Interreligiöse Schulfeier und Regenbogenzeichnung bringen FPÖ in Rage
Diese Einladung der Musikvolksschule Absdorf bescherte verbale Attacken der FPÖler.
Die einzeilige Ankündigung einer „interreligiösen Abschlussfeier“ auf der Schulhomepage genügte für die Musikvolksschule in Absdorf im Tullnerfeld, um von der FPÖ in Niederösterreich kräftig in die Mangel genommen zu werden.
Ohne sich an der Schule über konkrete Inhalte zum Fest zu informieren, prangern die Blauen „ideologische Experimente“ und eine „Zwangsbeglückung“ der Kinder an. Und weil’s vielleicht irgendwie ganz gut ins Repertoire passen könnte, „muss endlich Schluss sein mit diesen Regenbogen-Multi-Kulti-Feiern“. Das wird in einem Facebook-Posting der Freiheitlichen gefordert. Dafür gab’s zwar viele „Daumen hoch“ vom eigenen Klientel, zugleich aber auch viele recht klare und deutlich negative Kommentare.
Rätsel über Grund der Attacken
In einer Presseaussendung sieht der Tullner Landtagsabgeordnete Andreas Bors die interreligiöse Feier als glatte Themenverfehlung. „Wir leben hier im christlich-traditionellen Österreich“, sagt er.
Darüber, was die Verfehlung bezüglich des Abschlussfestes sein soll, wird in der Schule noch gerätselt.
Antwort aus der Schule
„Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft und wir erfüllen nur den Bildungsauftrag, alle miteinzuschließen. In unserer Gemeinde leben Menschen aus 28 Nationen, das ist auch mit den Schülern bei uns abgebildet“, sagt Direktorin Sonja Kreuzinger. Man wolle den gesetzlichen Auftrag korrekt erfüllen. Beim Fest am Donnerstagvormittag werde man singen und Freude haben, wenn auch die Eltern und Großeltern der Kinder da sind. Außerdem werden die Schüler der 4. Klassen feierlich verabschiedet, so die Leiterin der Schule mit 132 Kindern.
Der religiöse Beitrag bei der morgigen Feier beschränke sich lediglich auf zwei kleine Beiträge der katholischen und islamischen Religionslehrerinnen, in denen für das abgelaufene Schuljahr gedankt wird, so die Direktorin. LGBTQ-Inhalte gebe es bei dem Fest überhaupt nicht.
Um ins Visier der Freiheitlichen zu kommen, hatte die Veranstaltungsinfo auf der Schulhomepage gereicht. Eine Zeichnung mit lachenden und jubelnden Kindern mit bunten Wimpeln umrahmen den Text „Interreligiöse Abschlussfeier in der Volksschule Absdorf“. Und, ja, über den vielen bunten Ornamenten ist auch ein kleiner Regenbogen zu sehen.
Alles zusammen stellt wohl auch einen Sündenfall für den Absdorfer FPÖ-Gemeinderat Daniel Hollensteiner dar: „Diese Volksschule ist ein Paradebeispiel für den Kniefall vor fremden Kulturen und lauten, woken Minderheiten. Ich erinnere nur an das Anmeldeformular für Eltern, das neben ,männlich’ und ,weiblich’ die Kategorien ,inter’, ,divers’, ,offen’ und ’keine Angabe’ umfasste.“ Das Vorkommnis aus dem Vorjahr nennt auch Bors auf KURIER-Anfrage als Grund, warum er nun das Schulfest als interreligiöses Schulfest mit „Regenbogen-Tam-Tam“ attackiert.
Genderangebot in Einschreibungsformular
Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatte die Direktorin im Formular zur Schuleinschreibung einfach die Vorgaben zum Diskriminierungsschutz übernommen und war dadurch von den Freiheitlichen an den Pranger gestellt worden. 400 Seiten mit Shitstorm seien auf sie damals eingeprasselt, schildert sie. Mittlerweile frage sie das Geschlecht mündlich ab.
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