Praxis geschlossen

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Chronik Niederösterreich
12/04/2019

Ärztin streikt: Telefon ins Büro des Bürgermeisters umgeleitet

Zugesagte Förderung von 50.000 Euro für neue Ordination in Wildendürnbach (Bezirk Mistelbach) wird seit 2011 nicht ausbezahlt.

von Kevin Kada

Seit Montag hat Wildendürnbach im Bezirk Mistelbach keinen Arzt mehr. Die ansässige Ärztin Claudia Pöckl-Tremba hat wegen eines Streits mit der Gemeinde ihre Ordination bis auf weiteres geschlossen.

Der Streit geht bereits zurück in das Jahr 2011. Damals wollte die Gemeinde zunächst ein Arzthaus renovieren, danach war ein Neubau angedacht. Stattdessen kaufte Pöckl-Tremba in Wildendürnbach ein Haus und eröffnete eine Ordination. „Ich wohne nicht hier, wollte aber die Ordination dort eröffnen. Die Gemeinde hat sich dadurch viel Geld gespart. Ich wollte aber eine Unterstützung haben“, erklärt die Medizinerin.

Unterstützung beschlossen

50.000 Euro forderte sie von der Gemeinde. Die war auch bereit, den Betrag zu zahlen. Das bestätigt Bürgermeister Herbert Harrach (ÖVP). In einer Gemeinderatssitzung 2011 wurde ein einstimmiger Beschluss gefasst.

Doch danach starteten die Probleme, wie die Ärztin berichtet: „Ich habe das nicht schriftlich bekommen und auch im Protokoll ist nichts von dem Beschluss zu finden. Und dann war die Zahlung der 50.000 Euro an Bedingungen gekoppelt.“

Forderungen

Darunter waren unter anderem eine Lebensversicherung und auch ein Eintrag der Gemeinde in das Grundbuch des Hauses. „Damals habe ich die Ordination bereits geführt. Hätte ich gewusst, welche Bedingungen auf mich zukommen, hätte ich mir das überlegt“, ärgert sich die Medizinerin. Für den Bürgermeister war das ein normaler Vorgang: „Wenn wir 50.000 Euro investieren, brauchen wir Sicherheiten.“

Seit Jänner 2012 herrschte Funkstille – zumindest bis November diesen Jahres. Mit Unterstützung eines Rechtsanwaltes gab es ein Gespräch mit dem Bürgermeister und einigen Gemeinderäten. „Ich wollte nun die zugesagte Unterstützung haben und habe mich auf die Forderungen eingelassen“, erklärt die Ärztin.

Anwaltsschreiben

Der Anwalt formulierte ein Schreiben samt Frist aus. Diese ließ die Gemeinde verstreichen. Mit der Begründung, dass die Sache erst vom Gemeinderat abgesegnet werden müsse, wie Ortschef Harrach erklärt. Das hat die Ärztin nun zur drastischen Maßnahme der Schließung ihrer Ordination bewogen.

„Ich habe meine Leistungen jahrelang erbracht und nun will ich, dass die Gemeinde ihre zugesagte Leistung erbringt.“ Nun klingelt das Telefon beim Bürgermeister: „Die Menschen rufen mich an, weil der Arzt zu hat und ich soll ihnen helfen.“ Laut Pöckl-Tremba wissen ihre Patienten von den Streitigkeiten und „sind nicht böse, dass ich diesen Schritt gesetzt habe.“

Brief der Gemeinde

Der Gemeinderat, so der Bürgermeister, wird nun einen Brief aufsetzen und diesen in einer Sitzung absegnen. Über den Inhalt kann Harrach noch nichts sagen: „Einige Gemeinderäte sind aufgrund der drastischen Vorgangsweise verärgert. Ob das Geld also ausbezahlt wird, kann ich nicht sagen.“ Für die Ärztin, die bereits im pensionsfähigen Alter ist, wäre nach der Ausbezahlung wieder alles in Ordnung: „Ich will diese Ordination führen und weiß auch, dass sich niemand finden würde, der die Praxis weiter betreut.“

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