© Roland Pittner

10/17/2021

Tradition und frischer Wind in siebenter Generation

Nach 241 Jahren übernimmt die nächste Generation ab 2022 die Café-Konditorei Träger in Pinkafeld.

von Roland Pittner

1780 hat Johann Georg Träger in Pinkafeld eine Bäckerei gegründet. Bis heute laufen die Öfen in der Backstube des Traditionsbetriebs. Über die Jahre entwickelte sich aus der Bäckerei eine Café-Konditorei, die weit über die Grenzen des Südburgenlandes Bekanntheit erlangte. Das runde Eingangsportal zeigt das Gründungsjahr. Wer eintritt, kann als erstes die Vitrine mit Pralinen, Makronen, Linzeraugen, Schaumrollen und zahlreiche Tortenkreationen bewundern.

Derzeit führen Christine und Reinhard Träger den Betrieb in sechster Generation. Doch Tochter Veronika, Sohn Wolfgang und seine Lebensgefährtin Sarah Wagner stehen schon in den Startlöchern, mit viel Begeisterung fürs Handwerk, frischen Ideen – und doch dem Anspruch, das Traditionelle im Betrieb zu bewahren, auch für die kommenden Generationen.

Den klassischen Weg zum Konditor haben die Geschwister nämlich nicht eingeschlagen. „Eine Übernahme stand schon lange im Raum, meine Geschwister und ich sind aber eigentlich in andere berufliche Richtungen aufgebrochen“, sagt Veronika Träger. Lange Zeit war unklar, ob der Betrieb fortgeführt werden kann. Veronika Träger studierte Kunstgeschichte und Public Communications und war im Museum für angewandte Kunst in Wien tätig. Ihr Bruder leitet an der Technischen Universität Wien eine Materialprüfanstalt und Sarah Wagner führt einen Kindergarten in Wien. Erst mit der Zeit entwickelte sich der Wunsch nach der Fortführung der Familiengeschichte im Betrieb. „Man muss oft ganz weit weg, um zu sehen, was vor der eigenen Tür liegt, das hat sich in den vergangenen Jahren so entwickelt“, sagt Wolfgang Träger. Mit Jahresende geht der Betrieb an das Trio und damit in die siebente Generation über.

Backstube

„Mein Traum war schon immer, ein Bistro zu führen“, sagt Wagner, sie wird sich vermehrt in der Backstube einbringen. Veronika Träger war in den vergangenen Jahren schon kreativ für das Familienunternehmen. Egal, ob bei der Webseite oder bei neuen Eiskreationen. „Das Gefühl vom Handwerk haben uns unsere Eltern von Geburt an vermittelt. Die Sensibilität dafür bei den Kunden ist heute auch eine andere, als vor 20 Jahren“, schildert Träger.

Das Konzept der Konditorei wollen die drei nur sanft verändern. „Wir haben immer wieder neue Kreationen und bieten mittlerweile auch gluten- oder laktosefreie Mehlspeisen an“, sagt Träger. Auch in Sachen Hochzeitstorten ist das neue Team sehr kreativ. „Wir nehmen uns für alle Paare Zeit, um die perfekte Torte zu finden“, erklärt Träger. So entstand vor kurzem eine vierstöckige Guglhupf-Hochzeitstorte mit Blattgoldverzierung.

Bei den Rezepten wird nicht nur Neues kreiert, sondern auch auf den Fundus der vergangenen 240 Jahre zurückgegriffen. „Derzeit arbeite ich das Rezeptbuch von Hans Träger durch. Es entstand um 1900, bevor er in den Ersten Weltkrieg ziehen musste. Die Tradition ist der Goldschatz unseres Betriebes“, sagt Träger. Die Firmeninhaber hätten immer schon ein Feingefühl für die Strömungen ihrer Zeit gehabt.

Die Zeit im Kaffeehaus genießen auch die Träger Geschwister und Sarah Wagner. „Man kann gar nicht schöner aufwachsen, als im Kaffeehaus, die Eltern waren auch immer für uns da. Ich möchte das auch meinen Kindern bieten“, sagt Veronika Träger. Und sie hofft, dass auch die achte Generation die Konditorei irgendwann weiterführen wird.

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