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Chronik Burgenland
09/18/2020

Weinernte: Vorfreude auf gute Tropfen

Die Winzer haben mit der Lese begonnen. Sie erwarten einen guten Jahrgang und etwas weniger Ertrag.

von Claudia Koglbauer-Schöll

In Burgenlands Weingärten herrscht dieser Tage geschäftiges Treiben: Die Zeit der Hauptlese hat begonnen. Christian Kirnbauer startete am Donnerstag auf seinen Rebflächen in der Blaufränkisch-Gemeinde Deutschkreutz mit der Sorte St. Laurent.

Auch wenn es gleich am Anfang zu regnen begann, zeigte sich der Winzer optimistisch. „Von der Qualität der Trauben her sieht es sehr gut aus. Mengenmäßig wird es eine eher durchschnittliche Ernte werden“, sagte Kirnbauer, der auch Obmann des örtlichen Weinbauvereins mit rund 75 Mitgliedern ist.

Zunächst werden die frühen Sorten mit den „dünnschaligen Beeren“ wie eben der St. Laurent, der Muskateller oder der Pinot noir geerntet. Erst in etwa drei Wochen, im Oktober, werden zu guter Letzt die Blaufränkischtrauben von den Rebstöcken geschnitten.

Auch in Donnerskirchen ist die Lese in vollem Gange. Hier werden derzeit vor allem Sorten wie Müller Thurgau, Sauvignon blanc, Muskat Ottonel, Welschriesling und Grüner Veltliner sowie die frühen Rotweinsorten geerntet.

Andreas Liegenfeld, Präsident des Weinbauverbands Burgenland und selbst Winzer, ist zufrieden. Niederschlag und Reife würden passen, „beste Voraussetzungen für eine qualitativ gute Ernte“. Von der Quantität werde man österreichweit wohl mit geschätzten 2,3 Hektolitern auch dieses Jahr – so wie 2019 – mit einen leicht unterdurchschnittlichen Ertrag rechnen müssen.

Ähnlich werde das Ergebnis voraussichtlich auch umgelegt auf das Burgenland ausfallen, sagt Matthias Siess, Obmann der Marketingorganisation „Wein Burgenland“ zum KURIER. Der Niederschlag sei im Winter sowie im Frühjahr weit geringer als sonst gewesen. „Es ist diesmal etwas weniger Flüssigkeit in den Beeren, deshalb wird auch die Menge etwas geringer ausfallen“, erklärt Siess.

Etwa 620.000 Hektoliter erwartet

Während im Burgenland im Durchschnitt etwa 700.000 Hektoliter Wein pro Jahr gelesen werden, dürften es dieses Jahr voraussichtlich etwa 620.000 Hektoliter werden. Punktuell habe es – etwa durch Hagelunwetter wie im Seewinkel, im Mittelburgenland oder am Eisenberg – Schäden in den Weingärten gegeben. Von den rund 13.300 Hektar Rebflächen im Land waren etwa 200 Hektar durch die Unwetter betroffen.

Kurzzeitiges Zittern habe es auch gegeben, als Ungarn angekündigte hatte, Anfang September die Grenzen wegen der Pandemie schließen zu wollen. Doch die Sorge, dass die zumeist ungarischen Erntehelfer ausbleiben würden, sei unbegründet gewesen, sagt Siess.

„Das hat zum Glück vom erste Tag an funktioniert, dass die Erntehelfer nach Österreich einreisen durften.“ Siess hat nicht nur im Weingarten, sondern auch in seinem Gutsgasthaus „Zum Herztröpferl“ vorwiegend ungarisches Personal beschäftigt. „Wenn sie nicht kommen könnten, müssten wir unser Lokal zusperren.“

Herausforderungen durch Corona-Krise

Etwa 3.300 Weinbauern gibt es im Burgenland. Sie alle wurden durch die Corona-Krise vor neue Herausforderungen gestellt. Betroffen seien vor allem jene, die ihre Weine in Städte liefern. „Im urbanen Bereich ist es schwierig, da gibt es im Gastronomiebereich wirklich große Rückgänge.“ Deshalb hätten viele Winzer in den vergangenen Monaten mit dem Online-Verkauf begonnen. Das funktioniere mittlerweile gut.

Erfolgreich sei man auch mit den Hoffesten, von denen es 165 im Burgenland gegeben habe. In kleinerem Rahmen bieten die Weinbauern verschiedene Programme u. a. mit Musik und Essen samt Weinverkostungen auf ihren Höfen an. „Das hat schon einiges gebracht“, sagt Siess. Dadurch könne man auch den Ab-Hof-Verkauf, der bei 10 Prozent liege, steigern.

Sorge um Wintergeschäft

Was ihm etwas Sorgen bereite, sei der Winter. Sämtliche Präsentationen im In- und Ausland müssen abgesagt werden. Auch in den Skigebieten in Westösterreich, wo vornehmlich hochpreisige Rebensäfte verkauft werden, sei die Frequenz der Urlauber für die bevorstehende Saison mehr als ungewiss. „Wenn das Winter-Geschäft für die Winzer wegfällt, wäre das eine mittlere Katastrophe.“

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