Ein Jahr nach dem Terroranschlag: "Feige Tat" hat Villach verändert

Vor einem Jahr verübte ein Syrer einen Terroranschlag in Villach, ein 14-Jähriger ist tot. Politische Konsequenzen folgten mit Massenüberprüfungen von Asylwerbern.
Viele Menschen versammeln sich an einer abgesperrten Straße, umgeben von zahlreichen Kerzen und Blumen zum Gedenken.

"Diese feige Tat hat Villach verändert. Villach hat seine Unschuld verloren, hat seine Leichtigkeit verloren", beschrieb Bürgermeister Günther Abel, nachdem ein 23-Jähriger auf Passanten eingestochen hatte: Vor exakt einem Jahr fand der Terror seinen Weg auch nach Villach. Jene Stadt, die gerade mittendrin war, lustig wie immer den Fasching zu feiern.

Der Terror traf Villach

"Dieser Anschlag war ein Anschlag auf uns alle, auf das, wie wir leben, wie wir feiern", sollte der Bürgermeister zwei Tage nach dem 15. Februar 2025 festhalten: An diesem 15. Februar  wurde ein 14-Jähriger getötet. Fünf Menschen wurden so schwer verletzt, dass die Ärzte tagelang um ihr Leben kämpften.

Womöglich hätte es noch mehr Opfer gegeben, wenn nicht ein Mann den Angreifer gestoppt hätte: Ein 42-jähriger Lieferant - wie der Angreifer ein gebürtiger Syrer - rammte den Attentäter mit seinem Auto. Gegen ihn wurden zunächst ebenfalls Ermittlungen geführt, "routinemäßig" wegen Körperverletzung. Sie wurden eingestellt. 

Und der mutmaßliche Täter? Der prahlte nach seiner Festnahme mit Handzeichen damit, dass er einen Anschlag im Namen des Islamischen Staat verübt habe. Und lachte.

Villach konnte nicht mehr lachen

Villach indes trauerte. 4.000 Menschen kamen zum Gedenkmarsch, der an jener Straße vorbeiführte, an der der 23-Jährige zugestochen hatte, in der Gerger Straße, an einer Ecke zum Hauptplatz. Die Stadt beschloss eine Trauerwoche, die noch übrigen Sitzungen der Faschingsgilde  wurden abgesagt, ebenso die TV-Aufzeichnung und der Faschingsumzug.

"Wir sind ein beschauliches Städtchen mit 65.000 Leuten. Hier erwartet man Spaß und Freude, aber doch nicht so etwas", zeigte sich der Kanzler der Gilde, Karl Glanznig, im KURIER-Interview damals bestürzt. "Das ist einfach ein Wahnsinn."

Terror, Mord und Mordversuch

Die Gilde schloss sich mittlerweile dem Strafverfahren als Privatbeteiligte an, aus "kaufmännischer Sorgfaltspflicht", denn: Durch die Absagen sei ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden.

Bis zum Prozessbeginn im Straflandesgericht Klagenfurt dürfte es nicht mehr lang dauern, die Anklage ist längst rechtskräftig, die Verhandlung wird für April 2026 erwartet: Die Staatsanwaltschaft wirft dem mitterweile 24-Jährigen Terrorismus, Mord und mehrfachen versuchten Mord vor. Strafrahmen: 20 Jahre bis lebenslang.

Wie kann man eine Familie trösten, die einen Sohn verloren hat? Wie kann man einer Familie Mitgefühl zeigen, wenn man im Krankenhaus nach verletzten Angehörigen suchen muss? Ich bin Vater von zwei Kindern, ich bin Villacher. Es gibt keine Worte, die all das fassen können. Diese feige Tat hat Villach verändert.

von Bürgermeister Günther Abel

beim Trauermarsch

Politisch hatte der Anschlag ebenfalls Konsequenzen: Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) kündigte "anlasslose Massenüberprüfungen bestimmter Zielgruppen an"  - gemeint waren etwa Asylwerber aus Syrien oder Afghanistan.

31 Mal den Verfassungsschutz alarmiert

Die fanden dann auch tatsächlich statt, wie das Ministerium nun bekannt gab: Mehr als 22.300 Menschen in Einrichtungen der Grundversorgung seien seither überprüft worden, um "Hinweise auf extremistische Einstellungen zu erkennen". 31 Mal seien "entsprechende Wahrnehmungen" gemacht worden, der Verfassungsschutz wurde alarmiert.

Kurz nach dem Anschlag wurde auch das Asylquartier in Villach-Langauen geschlossen. Doch wer ist der Mann, der laut Anklage am 15. Februar 2025 gezielt auf Männer einstach? Das psychiatrische Gutachten hat Antworten, doch die sind beunruhigend und alarmierend.

Binnen kurzer Zeit verblendet

Der Syrer - 2019 nach Österreich gekommen und seit 2021 im Besitz des Asylstatus - sagte aus, er habe nie eine Moschee besucht oder einen Prediger tatsächlich im echten Leben getroffen. Seine Quellen seien allein TikTok und Youtube-Videos gewesen - und auch die habe er erstmals wenige Monate vor dem Anschlag angeschaut.

Erst am 11. Februar habe er überhaupt konkret an einen Terroranschlag gedacht, am 12. Februar jenes Klappmeseer gekauft, mit dem er dann auf "wehrfähige Männer" einstach. Den "Treuschwur" auf den IS habe er erst am Morgen des 15. Februar abgelegt. Ein Video davon fand die Polizei auf dem Handy des Mannes.

Gedenkmesse in der Kirche 

Am kommenden Sonntag, dem Jahrestag des Anschlages, wird es in Villach aber keine offiziellen Gedenkveranstaltungen geben, aus Respekt vor den Eltern des ermordeten 14-Jährigen. Sie wollen in Stille trauern. In der Stadtpfarrkirche zelebrieren Pfarrer Richard Pirker und Superintendentin Andrea Mattioli aber eine ökumenische Gedenkmesse, Beginn ist 17 Uhr.

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