Chronik | Wien
07.03.2018

Brisanter Kriminalfall: Anwalt in Gold-Coup verwickelt

Der 41-jährige Wiener Advokat soll Kriminellen Hinweise über versteckte Goldbarren (700.000 Euro) in der Wohnung seiner mütterlichen Freundin gegeben haben.

Schon seit Mitte Februar sitzt ein Rechtsanwalt in Wien in Untersuchungshaft. Der 41-Jährige Opernfan soll Kriminellen entscheidende Tipps für einen Einbruchscoup gegeben haben. Die Beute - Goldbarren im Wert von rund 700.000 Euro – sind verschwunden.

Ereignet hat sich der Einbruchsdiebstahl schon im Herbst vergangenen Jahres, in der Wohnung einer guten Freundin des Anwalts. Laut Verteidiger Werner Tomanek sei sein Mandant regelmäßig mit der alten Dame in die Oper gegangen; vor allem, weil die beiden die Liebe zur Kultur verband. Sie flogen sogar gelegentlich gemeinsam ins Ausland, nach London oder Mailand, um Aufführungen zu besuchen. Vor allem Opern von Richard Wagner haben es dem Anwalt, der sich selbst sogar als Opernfanatiker bezeichnet, besonders angetan.

Während eines Opernaufenthalts drangen Kriminelle in die Wohnung der Frau ein. Sie hatten einen "Ersatzschlüssel", mit dem sie auch die Alarmanlage der Wohnung ausschalten konnten. Der erste Coup brachte aber nicht die erwartete Beute, obwohl sie angeblich sogar die Wände aufgestemmt hatten. Sie rechneten nämlich mit einem Haufen Gold.

Die Täter hatten die Wohnung der alten Dame gezielt ausgesucht. Dazu muss man wissen, dass der Anwalt zuvor einen Rumänen in einer Wiener Pizzeria kennengelernt und ihm den Reichtum seiner guten Freundin verraten haben soll. Auch bei der Beschaffung des Zweitschlüssels für deren Wohnung soll der Jurist, ein gebürtiger Steirer, seine Finger im Spiel gehabt haben.

Nachdem die Kriminellen bei dem ersten Einbruch das Gold nicht fanden, sollen sie den Anwalt unter Druck gesetzt haben. Der soll daraufhin nicht nur seiner Freundin von einer Anzeige bei der Polizei abgeraten, sondern angeblich gezielt nach ihrem Goldschatz gefragt haben. Der war in einem Kasten gut versteckt.

Starker Tobak

Beim zweiten Einbruch erbeuteten die Täter die Goldbarren und setzten sich damit angeblich nach Rumänien ab. Von Beute und Tätern fehlt bisher jede Spur.

Auch diesmal soll der Anwalt mit dem freundlichen Spitzbuben-Gesicht seiner Freundin eine Anzeige bei der Polizei ausgeredet haben. Indes verfasste er eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft.

Bei den Einvernahmen der Opfers deuteten immer mehr Indizien auf den Rechtsanwalt. Dieser wurde am 16. Februar 2018 einvernommen, durfte aber danach mit seinem Kanzleikollegen wieder nach Hause gehen. Er sagte eine schriftliche Stellungnahme zu. Erst der Journalstaatsanwalt ordnete noch am selben Tag die Festnahme des Anwalts an, der sich in Widersprüche verwickelt hatte. Offenbar hat er danach doch ausgepackt.

Bei dem Anwalt handelt es sich um keinen Unbekannten. Er ist der Ex-Verteidiger eines prominenten Angeklagten im aktuellen BUWOG-Prozess. Eine Verbindung zwischen den Fällen besteht aber nicht.

Ermittlung gefährdet

Der Fall wird von der Staatsanwaltschaft als Verschlussakt behandelt. Obwohl die Fakten bereits mehreren Journalisten – auch dem KURIER – seit Wochen bekannt waren, ging kein Medium damit an die Öffentlichkeit, weil das die Ermittlungen und die Fahndung im Ausland gefährdet. Nun berichtete aber die Kronen Zeitung in ihrer Dienstag-Ausgabe darüber.

"Durch die vorzeitige Veröffentlichung des Falls wurden die weiteren Ermittlungen massiv beeinträchtigt ", sagt Erster Staatsanwalt Thomas Vecsey auf Anfrage des KURIER. "Die Chancen, den oder die Mittäter zu fassen, sind dadurch nur noch verschwindend gering."