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Klosterneuburg
11/08/2021

„30er“ bringt Kahlschlag im Schilderwald

Mit Ausnahme der Hauptachsen gilt flächendeckend Tempo 30 in der gesamten Stadt. Experten begrüßen eine derartige Vereinheitlichung.

von Stefan Jedlicka

Die Neuigkeit wird schon an den Stadteinfahrten verkündet. Seit 25. Oktober weisen Zusatzschilder an allen Ortstafeln von Klosterneuburg und seinen Katastralgemeinden auf das flächendeckende Tempolimit hin: Die Stadt wurde – abseits der Hauptstraßen – zur 30er-Zone.

Was neben Sicherheits- und Umweltschutzaspekten auch einen weiteren positiven Effekt haben soll: der bestehende Schilderwald aufgrund unterschiedlicher Geschwindigkeitsbegrenzungen im Stadtgebiet, wird gelichtet. Dies geschieht durch neue Piktogramme am Boden und Entfernung der bisherigen 30er-Zonen-Beschilderung, die noch sukzessive umgesetzt wird. Ausgenommen vom neuen Tempolimit sind die Hauptachsen der Stadt: Die Wiener Straße zwischen Weidlingerstraße und Niedermarkt, die B14 und sämtliche Landesstraßen, die Klosterneuburg mit den umliegenden Orten verbinden. Die Regelungen für bestehende, verkehrsberuhigte Zonen wie Wohnstraßen oder Fußgängerzonen bleiben gleich.

Europäische Vorbilder

Die Maßnahmen wurden im Stadtentwicklungskonzept {STEK2030+} ausgearbeitet. Klosterneuburg folge damit den aktuellen EU-Richtlinien für die Erhöhung der Verkehrssicherheit in ganz Europa, sagt Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP). „Mit der umfassenden 30er-Zone können wir für mehr Sicherheit und Lebensqualität sorgen. Die klare Regelung bedeutet auch ein Ende des aktuellen Fleckerlteppichs“, ist Schmuckenschlager überzeugt. „Die Senkung der Lärmbelastung und die Reduktion von Abgasen stellt eine weitere Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bürger in unserer Stadt dar.“ Man folge „internationalen Beispielen von Weltstädten wie Madrid oder Paris“.

Verkehrsstadtrat Johannes Kehrer (Plattform Unser Klosterneuburg) spricht von einem „gemeinsam erreichten Meilenstein zur Vereinheitlichung“ und meint: „Es ist zudem ein bedeutender Schritt für das sichere Miteinander aller Verkehrsteilnehmer und leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.“ Vorteile seien ein verkürzter Bremsweg bei 30 km/h im Vergleich zum 50er sowie höhere Anhaltebereitschaft bei Fußgängern. Rad- und Autoverkehr seien harmonischer nebeneinander zu führen. Außerdem würden Schleichwege durch Wohngebiete unattraktiver, der Verkehr werde auf den Hauptachsen gebündelt.

Wenig Freude mit der Neuregelung hat die FPÖ, die von „Abzocke“ spricht, um die Gemeindekasse mit den zu erwartenden Strafen zu füllen. Die Grünen befürworten die 30er-Zone als Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit der Bevölkerung.

30/40 in Mödling

Ein einheitliches Tempolimit sollte im Jahr 2008 auch in Mödling eingeführt werden. Aus dem flächendeckenden 40er wurde aber nichts. „Wir hatten davor schon 30 km/h–Zonen und die Sachverständigen meinten, es gäbe keinen Grund, sie auf 40 zu erhöhen, weil sich das Limit sehr gut bewährt hatte“, erzählt Bürgermeister Hans Stefan Hintner (ÖVP). Außerhalb der 30er-Zonen wurde aber überall von 50 auf 40 reduziert. Generell 30 Stundenkilometer im gesamten Stadtgebiet seien in Mödling kein Thema, sagt Hintner.

Gemeindesache

Das Modell eines einheitlichen Tempos innerhalb einer Gemeinde ist nichts Neues. In Graz gilt das bereits seit 1992. Nach und nach führen immer mehr Gemeinden ein flächendeckendes Tempo ein. Zuletzt auch Klosterneuburg. Seit 1994 sind Gemeinden dazu befugt, das Tempo im eigenen Wirkungsbereich  zu senken und somit flächendeckend einzuführen. Nur Landstraßen  fallen nicht in diesen Zuständigkeitsbereich und müssen somit bei Tempo 50 bleiben. „Prinzipiell ist es für Gemeinden aber nicht allzuschwer, eine Tempoänderung zu beantragen,“ sagt Martin Hoffer vom ÖAMTC. Anders als in anderen Bereichen muss eine Temporeduzierung  laut  Straßenverkehrsordnung lediglich „geeignet erscheinen“. 

Aber auch das ist manchen zu viel. „Man sollte  den Ansatz umdrehen und erklären, warum Tempo 50 erlaubt ist“, sagt Christian Gratzer vom VCÖ. Für ihn haben flächendeckend niedrige Geschwindigkeiten nämlich nur Vorteile. Neben einer gesteigerten Verkehrssicherheit für Fußgänger und Kinder, erleichtere es das Fahren. „Der Schilderwald wird gelichtet“, sagt er. Außerdem könne so das ständige Stop-and-go unterbunden werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sei innerorts sowieso oft nicht schneller als 30 km/h.

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