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Nach Schüssen bei Trump-Dinner: Das andere Attentat im Hilton

Ronald Reagan sollte 1981 im selben Hotel in Washington ermordet werden wie Donald Trump in der Vorwoche. Reagan hat den Anschlag fast nicht überlebt, was vom Secret Service lange verschwiegen wurde.
Trump White House Correspondents Dinner

Das Hilton in Washington gilt als eine Art Außenstelle des Weißen Hauses, vor allem wenn es darum geht, im hoteleigenen Ballroom prunkvolle Empfänge zu geben. Der riesige Gebäudekomplex zählte alle US-Präsidenten seit Franklin D. Roosevelt zu seinen Gästen, auf zwei von ihnen wurden hier Attentatsversuche verübt: in der vorigen Woche auf Donald Trump, der mit dem Schrecken davonkam, und vor 45 Jahren auf Ronald Reagan, der dabei fast sein Leben verlor.

Der Schütze feuert wild um sich

Reagan ist erst seit zwei Monaten US-Präsident, als er am 30. März 1981, umringt von Leibwächtern und Journalisten, das „Capital Hilton“ (Hauptstadt Hilton) verlässt. Davor hat er in demselben „Presidential Ballroom“, in dem Donald Trump kürzlich Auslandskorrespondenten traf, eine Rede vor Gewerkschaftern gehalten. Als sie beendet ist, geht Reagan durch die Lobby und nach allen Seiten winkend zum Hotelparkplatz. Dort zückt ein Mann einen Revolver und beginnt wie wild um sich zu schießen.

Zunächst werden Reagans Pressesprecher und ein Polizist von den Kugeln getroffen, beide sinken schwer verletzt zu Boden. Die dritte Kugel trifft einen Security-Mann, der sich pflichtbewusst vor den Präsidenten geworfen hat. Andere Bodyguards stoßen Reagan unsanft in die fahrbereite Limousine, während der Schütze, bis er von den Securities überwältigt wird, weiter feuert.

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Winkend und gut gelaunt begibt sich Ronald Reagan auf dem Parkplatz des Hilton Hotels zu seinem Auto . . .

Election 2024 Protecting the President

. . . im selben Moment fallen Schüsse , Reagan wird von seinen Leibwächtern schützend abgeschirmt . . .

Reagan Assassination Attempt

 . . unmittelbar danach wird der lebensgefährlich verletzte Präsident unsanft in seinen Wagen gestoßen.

Andere Attentate waren geplant

Der Attentäter John W. Hinckley ist 25 Jahre alt und krankhaft besessen von der Schauspielerin Jodie Foster, die 1976 Martin Scorseses Film „Taxi Driver“ gedreht hat, in dem ein Psychopath einen Politiker verfolgt. Mit den Schüssen auf Reagan hofft Hinckley Jodie Fosters „Respekt und Liebe“ zu erringen, wie er bei seiner Einvernahme erklären wird. Der Technikstudent aus gutbürgerlichem Haus – sein Vater war Vorstandsvorsitzender der Vanderbilt Energy Corporation – hatte sich schon in den Monaten davor mit dem Gedanken getragen, Attentate auf Reagans Vorgänger Jimmy Carter und auf Senator Edward Kennedy zu verüben. Während er an diese durch die strengen Sicherheitsvorkehrungen nicht herankam, sollte es ihm bei Ronald Reagan gelingen.

John W. Hinckley wartete, während Reagan seine Rede hielt, in der Halle des Hilton. Als der Präsident zu seinem Auto zurückkehren will, läuft auch Hinckley in die Richtung des vor dem Hotel parkenden Wagens und gibt innerhalb weniger Sekunden mit seinem Revolver aus drei Metern Entfernung sechs Schüsse ab.

Der letzte trifft den Präsidenten unterhalb der Achselhöhle und verletzt seinen linken Lungenflügel. Doch das bemerkt vorerst niemand.

„Achtung, es wurde geschossen!“, verständigt ein unverletzt gebliebener Security-Mann die FBI-Zentrale per Funk. „Es gibt Verletzungen!“ Einsatzleiter Jack Parr setzt die Durchsage fort: „Rawhide ist okay!“

„Rawhide“ – ein ledernes Cowboyhalsband – ist der Secret-Service-Deckname für den republikanischen Präsidenten, ehemaligen Schauspieler und Westernhelden Reagan.

