UNESCO will Beratungsmission an den Neusiedler See schicken

UNESCO will Beratungsmission an den Neusiedler See schicken
Eine Eintragung in die Rote Liste der bedrohten Welterbestätten wird wahrscheinlicher.

Der regenreiche Frühling und Sommer war ein Segen für den Neusiedler See: Nach historischen Tiefstwerten hat sich der Wasserstand des Steppensees wieder einigermaßen erholt.

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Der Wassermangel stellt allerdings nicht die einzige Bedrohung für das "Meer der Wiener" dar. 

2001 wurde die Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See zum UNESCO-Welterbe ernannt. Aufgrund zahlreicher baulicher Eingriffe geriet dieser Status zuletzt arg ins Wackeln. Bei der bevorstehenden Sitzung des Welterbekomitees Mitte September in Riad (Saudi Arabien) könnte die Eintragung in die Rote Liste der bedrohten Welterbestätten einen entscheidenden Schritt näher rücken.

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Wie die Umweltschutzorganisation „Alliance For Nature“ am Montag verkündete, dürfte sich im kommenden Oktober eine Beratungsmission der UNESCO auf den Weg ins Burgenland machen, um den Status quo am Neusiedler See festzuhalten. Sowohl Österreich als auch Ungarn sollen zu gemeinsamen Gesprächen über die Welterbestätte Fertö-Neusiedler See und deren Absicherung eingeladen werden, teilte die Umweltorganisation am Montag mit Verweis auf die Entscheidungsentwürfe des UNESCO-Welterbekomitees mit.

Problem-Projekte

Bei dieser sogenannten „Advisory Mission“ sollen laut „Alliance for Nature“-Geschäftsführer Christian Schuhböck drei Projekte besonders genau unter die Lupe genommen werden:

  • Fertörákos: Das Orban-Prestigeprojekt am ungarischen Seeufer wurde zwar zwischenzeitlich auf Eis gelegt, mittlerweile sind jedoch überarbeitete Pläne bekannt geworden. Das ursprüngliche Vorhaben, das einen Jachthafen, einen Hotelkomplex, Appartementhäuser und fast 900 Parkplätze umfasst hatte, sieht das Welterbekomitee kritisch.

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UNESCO will Beratungsmission an den Neusiedler See schicken

Symbolbild

  • Breitenbrunn: Auch die bereits im Bau befindliche Neugestaltung des Breitenbrunner Seebades soll, wie alle anderen bestehenden und geplanten touristischen Einrichtungen entlang des Seeufers, in eine Bestandsaufnahme und Bewertung einfließen. Das Esterhazy-Projekt in Breitenbrunn stellt die derzeit größte Bautätigkeit auf österreichischer Seite dar.
     
  • Windpark Weiden/Neusiedl: Obwohl nicht direkt am See gelegen, könnte auch das geplante „Repowering“ des Windparks Weiden/Neusiedl am See über „Sein oder Nichtsein“ entscheiden, was den UNESCO-Status betrifft. Denn es steht zu befürchten, dass die bis zu 240 Meter hohen Türme der neuen Windkraftanlagen die Sichtachsen im Welterbegebiet beeinträchtigen würden.

Die „Advisory Mission“ werde nun die Welterbe-Verträglichkeit der kritisierten Projekte prüfen, erklärt Christian Schuhböck. Er spricht sich schon jetzt für die Eintragung des Neusiedler Sees in die Liste der gefährdeten Welterbestätten aus.

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