Chronik
04.04.2018

Nach Gold-Coup steht Ex-Anwalt auch im Verdacht eines Komplotts

Das Oberlandesgericht Wien lehnte die Enthaftung ab und geht mit dem Ex-Advokaten sehr hart ins Gericht. Die U-Haft wurde vorerst bis 21. Mai verlängert.

Der 41-jährige Wiener Ex-Anwalt, der Kriminellen die entscheidenden Tipps für einen 700.000 Euro schweren Gold-Einbruchscoup gegeben haben soll, bleibt mindestens bis 21. Mai in U-Haft – wegen Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien begründete die Abweisung der Haftbeschwerde damit, dass die angeblichen rumänischen Mittäter weiterhin auf der Flucht seien. Es werde außerdem befürchtet, so das OLG weiter, dass der Anwalt in Freiheit „neuerlich zu Vermögensdelikten mit hohem Schaden beitrage“.

Denn der Einbruch in die Wohnung einer 78-jährigen Wienerin, bei dem mithilfe von angeblich nachgemachten Schlüsseln 20 Goldbarren aus einem Geheimversteck gestohlen wurden, ist nur einer der Vorwürfe. Das Ermittlungsverfahren wurde aufgrund von „anonymen Zeugen“ bzw. "eines übermittelten Aktenkonvoluts" ausgeweitet. Der neue Verdacht lautet auf verbrecherisches Komplott zum Nachteil eines in Salzburg wohnhaften Schulfreundes des Ex-Anwalts. Dieser arbeitet bei einem namhaften Nobeljuwelier. Dieser könnte ein mögliches Zielobjekt gewesen sein. Ein „rumänischer Drahtzieher“ soll dem Anwalt Informationen über den Schulfreund und dessen Gewohnheiten entlockt haben.

Vorwürfe bestritten

„Ich hatte noch keine uneingeschränkte Akteneinsicht. Mein Mandant ist aber zu den bisherigen wesentlichen Vorwürfen geständig“, sagt sein Verteidiger Werner Tomanek zum KURIER. „Was Salzburg anbelangt, dazu wurde er zwar befragt, aber noch nicht eingehend. Er bestreitet jeden Zusammenhang damit.“ Er hätte nie zugelassen, sagte der U-Häftling in einer Einvernahme zu den Ermittlern, dass seinem Salzburger Freund etwas passiert.

Bekannte des gestrauchelten Anwalts rätseln nach wie vor, warum dieser auf die schiefe Bahn geraten ist. In seinem Job in einer Wiener Anwaltskanzlei verdiente der fanatische Opernfan eigentlich gut. Mittlerweile fühlt sich der Ex-Anwalt aber auch in Haft bedroht. Er hat offenbar Angst vor guten Verbindungen seiner mutmaßlichen „rumänischen Mittäter“. Indes hat der Ex-Anwalt mittlerweile mehrfach versichert, dass er den Schaden durch den Goldcoup (700.000 Euro) ersetzen will. Dazu will er bzw. will seine Familie Vermögen wie eine Kunstsammlung und Wohnungen veräußern. Die 20 Goldbarren aus der Wohnung der mütterlichen Freundin des Ex-Anwalts sollen bisher nicht wieder aufgetaucht sein. Oder anders gesagt: Die rumänischen Drahtzieher dürften diese auch noch nicht verwertet haben. Möglicherweise werden diese nach wie vor in Österreich in einem Versteck gebunkert.