Ein Bild aus besseren Tagen: Queen Elizabeth, „Fergie“, Andrew, Prinz Philip (v. li.)

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Chronik Geschichten mit Geschichte
02/20/2022

Orgien und Gerichtsverfahren: Andrew, der Skandal-Prinz

Der Royal ist seit Jahrzehnten in jede Menge Affären verwickelt.

von Georg Markus

Nun hat sich Prinz Andrew also außergerichtlich darauf geeinigt, dass das gegen ihn gerichtete Zivilverfahren wegen mehrfachen Missbrauchs einer Minderjährigen eingestellt wird. Damit sind zwar die Ehre und der Ruf des Royals nicht wiederhergestellt, aber immerhin entgeht er dadurch der Peinlichkeit, als Sohn der Königin von Großbritannien vor Gericht stehen zu müssen.

Was für ein tiefer Fall. Andrew wurde gestern, Samstag, 62 Jahre alt. Groß gefeiert wird er wohl nicht haben, denn das ganze Land ist immer noch geschockt, dass ein Angehöriger des Königshauses im Mittelpunkt eines royalen Skandals von nie da gewesenem Ausmaß steht.

Von Platz zwei auf Platz neun der Thronfolge

Dabei war diesem Mann ein Leben vorherbestimmt, von dem andere nur träumen können. In seinen ersten zwölf Jahren war Andrew hinter seinem Bruder Charles auf Platz zwei der Thronfolge, erst nach den Geburten von Charles’ Söhnen und Enkeln wurde er auf Platz neun zurückgereiht.

Da die Queen keine Zeit hatte, sich um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern, wurde diese Aufgabe von Nannys und sonstigem Personal wahrgenommen. Andrew besuchte die schottische Eliteschule Gordonstoun, die schon sein Vater und sein Bruder Charles absolviert hatten.

Nach der Ausbildung zum Hubschrauberpiloten nahm er 1982 als Unterleutnant an Bord eines Flugzeugträgers am Falklandkrieg teil. Die Regierung Thatcher plante ihn von dort abzuziehen, weil sie den Tod eines Sohnes der Königin nicht verantworten wollte. Doch Elizabeth bestand darauf, dass Andrew im Kriegseinsatz blieb. 2001 beendete er seinen Dienst bei der Navy, 20 Jahre später, nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe, musste er alle seine dort erworbenen Titel und Auszeichnungen zurücklegen.

Von Kameraden der Navy wurde Andrew als arrogant, nicht besonders intelligent, wichtigtuerisch und sexsüchtig beschrieben, weshalb er seinen Spitznamen „Randy Andy“ (Geiler Andy) erhielt.

Zum ersten Mal in die Schlagzeilen geriet er Anfang der 1980er-Jahre durch seine Affäre mit der um vier Jahre älteren US-Schauspielerin Koo Stark, die seine sexuellen Erfahrungen erheblich erweiterte. Andrew war ihr total verfallen, wollte sie sogar heiraten, doch als sie von der Zeitung The Sun als Pornodarstellerin enttarnt wurde, sprach die Queen ein Machtwort und setzte der Beziehung ihres damaligen Lieblingssohnes nach eineinhalb Jahren ein Ende.

Andrew verkehrte jetzt in einem Londoner Club, dessen Mitglieder mit Stockhieben von Kellnerinnen, die in Dessous und Strapsen servierten, „bestraft“ wurden.

Nach weiteren „nicht standesgemäßen“ Verhältnissen traf der Skandal-Prinz 1985 auf einer Dinnerparty die Offizierstochter Sarah „Fergie“ Ferguson, eine entfernte Nachfahrin des ehemaligen Königshauses der Stuarts, die er ein Jahr später heiratete. Am Tag der Hochzeit verlieh ihm die Königin den Titel eines Duke of York. Der Ehe entsprangen zwei Töchter, doch geriet sie schon nach wenigen Jahren in die Krise, nachdem „Fergie“ allzu oft mit anderen Männern gesichtet wurde. 1992 kamen noch dazu Fotos in die Presse, auf denen der Finanzberater John Bryan in Saint-Tropez die Zehen der dürftig bekleideten Herzogin von York küsste.

Ehe scheiterte an Exzessen

Die Ehe scheiterte nicht nur an „Fergies“, sondern auch an Andrews Exzessen. Bereits 1994, also lange vor Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe, veröffentlichte der Windsor-Biograf Nicholas Davies die Aussagen junger Frauen, denen der Prinz offenbar zeigen wollte, dass man sich als Royal alles erlauben könne: „Andrew legte unter dem Esstisch eine Hand auf die Schenkel der Mädchen, zwickte sie in den Po und grapschte nach ihrem Busen.“

Nach der Scheidung hörten die Peinlichkeiten des Paares nicht auf: Sarah bot im Jahr 2010 einem angeblichen Geschäftsmann an, ihm für 500.000 Pfund einen Kontakt zu ihrem Ex-Mann Andrew zu vermitteln, der damals als Botschafter des Königshauses für Handelsfragen tätig war. „Sie werden das Zehnfache zurückbekommen“, versprach „Fergie“ und streifte sogleich die Anzahlung in Höhe von 40.000 Pfund in bar ein. Blöd nur, dass der Geschäftsmann in Wahrheit ein Undercover-Reporter der Zeitung News of the World war und das auf Video festgehaltene „Angebot“ in allen Fernsehkanälen lief.

Orgien und Sexpartys

Und dann der Skandal, der Andrews Stellung als Mitglied des Königshauses endgültig ruinierte: Der Prinz hatte über die Britin Ghislaine Maxwell – Tochter des Zeitungsverlegers und Milliardärs Robert Maxwell – den US-Investor Jeffrey Epstein kennengelernt, woraus eine enge Freundschaft entstand. Als Epstein zum ersten Mal wegen des Vorwurfs, gemeinsam mit Ghislaine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben, vor Gericht stand, nannte eine Zeugin den Namen des Prinzen als Teilnehmer von Orgien und Sexpartys.

Und 2021 klagte ihn die Amerikanerin Virginia Roberts Giuffre, weil Andrew sie 20 Jahre zuvor als damals 17-Jährige mehrfach sexuell missbraucht haben soll. Der Rest ist bekannt: Epstein nahm sich laut Obduktionsbefund in seiner New Yorker Gefängniszelle das Leben, Maxwell wurde schuldig gesprochen und wartet in Untersuchungshaft auf ihre Berufungsverhandlung. Und Virginia Giuffre hat sich diese Woche mit Prinz Andrew darauf geeinigt, dass er (bzw. die Queen) die Summe von 14 Millionen Dollar zum Teil an eine Wohlfahrtsorganisation überweisen werde.

Vorwürfe bestritten

Nachdem der Buckingham Palace die gegen Andrew gerichteten Vorwürfe lange Zeit bestritt, gab ein Sprecher der Queen im Mai 2020 bekannt, dass der Prinz das Königshaus nicht länger vertreten würde.

Soviel zum Leben eines Mannes, dem durch seine Herkunft alle Türen dieser Welt offen gestanden wären.

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