„Konflikte um Wassernutzung nehmen zu“
Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen haben eine Ressource wieder ins Zentrum gerückt, die ebenso unverzichtbar wie umkämpft ist – Trinkwasser. Haben wir angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Nutzungskonflikte zwischen privaten Haushalten mit Pool, Landwirtschaft, Tourismus und Unternehmen genug Wasser in guter Qualität?
Einer, der es wissen muss, ist Helmut Herlicska, der sich sein ganzes Berufsleben mit Wasser beschäftigt hat. Zuletzt war der Oberwarter bis zu seiner Pensionierung Ende Juni 20 Jahre Technischer Betriebsleiter des Wasserleitungsverbandes Nördliches Burgenland. Die Qualität des heimischen Trinkwassers sei „absolut in Ordnung“, sagt Herlicska. Nitratbelastung, aufgrund intensiver Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Europa oft Thema, sei nach wie vor vielerorts gegeben, mache im Burgenland aktuell jedoch keine Probleme und liege dank Maßnahmen weit unter den Grenzwerten.
Auch um die Wassermenge müsse man sich gegenwärtig keine Sorgen machen. „Die Versorgung der Haushalte ist gesichert. Bei längeren Trockenperioden kann es allerdings sinnvoll sein, die Gartenbewässerung einzuschränken.“ Es dürfe „keine dauerhafte Übernutzung“ der Ressource geben.
Regionale Versorger
Der Wasserleitungsverband Nördliches Burgenland (WLV), viertgrößter Versorger in Österreich, hat in den letzten Jahren Neuerschließungen vor allem in Kittsee, Neusiedl, Wimpassing, aber auch im Bereich der wichtigsten Brunnenanlagen in Neudörfl durchgeführt. Dort wurde in 40 Meter Tiefe ein ergiebiges Wasserreservoir angezapft. In Summe gibt es im Burgenland neun Wasserversorger und rund 50 kleine Wassergenossenschaften. Das sei ein „sehr tragfähiges System“, sieht Herlicska in der Zersplitterung keinen Nachteil. Das sei in anderen Bundesländern nicht anders, österreichweit gebe es 5.200 Versorger: „Die Bevölkerung will ihren regionalen Wasserversorger“.
Diversifiziert ist das Land auch, was die Herkunft des Wassers betrifft. Während im Südburgenland hauptsächlich Tiefengrundwasser erschlossen wird, ist es im Mittelburgenland rund um Lockenhaus auch Quellwasser. Im Landesnorden wird meist oberflächennahes Grundwasser gefördert.
Der Experte räumt ein, dass „die Nutzungskonflikte zunehmen“. Deshalb sei unabdingbar, zu wissen, wer wie viel verbraucht. Bei privaten und gewerblichen Nutzern könne man dank Wasserzählern jeden Liter verfolgen, in der Landwirtschaft nicht immer. Mancherorts würden die Kosten ins Treffen geführt, anderswo wollten Landwirte nicht unbedingt preisgeben, wie hoch ihr Wasserverbrauch ist. Skepsis, die überwindbar sei, glaubt Herlicska: „Das kann man managen“.
Zur Entschärfung von Nutzungskonflikten trügen auch Kooperationen bei, zwischen den Wasserverbänden im Land, aber auch über Landesgrenzen hinweg.
Leitungen nach NÖ
So besteht schon seit Jahren eine Verbindungsleitung vom WLV nach Wiener Neustadt, über die bei Knappheit Wasser ausgetauscht werden kann. Eine zweite Verbindung mit der Kurstadt Baden ist in Planung. Auch im Südburgenland sind im Zuge von EU-Ziel-1-Projekten Verbindungsleitungen errichtet worden, ebenso im Mittelburgenland.
Apropos Niederösterreich: Ein Dauerthema ist die Ausleitung von Wasser aus der Leitha, die damit auch als Grundwasserlieferant ausfällt, was schlecht für die Brunnenanlagen im Nordburgenland ist. Das über Kanäle abgeleitete Leithawasser treibt Kleinwasserkraftwerke an, die dazugehörigen Wasserrechte reichen zum Teil in die Zeit der Monarchie zurück. Der Bedarf ist aber fraglich. Den von den Wasserkraftwerken erzeugten Strom könnten genauso gut drei bis vier Windräder liefern.
Hatte Niederösterreich jahrelang einen Zusammenhang zwischen der Ableitung über Kanäle und der Grundwassermisere bei der Leitha bestritten, habe mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. Eine höhere Dotation der Leitha zumindest zu bestimmten Zeiten könnte ein Ausweg sein. „Es braucht den politischen Willen“.
Welches Wasser schmeckt dem Experten am besten? Herlicska gesteht, dass er das Wiener Wasser aus der Hochquellenleitung „sehr mag“, aber das Wasser aus den Neudörfler Brunnen des WLV „ist dem sehr ähnlich“. Mit entscheidend für die Bekömmlichkeit sei aber auch die richtige Trinktemperatur – 13 bis 14 Grad.
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