ein geeigneter Standort für einen solchen Taubenkobel in Krems konnte bereits gefunden werden, die bauliche Genehmigung sei ebenfalls erfolgt. "Jetzt geht es um die Finalisierung von ein paar Rahmenbedingungen", sagt Hofbauer. Der Schlag müsse gewissen Anforderungen gerecht werden, etwa geschützt sein und über eine Wasserquelle verfügen.
Amtstierarzt: Problem nicht größer als anderswo
Die derzeitige Taubenpopulation ist für Amtstierarzt Thorben Rhalves weniger ein Tierschutzthema als ein Problem für das Stadtbild. Die Problematik sei in Krems weder schlimmer noch besser als in anderen Städten. Aber: "Am Bahnhof merkt man es definitiv", so Rhalves. Als Grund dafür verweist der Tierarzt darauf, dass Passanten die Tauben mit ungeeigneten Lebensmitteln füttern würden - bisweilen sogar mit Eis.
"Wir nehmen es nicht als akutes Problem wahr"
Keine Zählungen
Im Magistrat ist Hannes Zimmermann mit dem Tauben-Thema betraut. "Wir nehmen es nicht als akutes Problem wahr", sagt er. Die Population sei seiner Einschätzung nach nicht signifikant gestiegen, Zählungen gebe es jedoch keine. Mit dem Taubenschlag soll noch heuer eine Lösung geschaffen werden. Wichtig sei, die Tauben als Lebewesen wahrzunehmen, sie nicht zu töten, sondern an einen geeigneten Platz umzusiedeln und dort zu betreuen. Diese Aufgabe werde ein Verein übernehmen, der sich aktuell formiert.
Eine treibende Kraft dahinter ist Sarah Yasmin Weninger. Die Taubenfreundin ist vor einem Jahr mit dem Tierschutzstadtrat ins Gespräch gekommen und habe das Projekt mit Hofbauers Hilfe vorangetrieben.
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