Die dramatischen Sätze eines erst im Jahr 2011 freigegebenen Tonbandes enthüllen, wie knapp Reagan dem Tod entging: Die Limousine bewegt sich bereits in Richtung Weißes Haus, als Jack Parr bemerkt, dass Blut aus Reagans Mund läuft. Er gibt dem Chauffeur Order, den Kurs zum George Washington Hospital zu ändern.

Ärzte haben wenig Hoffnung

Alles geht so schnell, dass der diensthabende Arzt nicht bemerkt, wer da aufgenommen wurde. Erst als er den Patienten routinemäßig nach seiner Wohnadresse fragt und dieser „1600 Pennsylvania Avenue, Washington D.C.“ antwortet, geht ihm ein Licht auf. Es ist die Adresse des Weißen Hauses. Eine Krankenschwester droht vor Aufregung und Ehrfurcht das Bewusstsein zu verlieren.

Als die Chirurgen das Einschussloch unterhalb der Achselhöhle sehen, erkennen sie, dass die Kugel nur 2,5 cm vom Herzen entfernt, steckt und sich langsam weiterbewegt. Die Ärzte gehen davon aus, dass Reagan nicht überleben wird. Und dass sie machtlos wären, wenn der 40. Präsident der Vereinigten Staaten – wie vier seiner Amtsvorgänger – einem Attentat zum Opfer fällt.

„Heute sind alle Republikaner“

Ronald Reagan ist immer noch bei Bewusstsein und hat seinen Humor nicht verloren. Ehe die Narkose wirkt, flüstert er dem Ärzteteam zu: „Ich hoffe, dass ihr alle Republikaner seid!“ Darauf Chefchirurg Joseph Giordano (ein Demokrat): „Heute sind wir alle Republikaner!“

Die nun folgende Operation verläuft wesentlich dramatischer, als dies der Öffentlichkeit vorgetäuscht wurde. Es gelingt zwar, die Kugel aus dem Körper des Präsidenten zu entfernen, aber Reagan verliert während des zweistündigen Eingriffs die Hälfte seines Blutes.

Doch der 70-Jährige erholt sich erstaunlich schnell von seinen Verletzungen. Die Österreicherin Helene von Damm, damals seine Sekretärin und engste Mitarbeiterin, durfte als eine der wenigen aus dem Stab des Weißen Hauses an sein Krankenbett. „Die ersten Tage“, erinnert sie sich, „waren wirklich kritisch, man wusste nicht, ob er überleben wird. Es hat einige Zeit gedauert, bis er ansprechbar war.“

Helene von Damm

Zeitzeugin Helene von Damm

„Soll das alles gewesen sein?“

Das Team im Oval Office ist nach dem Attentat wie paralysiert. „Es war ein doppelter Schock für uns“, sagt Helene von Damm, „nicht nur, weil Reagan schwer verletzt war, sondern auch weil die Befürchtung im Raum stand, dass nach den mühevollen, jahrelangen Wahl- und Vorwahlkämpfen jetzt alles vorbei sein könnte. Viele von uns fragten sich: Soll das alles gewesen sein, eine nur zweimonatige Präsidentschaft?“

Doch Reagan konnte zehn Tage nachdem er fast verblutet wäre aus dem Spital entlassen werden. Sein ebenfalls angeschossener Pressesprecher James Brady hatte weniger Glück, er saß bis zu seinem Tod im August 2014 im Rollstuhl.

Der Attentäter John W. Hinckley wurde wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit für nicht schuldig befunden und verbrachte 35 Jahre in einer geschlossenen Anstalt, die er am 5. August 2016 verlassen durfte. Er lebt heute 70-jährig in den USA.

Die Attentatsversuche im Hilton Hotel Washington dienen Donald Trump einmal mehr als Grund, im Weißen Haus einen Ballsaal errichten zu lassen. „So etwas wäre in einem eigenen Ballroom niemals passiert“, meinte er.

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