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Chronik Niederösterreich
01/02/2021

COVID-Grenze im Waldviertel: „Es sind nur äußerliche Barrikaden“

In Gmünd ist man die offene Grenze gewohnt; durch die Schließung wurde die Zusammenarbeit schwieriger, war aber weiter möglich

von Teresa Sturm

Es war im Jahr 1989, als der Eiserne Vorhang geöffnet wurde. Menschen aus Tschechien und Österreich konnten endlich wieder ins Nachbarland reisen. 30 Jahre später fanden unzählige Veranstaltungen zum Jubiläum statt, wo die offene Grenze gefeiert wurde. Nur ein Jahr später muss aber genau diese aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen werden. Gmünd im oberen Waldviertel und die Stadt České Velenice sind plötzlich wieder voneinander abgeschnitten.

Angst

„Beim ersten Lockdown hat es einige Unklarheiten gegeben. Zum Beispiel wenn es um die Situation mit Pendlern und Pflegekräften ging“, sagt Harald Winkler von der Stadtgemeinde Gmünd. Zu Beginn sei schon Angst da gewesen. „Es hat uns geschreckt. Es ist normal, dass die Grenzen offen sind und dann werden sie in so kurzer Zeit geschlossen“, berichtet Winkler. Es habe aber auch darin bestärkt, dass es viele Wege gäbe, wie man kommunizieren kann. „Es sind nur äußerliche Barrikaden.“

Helga Rosenmayer, Bürgermeisterin von Gmünd, spricht ebenso von Unsicherheiten in der Bevölkerung. Doch diese konnten auf der Gemeinde oder in der Bezirkshauptmannschaft geklärt werden. „Das waren so Anfragen wie ’Darf ich heiraten?’, ’Wie verhalten wir uns bei einer Beerdigung?’“, sagt Rosenmayer. Die Zusammenarbeit mit České Velenice und Bürgermeister Jaromír Slíva sei weiterhin sehr gut gewesen. „Nachdem im Frühjahr die Grenze wieder offen war, haben wir uns dort gleich getroffen.“

Verzögerungen

Grenzübergreifende Projekte konnten normal weiterlaufen. Der Wirtschaftspark sei etwa betrieben worden. Das Schulzentrum Gmünd, das tschechische und österreichische Schüler besuchen, wurde rasch auf Distance Learning umgestellt. Der Bau des Gesundheitszentrums Gmünd/České Velenice konnte ebenfalls weitergehen. „Im Sommer sollte es fertig sein, damit im Herbst die ersten Patienten versorgt werden können“, sagt Manfred Mayer, Manager des Zentrums. Doch es habe immer wieder Verzögerungen gegeben: „Einmal war bei uns Lockdown, dann wieder drüben. Aber es haben immer Gespräche stattgefunden.“

Der Tourismus habe in Gmünd sogar einen Aufschwung erlebt, erzählt Rosenmayer: „Das sehe ich als positives Zeichen für unsere Stadt und die Region.“ Die Kulturszene hingegen litt massiv unter den Corona-Maßnahmen. Thomas Samhaber spürte das besonders. Der Historiker veranstaltet Events wie das Festival „Übergänge Přechody“ in Gmünd und České Velenice. Das wurde auf 22. bis 25. Juli 2021 verschoben.

Zumindest sein neues Buch „Begegnung an der Grenze“, wo es um die Beziehung von Franz Kafka und Milena Jesenská geht, konnte er im Sommer bei einem literarischen Spaziergang präsentieren. Statt den erwarteten 30 kamen 130 Personen. Er habe gemerkt, dass die Menschen kulturell ausgehungert seien.

„Man sieht jetzt, dass die grenzüberschreitende Bewegung bei vielen Leuten ein Teil ihres selbstverständlichen Alltags geworden ist. Durch diese Schließung ist uns wieder bewusst geworden, dass offene Grenze nicht selbstverständlich sind. Das ist, finde ich, sehr lehrreich.“ Nun hofft er für Juli auf ein großes Fest zur neuerlichen Grenzöffnung, „wo Leute aus Tschechien und Österreich gemeinsam tanzen können“.Teresa Sturm

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