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Chronik Niederösterreich
07/27/2021

Badens historisches Erbe bringt Verpflichtungen mit sich

Seit Samstag zählt die Kurstadt zum UNESCO-Welterbe. Für private Eigentümer soll sich durch den Status nichts verändern

von Stefan Jedlicka

Mondäne Badeanstalten, historische Villen und ausgedehnte Parkanlagen. Als Kurstadt mit dem Flair des Biedermeiers und der Kaiserzeit hat sich Baden bei Wien einen Namen gemacht, den man touristisch eifrig pflegt. Seit Samstag wird das historische Erbe auch von der UNESCO durch die Erhebung Badens zum Welterbe gewürdigt. Doch was bedeutet dieser Status in der Praxis? Welche konkreten Auswirkungen hat er für Eigentümer historischer Gebäude?

„Gar keine“, sagt Stadtrat Hans Hornyik, UNESCO-Beauftragter und seit Jahren treibende Kraft hinter der Bewerbung Badens um das Welterbe-Siegel. „Wir sind bekannt dafür, dass wir schon bisher sehr hohe Standards hatten. Das war ja mit ein Grund dafür, dass man uns ausgewählt hat.“ Bereits vor Jahren wurden gemeinsam mit dem Denkmalamt Schutzzonen in der Stadt definiert, die sehr genau festlegen, welche Bauprojekte in welchem Rahmen erlaubt sind. Zusätzliche Auflagen werde es keine geben. Das bestätigt auch Florian Meixner, stellvertretender Generalsekretär der österreichischen UNESCO-Kommission: „Grundsätzlich liegt die Zuständigkeit bei der Stadt Baden. Es gelten die Vorgaben des Denkmal- und Ortsbildschutzes, die schon bestehen.“ Keinesfalls gebe es Einflussnahme der UNESCO auf private Bauprojekte. „Die Bewerbung ist eine Selbstverpflichtung der Stadt und wir gehen davon aus, dass alles dafür getan wird, die vereinbarten Richtlinien einzuhalten“, betont Meixner.

Sanierungsprojekte

Unterstützt wird die Stadt andererseits vor allem in organisatorischer Hinsicht. Finanzielle Zuwendungen seitens der UNESCO gibt es nicht. Wohl aber seitens des Bundes, der aktuell die Sanierung der Sommerarena im Badener Kurpark fördert. „Und zwar deutlich mehr als erwartet, weil die Sommerarena ein zentraler Punkt der Welterbe-Bewerbung war“, freut sich Hornyik. Weitere Sanierungsprojekte seien bereits geplant: Etwa der baufällige Musikpavillon im Kurpark, oder die Ruine Rauhenstein.

Profitieren will man in Baden vom neuen Gütesiegel vor allem touristisch. „Das Thema soll aber auch nicht überstrapaziert werden“, sagt Bürgermeister Stefan Szirucsek (ÖVP): „Wir wollen keinen Massentourismus.“ Er setzt auf Kooperation mit den zehn weiteren Städten der „Great Spas of Europe“, mit denen Baden gemeinsam zum Welterbe erhoben wurde. Ein gemeinsamer Verein ist in Planung, die elf Bürgermeister, UNESCO-Beauftragten und Tourismusmanager sollen regelmäßig zusammenkommen. Sorgen, neue Vorhaben der Stadt könnten durch den Welterbe-Status erschwert werden – ähnlich dem Konflikt in Wien um das Hochhaus-Projekt am Heumarkt –, macht sich Szirucsek nicht: „Ich wüsste kein Grundstück in Baden, das so groß wäre, dass ein Projekt darauf den Welterbe-Status gefährden könnte. Im Übrigen gehen wir ja sehr behutsam mit unserer Baustruktur um.“

Schon seit dem Jahr 2000 auf der UNESCO-Liste findet sich die Wachau in NÖ. Die Auswirkungen seien durchwegs positiv, findet Johann Riesenhuber, Bürgermeister von Dürnstein: „Bei einem einzigen Bauprojekt haben wir seither die Zustimmung des Welterbe-Beirates eingeholt. Und es war ein sehr konstruktiver Prozess.“ Bei privaten Bauvorhaben orte er gestiegene Sensibilität für den Schutz des Ortsbildes. Bewusstseinsbildung sei ein wesentlicher Faktor, weiß auch Hans Hornyik. „Die Badener sollen wieder wissen, worauf sie stolz sind.“

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