© Claudia Koglbauer

Chronik Burgenland
03/27/2022

Wo „Lady Dracula“ den Frieden sucht

Burgenlands Burgen sind Besuchermagneten, mit dem Namen des Bundeslandes haben sie aber nichts zu tun – anders als Ungarn

von Michael Pekovics

Wussten Sie, dass der Ursprung des Namens „Burgenland“ in Ungarn zu finden ist? Genauer gesagt gibt es vier Gründe, und die heißen Wieselburg (Moson), Ödenburg (Sopron), Eisenburg (Vas) und Pressburg (die heutige slowakische Hauptstadt Bratislava, ungarisch Pozsony). Diese altungarischen Städte wurden nämlich 1918 beansprucht, sollten aber nie Teil Österreichs werden.

Der Name ist dennoch geblieben: Aus dem ursprünglich geplanten „Dreiburgenland“ – im Fall von Pressburg war immer klar, dass es der späteren Tschechoslowakei zugerechnet werden würde – wurde die neutralere und seit 1921 rechtsgültige Bezeichnung Burgenland.

Ausflug statt Festung

Den alten Gemäuern im jüngsten Bundesland Österreichs wird das ziemlich egal sein, haben sie doch mehrere Jahrhunderte als Bollwerke an der in Ungarn beginnenden pannonischen Tiefebene überdauert und werden es vermutlich noch weitere tun.

Heute sind die ehemaligen Festungen beliebte Ausflugsziele und in Verbindung mit dem Namen Burgenland willkommene Aushängeschilde für den Tourismus. Über die Jahre hat jede der fünf Burgen eines oder mehrere Alleinstellungsmerkmale entwickelt – vom kleinen, als Familienbetrieb geführten Hotel bis hin zur ganzjährig geöffneten Ausstellungslocation ist alles dabei, was das Herz von Tagesausflüglern begehrt.

Bernstein: Klein und fein Urkundlich erwähnt wurde die höchstgelegene Burg des Landes erstmals im 13. Jahrhundert, heute befindet sie sich im Besitz der Familie Almásy. Einer Sage nach soll auf der Burg die „Weiße Frau von Bernstein“ spuken. Ihr Interesse am Stören der heute dort nächtigenden Hotelgäste dürfte sich allerdings angesichts ausbleibenden Spukgeschichten in Grenzen halten.

Lockenhaus: Gruselig Die Höhenburg (Foto ganz oben) wurde rund um das Jahr 1200 errichtet und ist heute im Besitz der Professor Paul Anton Keller-Stiftung. Um das Bauwerk ranken sich zahlreiche Legenden und Gerüchte. So sollen in der Burg sowohl Tempelritter als auch die Blutgräfin Elisabeth Báthory, bekannt als „Lady Dracula“, gewirkt haben. Heute ist die Burg vor allem auf den Besuch von Kindern und Familien ausgelegt.

Schlaining: Friedlich 1271 erstmals urkundlich erwähnt, ist die sogenannte „Friedensburg“ aktuell Schauplatz der Jubiläumsausstellung „100 Jahre Burgenland“, die vor allem von Nicht-Burgenländern besucht wird. Burgherr und Ex-Minister Norbert Darabos freut das: „So einen Zuspruch hat man als Politiker nicht immer gehabt.“ Wer in der Region nächtigen will, dem steht das Burghotel zur Verfügung.

Forchtenstein: Vielfalt Die spätmittelalterliche Burg wurde am Beginn des 14. Jahrhunderts erbaut und ist heute im Besitz der Esterhazy Stiftung. Der Fokus liegt in der Erzählung der Geschichte des alten Adelsgeschlechts und der Präsentation seiner Schätze. Als Ausgleich dazu findet im Sommer das Burgfestival Forfel statt und bietet ein reichhaltiges Erlebnisprogramm für Kinder.

Güssing: Vulkanberg Erbaut im Jahr 1157 ist Güssing die älteste Burganlage des Landes und befindet sich im Besitz der Stiftung des Weiland Fürst Philipp Batthyány-Strattmann. Mit einem Schrägaufzug gelangen Besucher auf den erloschenen Vulkankegel, in der aktuell die Ausstellungen „Fürstliche Sammelleidenschaften“ und „Von Deutsch-West-Ungarn in das Burgenland-1848-1921“ gezeigt werden.

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