Ex-Begas-Vorstand Rudolf Simandl wird in einem Jahr noch einmal "begutachtet"

© /georg gesellmann

Begas-Prozess
04/30/2016

Simandl muss nicht vor Gericht

Depression.Gutachter bescheinigt "derzeit" Verhandlungsunfähigkeit.

von Thomas Orovits, Kid Möchel

Gut möglich, dass sich Ex-Begas-Boss Rudolf Simandl nie vor Gericht verantworten muss. Der frühere Energie-Manager, dem Untreue, schwerer gewerbsmäßiger Betrug, Veruntreuung und Geschenkannahme vorgeworfen werden, und der sich zwischen 1997 und 2012 um 3,89 Millionen Euro bereichert haben soll (drei Mio. hat er refundiert), sei "derzeit" weder verhandlungs- noch vernehmungsfähig. Das ist die Kernaussage des seit Freitag vorliegenden psychiatrischen Gutachtens des Grazer Uni-Professors Peter Hofmann im Auftrag des Landesgerichtes Eisenstadt. Simandl soll schwer depressiv sein.

Im rund 20-seitigen Gutachten hat der Mediziner auch verneint, dass Simandl simuliere. Angesichts des Krankheitsverlaufs sei "nicht absehbar, ob überhaupt noch eine Besserung eintrete", teilte das Gericht mit. In einem Jahr soll Simandl neuerlich begutachtet werden.

"Das aktuelle Sachverständigengutachten bestätigt, wie schon die bisherigen Gutachten, dass mein Mandant so schwer erkrankt ist, dass er einem Strafprozess nicht folgen kann", sagte Simandl-Verteidiger Roland Kier zum KURIER. Zudem seien die "Verdächtigungen", er simuliere nur, "völlig aus der Luft gegriffen" gewesen. Die psychische Erkrankung soll auch zu organischen Schäden geführt haben.

Prozess findet statt

Die anderen sechs Beschuldigten stehen aber bald vor Gericht, "in Kürze" würden Termine bekanntgegeben. Ob es sinnvoll sei, die Causa ohne Zentralfigur zu verhandeln? Das sei durchaus möglich, wenn es die Sache auch "nicht einfacher macht", räumt Gerichtsvizepräsident Bernhard Kolonovits ein.

Die Affäre war im April 2012 aufgeflogen, nach jahrelangen Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wurde im Vorjahr gegen sieben Personen Anklage erhoben. Im Mittelpunkt stehen Simandl und zwei Ex-Mitarbeiter. Vor allem Simandl soll die Begas, die mittlerweile in der Energie Burgenland aufgegangen ist, wie einen "Selbstbedienungsladen" geführt haben. Ex-Begas-Vorstand Reinhard Schweifer und zwei weiteren Ex-Angestellten wird "lediglich" Untreue angelastet. Der siebte Verdächtige muss sich wegen falscher Beweisaussage verantworten. Gesamtschaden: mehr als vier Millionen Euro, das Gros entfällt auf Simandl. Die Vorwürfe werden allesamt bestritten.

Der Südburgenländer war auch beim Zivilprozess, den die Energie Burgenland (EB) gegen ihn angestrengt und gewonnen hat, nie im Verhandlungssaal. Der Rechtsstreit zwischen EB und Schweifer ist hingegen noch offen. Schweifer beklagt, dass der von ihm beim Arbeits- und Sozialgericht angestrengte Zivilprozess seit Jahren ruhe – laut Gericht soll es nun bald weitergehen. Hält er es für ungerecht, dass Simandl jetzt nicht vor Gericht muss? Er kenne das Gutachten nicht, deshalb "kann ich dazu nichts sagen".

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