© Kurier/Gilbert Novy

Interview
09/17/2018

Fünf Jahre danach: Damit sich Annaberg nicht wiederholt

Landespolizeichef Konrad Kogler über die Lehren aus dem Amoklauf, den er als oberster Polizist erlebte.

von Patrick Wammerl, Johannes Weichhart

Es war eines der schwärzesten Kapitel österreichischer Kriminalgeschichte. Als der Wilderer Alois Huber am 17. September 2013 in Annaberg drei Polizeibeamte und einen Rotkreuz-Sanitäter erschoss, war der heutige nö. Landespolizeidirektor Konrad Kogler als Generaldirektor für öffentliche Sicherheit oberster Polizist der Republik. Es lag damals an ihm, die Tragödie aufzuarbeiten und die entsprechenden Lehren zu ziehen.

KURIER: Sie waren im September 2013 Generaldirektor für öffentliche Sicherheit. Wann hat sie die Nachricht vom Amoklauf erreicht?

Kogler: Die Verständigung erfolgte unmittelbar in den Nachtstunden. Daraufhin wurde zusätzlich zum Einsatzstab in Niederösterreich ein weiterer Stab im Einsatz- und Koordinationscenter (EKC) eingerichtet. Das ist die zentrale Kommunikations- und Koordinationsplattform des Innenministeriums.

Waren Sie damals im Einsatzgeschehen eingebunden?

Ja, wie bei derartigen Lagen üblich, ist selbstverständlich auch der Einsatzstab im Ministerium miteingebunden.

Es gab bis dato wenig vergleichbare Szenarien für die Polizei in Österreich, oder?

Das ist richtig. Atypisch in diesem Fall war insbesondere das Verhalten des Täters, der, statt zu flüchten, immer wieder auf das Neue die Konfrontation mit der Polizei suchte.

Dem Täter gelang es, eine Straßensperre zu durchbrechen bevor er sich versteckte und das Feuer auf die Beamten eröffnete. Wurden aus heutiger Sicht Fehler bei dem Einsatz gemacht?

Derartige Situationen müssen immer aus der Sicht und mit dem Informationsstand bewertet werden, den die eingesetzten Kräfte zum Zeitpunkt des Ereignisses hatten. Selbstverständlich wurde auch eine genaue Evaluierung des Einsatzes unter Beiziehung von externen und internationalen Experten durchgeführt und Schlüsse daraus gezogen.

Was sind die Lehren aus dem tragischen Ereignis? Inwiefern hat die Polizei Einsatzmodelle oder die Ausrüstung für ähnliche Situationen verändert?

Die in der Evaluierung vorgeschlagenen Maßnahmen wurden umgesetzt. Dies betrifft sowohl Maßnahmen im Bereich der Ausrüstung und Ausstattung als auch im taktischen Vorgehen.

Können Sie das konkretisieren?

Zum Beispiel wurden neue, leichtere ballistische Schutzwesten angeschafft. Auch Helme und Nachtsichtoptiken waren bei der Beschaffungsoffensive dabei. Deutlich aufgerüstet wurde auch beim Fuhrpark mit gepanzerten Mannschaftstransportern.

Weil der Amokläufer mit einem Streifenwagen der Polizei flüchtete, gab es nach Annaberg den Plan, jedes Polizeiauto mittels GPS lokalisierbar zu machen. Wurde das umgesetzt?

Die vollständige Umsetzung soll mit der Einführung des neuen Einsatzleitsystems im ersten Quartal 2019 erfolgen.

Der Wilderer hat einen Rotkreuz-Mitarbeiter erschossen, der in unmittelbarer Nähe des ersten Tatortes gewartet hat. Dürfen Einsatzfahrzeuge der Rettungsorganisationen heute immer noch so nahe zum Ort des Geschehens zufahren?

Dies wird immer im Einzelfall zu entscheiden sein, doch grundsätzlich werden Kräfte der Rettung oder Feuerwehr erst in einen gesicherten Einsatzraum gebracht. Dafür wurde ein eigenes Einsatz-Handbuch mit Rettung und Feuerwehr erstellt. In Annaberg wurde der Rotkreuz-Wagen von zwei bewaffneten Beamten begleitet, die schließlich auch unter Beschuss geraten sind.

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