Der neue Flüchtlingsansturm in der Nacht auf Donnerstag brachte die Einsatzkräfte an den Rand ihrer Kapazitäten.

© APA/EPA/HERBERT P. OCZERET

Chronik | Burgenland
09/10/2015

Tausende Flüchtlinge in Nickelsdorf angekommen

Am Donnerstag sind bereits rund 500 Menschen mit einem Sonderzug am Westbahnhof angekommen.

Gespanntes Warten Donnerstag früh in Nickelsdorf: Zu diesem Zeitpunkt war unklar, wie viele Flüchtlinge in den nächsten Stunden im Burgenland eintreffen werden. "Wir wissen nicht, auf wie viele wir uns einstellen müssen", sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor des Burgenlands, Christian Stella. In der Nacht auf Donnerstag waren mehr als 3.000 Flüchtlinge am Grenzübergang Nickelsdorf angekommen. Der neue Flüchtlingsansturm brachte die Einsatzkräfte an den Rand ihrer Kapazitäten.

Mit Stand 10.30 Uhr befanden sich am Donnerstag 3.700 Flüchtlinge in Nickelsdorf und 2.000 in Wien. "Tendenz steigend" - man erwartete noch Tausende mehr. "Weiterhin ist die Informationslage aus Ungarn sehr dürftig, was das Vorgehen und die Planung der dortigen Behörden betrifft", betonte das Innenministerium. Die Busflotte zum Transport der Flüchtlinge soll verstärkt und zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit geschaffen werden.

Familien mit Kindern ruhten sich von den Strapazen aus, während Stella versuchte, sich einen Überblick zu verschaffen: "1.500 Flüchtlinge aus Györ sollen kommen", sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor. Aber darüber hinaus lagen wenige gesicherte Informationen vor. Seitens der Caritas hieß es, dass die Situation sehr schwer abzuschätzen sei. Die Infos aus Ungarn seien eher spärlich, sagte Generalsekretär der Caritas Wien, Klaus Schwertner.

Hunderte erreichten Wien

Unterdessen ist am Wiener Westbahnhof am Donnerstagvormittag auch ein erster regulärer Zug vom Budapester Ostbahnhof eingetroffen. An Bord befanden sich mehrere hundert Flüchtlinge, die eigentlich nach Salzburg weiterfahren wollten. Rund 200 bis 300 wurden von ÖBB-Mitarbeiter jedoch gebeten, auszusteigen, um Platz für andere Passagiere zu machen. Die meisten Flüchtlinge wollten wie bisher weiter nach Deutschland. Nur einige Familien stellten in der Nacht einen Asylantrag, laut Polizei gab es bis in die frühen Morgenstunden rund 20 Anträge.

Wiener Bevölkerung hilft Flüchtlingen:

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Flüchtlinge am Westbahnhof

Bereits zuvor hatte die Polizei den Bahnsteig eins, auf dem weiterhin rund 300 Flüchtlinge auf Verbindungen in Richtung Westen warten, mit Tretgittern abgesperrt. Die ÖBB erlauben jeweils nur einer begrenzten Anzahl von Migranten an Bord von Zügen nach Salzburg oder Deutschland zu gehen. Für 10.15 Uhr wird ein weiterer Sonderzug mit Flüchtlingen aus Nickelsdorf erwartet, auch Busse sollen Menschen nach Wien bringen. In der Nacht auf Donnerstag waren in Nickelsdorf rund 3.700 Schutzsuchende angekommen.

Die Rettung rechnete mit 3.000 Personen, die am Vormittag aus Nickelsdorf nach Wien kommen sollen, wie Andreas Huber, Sprecher der Wiener Berufsrettung zur APA sagte. Das Sanitätsteam Wien, dem außerdem Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter-Bund, Johanniter und Malteser angehören, stand mit 22 Mitarbeitern am West- und Hauptbahnhof im Einsatz. Seit Mitternacht wurden von den Helfern elf Flüchtlinge medizinisch versorgt.

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650 Flüchtlinge übernachteten in Salzburg

Rund 650 Flüchtlinge haben die Nacht auf Donnerstag am Salzburger Hauptbahnhof verbracht, weil sie auf die ersten Züge Richtung München warten mussten. Die Menschen haben in einer beheizten Zuggarnitur sowie auf Feldbetten in einem beheizten Zelt am Vorplatz und im Durchgang übernachtet. Helfer des Roten Kreuzes und der Caritas versorgten sie mit Lebensmitteln, Getränken, Decken und Polstern.

Linzer "Post City" wird Flüchtlingsquartier

Indes wurde bekannt, dass das ehemalige Postverteilzentrum am Linzer Bahnhof, das vergangene Woche als "Post City" Haupt-Location des gleichnamigen Ars-Electronica-Festivals war, am Donnerstag als Übergangsquartier für Flüchtlinge hergerichtet wird. 500 Personen sollen in der Halle Platz finden, bestätigte Stefan Neubauer vom Roten Kreuz.

Der rund 100.000 Quadratmeter umfassende Bau war zuletzt ungenutzt. Da er für die am Wochenende zu Ende gegangene Ars Electronica veranstaltungstauglich gemacht worden war und zudem direkt am Bahnhof liegt, hat er sich als Übergangsquartier angeboten. Zu Mittag werden zudem die Feldbetten aus der Tabakfabrik, in der zuletzt kurzfristig mehrere hundert Personen einquartiert waren, in die Post City transportiert.

Senkung der Standards bei Minderjährigen angedacht

Im Zuge der Flüchtlingskrise soll es Überlegungen geben, die Standards für unbegleitete minderjährige Asylwerber zu senken. Laut einem Bericht der Wiener Zeitung sollen unbegleitete Jugendliche bald in Erwachsenenquartiere untergebracht werden können, um Unterbringungskosten zu sparen. Von der Volksanwaltschaft wurde das scharf kritisiert.

Konkret soll laut dem Bericht die Volljährigkeit neu interpretiert werden. Unter 17-Jährige sollen weiterhin in kleinen Wohngruppen betreut werden. Über 17-Jährige könnten aber in "ausgewählte Erwachsenenquartiere" oder Wohnheimen mit weniger intensiver Betreuung untergebracht werden. Eine Passage im Grundversorgungsgesetz der Länder erlaubt das schon jetzt ab dem 17. Lebensjahr. Sie ist nur bisher noch nie zur Anwendung gekommen. Der Tagsatz für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beträgt 95 Euro. Bei Bewachsenen liegt er bei nur 19 Euro.

Volksanwalt Günther Kräuter (SPÖ) übte scharfe Kritik an diesen Plänen. "Wenn nunmehr versucht wird, statt Missstände zu beheben, Gesetze und Standards den Missständen anzupassen, wird der Menschenrechtsschutz in Österreich auf den Kopf gestellt." Die Volksanwaltschaft sehe die Verletzung der Obsorgeverpflichtung der Kinder- und Jugendwohlfahrt als menschenrechtlichen Skandal. Seitens der Behörden werde nämlich nicht nur überlegt, das Alter der betreuten unbegleiteten Minderjährigen herabzusetzen, sondern ist auch eine generell gesetzwidrige Schlechterstellung dieser Asylwerber angedacht. "Die Volksanwaltschaft fordert daher die Einhaltung der nationalen und internationalen Rechtsvorschriften und spricht sich ausdrücklich gegen eine Kürzung der Betreuungsmittel für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus", so Kräuter.