Vom Problem zur Lebensader: Oberwarts Wehoferbach kehrt zurück
So wird sich der Wehoferbach durch das Stadtzentrum von Oberwart schlängeln.
Was in Oberwart einst als hygienischer Missstand galt, später verbaut und überdeckt wurde, könnte nun zu einem Vorzeigeprojekt für Hochwasserschutz, Gewässerökologie und Stadtentwicklung werden.
Der Wehoferbach ist ein Stück Oberwarter Stadtgeschichte – und ein Spiegel dafür, wie sich der Blick auf Gewässer im Lauf der Jahrzehnte verändert hat. Was früher vor allem als Problem behandelt wurde, soll nun als Chance sichtbar werden.
Mit dem laufenden Umbau im Stadtgebiet wird ein Bach, der über lange Zeit reguliert, einbetoniert und teilweise unter einer Überdeckung verborgen war, wieder geöffnet und ökologisch aufgewertet. Damit einher geht eine Aufwertung der Innenstadt auf Kosten von Parkflächen.
Der Bach wird wieder sichtbar
Seit Anfang Februar wird gebaut, mit dem Spatenstich Mitte März wurde das Projekt auch offiziell gestartet. Nach Angaben von Stadt und Land handelt es sich um das größte innerstädtische Renaturierungsprojekt im Burgenland. Ziel ist es, den Wehoferbach im Stadtgebiet auf rund 1,7 Kilometern Länge nicht nur technisch zu sanieren, sondern zugleich ökologisch zu verbessern und den Hochwasserschutz auszubauen.
Am Freitag hat das Projekt mit dem Spatenstich offiziell begonnen, Baustart war schon im Februar.
Der Bogen spannt sich vom Mündungsbereich in die Pinka bis zur Querung der B50 Burgenlandstraße. Die Arbeiten sind in vier Teilbereiche gegliedert: Schulgasse, Badgasse, ein offener Gewässerabschnitt in der Bachgasse sowie ein weiterer Abschnitt in der Bachgasse.
Geplante Maßnahmen im Überblick
- Öffnung und ökologische Aufwertung des Bachlaufs
- Strukturierung des Gewässerbetts
- Neue Bepflanzungen
- Verbesserung des Hochwasserschutzes
Ein zentraler Schwerpunkt liegt in der Badgasse. Dort wird die bestehende Bachüberdeckung auf einer Länge von rund 246 Metern saniert und teilweise geöffnet. In diesem Bereich soll der Bach künftig wieder stärker erlebbar werden.
Ökologie und Sicherheit im Fokus
Der Bach ist heute zwar nicht durch Abwassereinleitungen belastet, weist aber Defizite in seiner Gewässerstruktur auf – vor allem wegen seines geradlinig ausgebauten Verlaufs. Genau dort setzt das Projekt an. Es soll die ökologische Qualität verbessern, ohne den Hochwasserschutz aus dem Blick zu verlieren.
Parallel dazu werden bestehende Ufermauern saniert und Hochwasser-Schutzmauern errichtet. Vorgesehen ist dabei eine Erhöhung um rund 65 Zentimeter. Sechs notwendige Überfahrten sollen sicherstellen, dass öffentliche Einrichtungen wie Freibad, Kindergarten und öffentliches WC sowie private Grundstücke weiterhin erreichbar bleiben.
Eine bewegte Geschichte
Dass der Wehoferbach überhaupt zu einem so großen Umbauprojekt geworden ist, hat auch mit seiner Geschichte zu tun. Schon 1931 wurde seine Regulierung in der damaligen "Oberwarther Sonntags-Zeitung" mit hygienischen Missständen begründet. Damals war von stehenden, faulenden Wässern, Geruchsbelästigung und einem "sanitären Übelstand" die Rede.
1965: Ein schweres Hochwasser in Oberwart wird zu einem wichtigen Auslöser für spätere Verbauungsmaßnahmen.
Nach dem schweren Hochwasser von 1965 setzte sich endgültig eine andere Logik durch: die technische Beherrschung des Gewässers. Ab 1968 wurde der Bach in mehreren Etappen überplattet und überdeckt. 1991 kam ein unterirdisches Betongerinne hinzu, das größere Wassermengen aufnehmen sollte. Bis weit in die 1990er-Jahre hinein wurde der Wehoferbach damit Schritt für Schritt aus dem Stadtbild verdrängt.
