Ein Museum für die Monroe
Das Jahr 2026 sollte im Zeichen der Erinnerung an eine außergewöhnliche Frau stehen. Es ist das Jahr, in dem Marilyn Monroe ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Doch in US-Medien erfährt man in diesen Tagen weniger über die Schauspielikone als über den Streit zwischen den heutigen Eigentümern ihres Hauses und der Stadtverwaltung von Los Angeles. Die einen wollen ihr letztes Domizil abreißen, die anderen versuchen, es als Gedenkstätte für einen der größten Stars der Filmmetropole zu erhalten.
Denkmalschutz
Die Zeichen zur Rettung des historischen Gebäudes schienen gut zu stehen, da es 2024 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Und dennoch droht der Abbruch des Hauses auf dem mehr als 2000 Quadratmeter großen Anwesen in Brentwood, einem Stadtteil von Los Angeles.
Marilyn Monroe hatte das Grundstück im Februar 1962, ein halbes Jahr vor ihrem Tod, erworben. Sie war eben von ihrem dritten Mann Arthur Miller geschieden worden und entschloss sich für den Kauf, weil sich das Objekt in einer noblen Wohngegend befindet und hinter einer hohen Mauer liegt, durch die es selbst für sensationslüsterne Hollywood-Touristen nicht einsehbar ist.
Marilyns „Festung“
Die Schauspielerin zahlte für das 1929 im spanischen Kolonialstil gebaute, 270 m2 große ebenerdige Haus an der Adresse 12305 Fifth Helena Drive rund 77.000 Dollar. Die „Festung“, wie sie ihre geliebte Hazienda nannte, besteht aus vier Schlafzimmern, drei Bädern und einem großen Garten samt Outdoor-Pool.
Das Haus war ihr erstes und einziges Eigenheim, hier wollte sie zur Ruhe kommen, nachdem sie in ihrem bisher unsteten Dasein über nicht weniger als 43 Wohnsitze verfügt hatte. Doch ihr Leben an ihrem letzten Wohnsitz war so kurz, dass bei ihrem Tod Dutzende unausgepackte Kisten herumstanden, da die Villa noch immer nicht fertig eingerichtet war.
Nach Marilyn Monroes Tod wechselte das Anwesen 14 Mal seine Besitzer, die das Haus in seiner Grundstruktur kaum veränderten. Bis es 2023 vom Fernsehproduzenten Roy Bank und seiner Frau Brinah Milstein zum stolzen Preis von 8,3 Millionen Dollar gekauft wurde.
Marilyn Monroes früheres Haus in Los Angeles
Genehmigung zum Abriss
Ehe das Paar die spektakuläre Immobilie erwarb, besaß es bereits das Nachbargrundstück, das es durch Zusammenlegung mit dem Monroe-Anwesen vergrößern wollte. Deshalb sollte Marilyns Haus abgetragen werden, wozu die neuen Besitzer noch im Jahr des Ankaufs die Genehmigung der Stadtverwaltung von Los Angeles erhielten.
Kaum war die Bewilligung erteilt, sprach sich der geplante Abriss der Monroe-Villa in Windeseile herum, worauf sich mehrere Anrainer zusammenschlossen, um gegen die Vernichtung eines Kulturdenkmals Einspruch zu erheben. Im Nobelviertel Brentwood zählen keine Geringeren als Arnold Schwarzenegger, Tom Hanks, Cher, Robert Downey Jr. und Heidi Klum zur Nachbarschaft.
„Cultural Monument“
Die zuständige Stadträtin Nanci Park unterstützte die Initiative, setzte die bereits erteilte Abrissgenehmigung außer Kraft und sorgte dafür, dass das Haus als „Historic Cultural Monument“ unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Doch das Ehepaar Bank-Milstein klagte die Stadtverwaltung im Bundesbezirksgericht mit der Begründung, der Abriss sei zu einem Zeitpunkt genehmigt worden, als das Monroe-Haus noch nicht unter Denkmalschutz stand. Die Hausbesitzer bekamen recht, doch die Stadt berief gegen das Urteil und ging in die zweite Instanz. Das ist der derzeitige Stand des Verfahrens, dessen Ausgang völlig offen ist.
Die Haushälterin
Marilyn Monroe war in diesem Haus am 5. August 1962 tot aufgefunden worden. Die Obduktion ergab, dass die 36-Jährige „keines natürlichen Todes“ gestorben war. Sie hatte sich am Vorabend gegen 20 Uhr in ihr Schlafzimmer begeben und sich mit den Worten „Good night, honey“ von ihrer Haushälterin verabschiedet. Eunice Murray hatte „nichts Ungewöhnliches an Ms. Monroe bemerkt“. Als sie aber um drei Uhr Früh aufwachte, sah sie, dass in Marilyns Zimmer Licht brannte. Beunruhigt lief sie zu ihrer Schlafzimmertür, die versperrt war. Vom Garten aus sah Eunice in das Zimmer. „Sie lag mit dem Kopf nach unten, eine Hand um das Telefon geklemmt, regungslos da.“
Der Psychiater
Eunice Murray rief Marilyns Psychiater Ralph Greenson an, der Minuten später eintraf. Er zerschlug die Fensterscheibe, drang ins Schlafzimmer ein und verständigte Hyman Engelberg, den behandelnden Arzt der Monroe, der nur noch ihren Tod feststellen konnte. Ursache: eine Überdosis verschiedener Barbiturate und anderer Schlafmittel.
Geschockt riefen die Ärzte um 4.25 Uhr die Polizei an: „Marilyn Monroe ist tot!“
Niemand konnte damals ahnen, dass sie zum Mythos werden und man sich zu ihrem 100. Geburtstag immer noch der Monroe erinnern und ihre Filme sehen würde. Sie war wohl so schön, dass man vielfach übersah, was für eine große Schauspielerin sie war.
Ihr zu Ehren gab es seither zahlreiche Ausstellungen, aber es gibt bis heute weltweit kein einziges Marilyn-Monroe-Museum. Welch anderer Ort wäre besser geeignet dafür als das Haus, in dem sie zuletzt lebte und in dem sie gestorben ist.
Ihr 100. Geburtstag am 1. Juni 2026 wäre der richtige Anlass, die Errichtung einer Erinnerungsstätte in ihrem Wohn- und Sterbehaus zu verkünden. Ehe es zu spät ist.
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