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Klimawandel: NÖ Bergbahnen erleben ein Sommerhoch

Vom Skigebiet zur Ganzjahresdestination. Wie der Wandel gelingt, zeigt ein „Best-Practice-Beispiel“ am Wechsel.
Frühstück am Sessellift in Mönichkirchen: Das Angebot wird gut angenommen.

Was tun, wenn die weiße Pracht ausbleibt und in Skigebieten kein Euro mehr rollt? Mit diesem Szenario mussten sich Touristiker und Strategen in den alpinen Regionen Niederösterreichs schon vor mehr als einem Jahrzehnt intensiv auseinandersetzen.

Manche Destinationen haben aus der Not eine Tugend gemacht. Als gutes Beispiel für die erfolgreiche Transformation vom klassischen Skisportgebiet zur Ganzjahresdestination mit Liften, die auch ohne Schnee Besucher anziehen, gilt die Erlebnisalm Mönichkirchen am Wechsel (Bezirk Neunkirchen).

Mit mehr als 60.000 Besucherinnen und Besuchern wurde 2025 ein neuer Sommer-Gästerekord erzielt.

Mit mehr als 60.000 Besucherinnen und Besuchern wurde 2025 ein neuer Sommer-Gästerekord erzielt.

2011 wurde das finanzmarode Skigebiet vom Land Niederösterreich übernommen und von der heutigen Ecoplus Alpin GmbH ausgebaut und entwickelt. Mit dem Ziel, den Gästen das ganze Jahr über attraktive Freizeit- und Naturerlebnisse zu bieten, erklärt Geschäftsführer Markus Redl. Denn als reines Skigebiet alleine wären die Bergbahnen dem Untergang geweiht.

Auch wenn der Winterbetrieb aufgrund der teureren Lifttickets immer noch 70 Prozent des Umsatzes generiert, ist der betriebliche Aufwand durch die teure Beschneiung, Pistentechnik und den Personalaufwand weit größer als im Sommer, sagt Ralf Eisenhut, Geschäftsführer der Erlebnisalm Mönichkirchen.

Besucherrekord im Sommer

Seit der Übernahme durch das Land verzeichnete der Standort Mönichkirchen mehr als 1,9 Millionen Besuchereintritte. Dass man mit dem Ausbau zum Ganzjahres-Ausflugsziel aufs richtige Pferd gesetzt hat, veranschaulicht am besten das vergangene Jahr. In der Sommersaison 2025 konnte mit 60.451 Ersteintritten ein „historischer Höchststand“ erzielt werden – eine Steigerung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2015, so Redl und Eisenhut. Zum Vergleich: In einem schwachen Winter wie in der Saison 2023/24 zählte man mit 49.458 Gästen deutlich weniger Eintritte als letzten Sommer. Im vergangenen Winter waren es 79.386 Gäste.

erlebnisalm Mönichkirchen

Tiefwinterliche Verhältnisse sehen anders aus: Talstation der Erlebnisalm Mönichkirchen

Viele Millionen Euro für den Erfolg investiert

Der Wandel zur wirtschaftlich erfolgreichen Ganzjahresdestination kam nicht von ungefähr. „Es wurden dafür gut zehn Millionen Euro in den vergangenen Jahren investiert“, sagt der Ecoplus-Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Hackl. Wie er am Mittwoch erklärte, „gibt es ohne Lift keinen Tourismus, ohne Tourismus keine Arbeitsplätze und ohne Arbeitsplätze verliert die Region ihre Lebenskraft. Jeder vierte erwirtschaftete Euro und jeder dritte Arbeitsplatz in den Standortgemeinden hängen direkt oder indirekt mit den Niederösterreichischen Bergbahnen zusammen.“

Mit verschiedenen Attraktionen habe man einen „hybriden Betrieb“ geschaffen. Auf Wetterphänomene werde rasch reagiert. Wenn zu Ostern ein Warmwettereinbruch die Knospen sprießen lässt, sind die Schneekanonen und Pistengeräte längst verstaut und die Mountaincarts und Roller für die Schotterpiste hergerichtet.

Schon 280 Betriebstage pro Jahr

„Wir betreiben längst keinen reinen Sommer- oder Winterlift mehr, sondern steuern einen Ganzjahres-Erlebnisraum mit eigener Produkt– und Preislogik an rund 280 Betriebstagen im Jahr. Durch die Mehrfachnutzung unserer Infrastrukturen - wie etwa dem zentralen Servicecenter für Bike– und Skiverleih - schaffen wir Synergien, die den Betrieb krisenfest und flexibel machen“, sagt Eisenhut.

Die Mountaincart-Strecke wurde heuer ausgebaut und um eine neue Route erweitert.

Die Mountaincart-Strecke wurde heuer ausgebaut und um eine neue Route erweitert.

Frühstück am Sessellift

Neu ist heuer eine zweite, besonders familienfreundliche Mountaincart-Strecke (Alm-Route) über 1,8 Kilometer. Ab der kommenden Saison soll es außerdem modifizierte Mountaincarts für kleinere Kinder geben, die ein sicheres Funsport-Erlebnis ermöglichen.

Besonders stolz ist man auf der Erlebnisalm auf eine Innovation aus den eigenen Reihen. Betriebsleiter Christoph Stangl hatte die Idee von einem „Frühstück & Jause am Sessellift“. Die örtliche Bäckerei Dorfstetter liefert frische Semmel, Kipferl und ein Frühstückspaket für den Genuss am Lift. Das Angebot wurde seit dem Start 2024 über 1.700 Mal gebucht. „Es zeigt, wie auch ohne massive Baumaßnahmen durch kreative Kooperationen neue Wertschöpfungsimpulse für die gesamte Region Wechselland entstehen“, so die Verantwortlichen.

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Bikepark brachte Region den Aufschwung

Man braucht nicht weit zu schauen, um ein ähnlich erfolgreiches Tourismusmodell zu finden. Ein paar Kilometer weiter in St. Corona am Wechsel hat das Konzept der Ganzjahresdestination mit einem kleinen Kinderskiland, zwei Bikeliften, Motorikpark und Sommerrodelbahn international als „Best-Practice“-Beispiel eingeschlagen.

Die Wexl-Arena war heuer beim 13. Weltkongress zu Schnee-, Berg- und Wellness-Tourismus der Vereinten Nationen in Andorra vor 400 Teilnehmern als gelungenes Beispiel für Klimawandelanpassung präsentiert worden. 250.000 Besucher jährlich stürmen das ehemalige Skigebiet, welches 2014 geschlossen und die Lifte abgebaut wurden.

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