Mehr Natur, weniger Pkw
Nun kehrt er zurück – allerdings unter anderen Vorzeichen. Während früher Geruch, Abwasser und Überflutungen dominierten, stehen heute Hochwassersicherheit, Klimaanpassung, Begrünung und Aufenthaltsqualität im Vordergrund. Der Bach soll wieder sichtbar werden, begleitet von ökologischen Verbesserungen und neuen Freiräumen im Stadtgebiet.
Ganz ohne Eingriffe in den Alltag der Stadt bleibt das freilich nicht. Mit dem in Etappen geplanten Umbau verändern sich zahlreiche Verkehrsflächen. Im Bereich der künftig als Einbahn geführten Badgasse sind Anpassungen notwendig. Zudem fällt ein Teil der Parkplätze weg. Die Stadt verweist auf Ersatzflächen an anderen Standorten.
Kosten und Zeitplan
Das genehmigte Gesamtbauvolumen beträgt laut Land Burgenland 5,22 Millionen Euro.
Die Finanzierung im Überblick:
- 3,1 Millionen Euro vom Bund
- 1,79 Millionen Euro vom Land
- 330.000 Euro von der Gemeinde
Die geplante Funktionsfähigkeit des Projekts ist für Dezember 2026 vorgesehen, die Gesamtfertigstellung für Juni 2027.
In kaum einer anderen burgenländischen Stadt wurde in den vergangenen Jahren so viel gebaut wie in Oberwart. Die neue Klinik mit allen "Nebengeräuschen" und das heuer in Betrieb gehende Volksgruppenhaus sind die sichtbarsten Zeichen dieser stetigen Veränderung, der Campus in der Schulgasse sowieso.
Doch nicht nur große Vorzeigeprojekte prägen das Stadtbild. Auch im innerstädtischen Bereich stehen zahlreiche Bauvorhaben an, die den Alltag der Bevölkerung direkt betreffen.
Stadtchef Rosner und Markus Imre (Wirtschaftshof) mit den Plänen für die Schubertgasse, die heuer ebenfalls saniert wird.
In der Stadt selbst stehen neben dem Wehoferbach weitere Sanierungsmaßnahmen bevor. Ein größeres Projekt ist die umfassende Sanierung der Schubertgasse. Der erste Bauabschnitt reicht von der Kreuzung mit der Prinz-Eugen-Straße bis zur Molkereistraße.
Dabei werden Straße und Gehsteig vollständig erneuert. Baubeginn ist im Mai, die Fertigstellung ist für Ende September vorgesehen.
Zeitplan und Kosten im Überblick
Auch die Johann-Strauß-Gasse wird bis Ende Oktober ausgebaut. Ein genaues Startdatum gibt es dafür noch nicht. Für beide Straßenbauprojekte wurden insgesamt rund 800.000 Euro veranschlagt.
Geplante Maßnahmen im Überblick:
- Sanierung der Schubertgasse (Mai bis September)
- Ausbau der Johann-Strauß-Gasse (bis Ende Oktober)
- Gesamtkosten: rund 800.000 Euro
Zusätzlich sind auch Maßnahmen im Leitungsnetz geplant. In der Rosengasse wird eine neue Wasserleitung errichtet, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Dafür sind etwa 15.000 Euro vorgesehen.
Sollte es der Zeitplan erlauben, sollen zudem in der Rechten Bachgasse die Wasserleitung sowie die Straßenbeleuchtung modernisiert werden. Dafür sind rund 40.000 Euro eingeplant.
Neuer Wohnraum in der Schulgasse
Auch im Wohnbau gibt es Bewegung. In der Schulgasse hat die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG) den Spatenstich für ein neues Wohnprojekt gesetzt.
Auf einem Grundstück, auf dem früher drei Häuser standen, entsteht ein Gebäude mit 20 Wohnungen. Die Investitionssumme beträgt rund 3,8 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für den Spätsommer 2027 geplant.
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