© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Niederösterreich
06/28/2019

Der Sommer wird zur Geduldsprobe für Wien-Pendler

Auch heuer sorgen Baustellen auf wichtigen Bahnstrecken für gravierende Einschränkungen.

von Kevin Kada

Jeder kennt ihn, niemand mag ihn. Und doch kommt er garantiert jedes Jahr: der Baustellensommer. Aber nicht nur auf Österreichs Straßen wird eifrig gebaut, sondern auch das Schienennetz wird im Sommer oft größeren Baumaßnahmen unterzogen.

Das hat vor allem den Grund, dass viele Pendler im Sommerurlaub sind und auch der Schülerverkehr ferienbedingt nicht stattfindet. Für die Zuhause gebliebenen Pendler im Großraum rund um Wien bedeuten Baustellen aber oft eine Geduldsprobe. So sind heuer zwischen 29. Juni und 1. September vor allem drei Baustellen besonders gravierend.

 

Auf der Franz-Josefs-Bahn wird von 29. Juni bis 1. September das Teilstück zwischen dem Wiener Franz-Josefs-Bahnhof und Herzogenburg für die Züger 5914 und 5927 (Radtremper) gesperrt. Für die Stationen Klosterneuburg, St. Andrä/Wördern, Tulln, Traismauer und Herzogenburg wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die S40 verkehrt in diesem Bereich normal. Hinzu kommt, dass auf der Schnellbahnlinie S40 zwischen Herzogenburg und St. Pölten ebenfalls Bauarbeiten stattfinden. Auch hier gibt es Ersatz-Busse.

Eine weitere Linie die in diesem Sommer von Baumaßnahmen betroffen ist, ist die Laaer Ostbahn. Sie wird zwischen Wolkersdorf und Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach) zur Gänze gesperrt. Zwar wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, aber es ist dennoch mit gravierenden Verspätungen zu rechnen. Die ÖBB empfehlen, etwa 30 Minuten mehr Reisezeit einzurechnen.

 

Insgesamt investiert die Bahn in diesem Baustellenbereich etwa 19 Millionen Euro. Dabei geht es vor allem um rund 17 Kilometer Gleisanlagen, die entlang der Strecke neu verlegt werden. Der Großteil der neuen Gleise wird zwischen Wolkersdorf und Schleinbach sowie zwischen Ladendorf und Mistelbach verlegt. Außerdem wird ein neuer Bahnsteig in Paasdorf gebaut

„Die restlichen Baumaßnahmen betreffen Erneuerungs und Erhaltungsarbeiten entlang der Strecke“, erklärt ein ÖBB-Sprecher. Das Unternehmen bittet auch Anrainer um Verständnis, denn ein Teil der Bauarbeiten wird auch in der Nacht stattfinden. „Die ÖBB sind bemüht, Lärm und Staubentwicklung so gering wie möglich zu halten.“

Keine Klimaanlage

Anstrengend wird die Bauphase für die Betroffenen vor allem wegen der Hitze dennoch, wie eine Pendlerin aus Laa an der Thaya meint: „Ich habe meistens das Glück, dass ich beim Schienenersatzverkehr einen nicht klimatisierten Bus erwische. Und das ist im Sommer wirklich sehr unangenehm. Ich verstehe, dass die Baumaßnahmen sein müssen. Aber Busse ohne Klimaanlage, das geht im Sommer gar nicht.“

 

Auch im Süden von Wien müssen Pendler mit Verzögerungen rechnen. Die Pottendorfer Linie wird zwischen Hennersdorf und Ebreichsdorf für S-Bahnen gesperrt. Einen Schienenersatzverkehr wird es auch hier geben. Die Regionalexpress-Züge werden über Gramatneusiedl umgeleitet. Außerdem können Reisende, die nach Ebreichsdorf wollen, bis zum Bahnhof Wampersdorf fahren und von dort mit einem Shuttleservice weiterreisen.

Verkehrszunahme

Der Verkehrsclub ARBÖ befürchtet ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die geplanten Baumaßnahmen. „Gerade auf der Autobahn A5, sowie über Ausweichrouten wie der S1 bei Korneuburg und der Donauufer-Autobahn A22 kann es zu erhöhtem Verkehr kommen“, erklärt ein Sprecher des ARBÖ. Besonders betroffen wird unter anderem die Auffahrt zur Nordbrücke sein. Denn hier trifft der verstärkte Verkehr durch die Sperre der Franz-Josefs-Bahn auf die alltägliche Überlastung in Richtung Gürtel.

 

Update: Zuvor stand in dem Artikel, dass die S40 zwischen Wien Franz-Josefs-Bahnhof und Herzogenburg gänzlich gesperrt ist. Dies gilt allerdings nur für die Radtremper-Züge.