Designierter SPÖ-Landesgeschäftsführer: Christian Dax

© /Thomas Orovits

Roter Parteimanager
10/30/2016

Signal ans bürgerliche Burgenland

Christian Dax will die SPÖ breiter aufstellen und erwartet schwierige Gemeinderatswahlen.

von Thomas Orovits

Christian Dax hat schon vor seinem Amtsantritt Schlagzeilen gemacht: Der designierte Landesgeschäftsführer der burgenländischen SPÖ ist nicht nur der aktuell jüngste Parteimanager in Österreich, sondern der 28-jährige Jurist ist vor allem ein "Beute-Roter". Dax‘ Großvater Wolfgang war von 1991 bis 1996 als ÖVP-Politiker Erster Landtagspräsident, Vater Werner ist einer der bekanntesten Anwälte des Landes. Im KURIER-Interview spricht der Südburgenländer mit Anwaltszulassung in New York über die Coolness seines Opas, die kurzzeitige "Funkstille" im Elternhaus und warum er Hans Niessl und Hans Peter Doskozil für "Ausnahmeerscheinungen" hält.

KURIER:Welchen Auftrag haben Sie von Hans Niessl für die Arbeit als SP-Geschäftsführer?

Christian Dax: Ziel ist, die Partei zu öffnen und breiter aufzustellen. Wir wollen auch ein schönes Plus bei der Mitgliederzahl (derzeit rund 14.000, Anm.). Meine Bestellung soll ein klares Signal in diese Richtung sein.

Wer soll dieses Signal hören?

Speziell das bürgerliche Lager und die jüngere Generation. Wir vergessen aber auch unsere Stammwähler nicht, alle, die gesellschaftspolitisch links stehen.

Das ist aber schon sehr breit, fast schon beliebig.

Wir können uns nicht den Luxus leisten, eine stark linkslastige Linie zu fahren. Wir müssen die Mehrheit der Bevölkerung abholen.

Es ist demnach nur eine rhetorische Frage, ob Sie Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil oder der ebenfalls aus dem Burgenland kommenden SJ-Chefin Julia Herr näher stehen?

Ich verstehe die Rolle von Julia Herr, aber inhaltlich stehe ich Doskozil viel näher.

Apropos: Wer wäre dem Partei- und Wahlkampfmanager Dax als Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl lieber, Niessl oder Doskozil?

Bis 2020 ist es noch lang, das wird zu gegebener Zeit entschieden. Aber beide sind in Österreich und sogar europaweit Ausnahmeerscheinungen. Es gibt wenige Politiker mit so viel Bodenhaftung und Pragmatismus.

Die Generalprobe für die Landtagswahl findet schon 2017 statt. Was ist Ihr Ziel für die Gemeinderatswahlen, 90 statt 87 Bürgermeister?

Hohe Ziele sind okay, aber wir müssen realistisch sein. Das wird sicher die schwierigste Gemeinderatswahl der vergangenen 15 Jahre.

Inwiefern?

2012 holten die Freiheitlichen landesweit nur vier Prozent der Gemeinderatsmandate, 2017 werden sie sich zumindest verdoppeln. Wir dürfen auch die ÖVP nicht unterschätzen. Aber ich bin zuversichtlich, dass die SPÖ wieder die meisten Bürgermeister stellt.

Die Blauen profitieren von der Regierungsbeteiligung im Land?

Ja, aber mehr noch von der bundespolitischen Großwetterlage. Das ist ein Dampfer, auf dem die FPÖ mitfährt.

Ist Rot-Blau im Burgenland für Sie erste Wahl?

Man muss immer auf die handelnden Personen schauen. Im Burgenland fährt die FPÖ defintiv nicht die Linie des Herrn Strache in Wien. Wir haben keine ideologische Liebesheirat geschlossen, sondern eine Zweckehe, um fürs Burgenland etwas weiterzubringen – das funktioniert.

Zurück zur Kommunalwahl: 2012 gab es in Ihrem Heimatbezirk Güssing zahlreiche Wahlplattformen der SPÖ mit Bürgerlisten; bleibt es 2017 dabei?

Wo es sinnvoll ist, wiederholen wir das. Aber das ist ein Spezifikum im Süden und kein Muster fürs ganze Land.

Versucht die SPÖ damit, der Liste Burgenland das Wasser abzugraben?

So würde ich das nicht formulieren, wir werden den Listen ein klares Angebot machen.

Auch wenn Sie erst im Jänner offiziell als Parteimanager starten, beschäftigt Sie das Thema wohl schon jetzt?

Selbstverständlich, ich komme derzeit kaum vor Mitternacht nach Hause. Ich muss meine Aufgaben im Büro des Landeshauptmannes natürlich ordentlich erledigen, aber am Abend und an den Wochenenden bin ich in Gemeinden unterwegs.

Wie sind die Reaktionen?

Positiv, ich habe keine einzige negative Erfahrung gemacht. Dass ich in vielen Gemeinden ein unbeschriebenes Blatt bin, muss ja kein Nachteil sein.

Hat Sie noch nie jemand gefragt, warum Sie nicht bei der ÖVP sind?

Doch, das höre ich ständig (lacht), aber das Ganze wird immer eher amüsiert kommentiert.

Was antworten Sie?

Ich habe in den vergangenen Jahren selbst erlebt, was im Burgenland weitergegangen ist. Das schreibe ich der SPÖ zu. Ich bin ein stolzer und überzeugter Sozialdemokrat.

Seit wann sind Sie Mitglied?

Seit zwei Jahren.

Was hat Sie für die SPÖ begeistert und von der ÖVP entfernt?

Der Gedanke der sozialen Gerechtigkeit ist mir am wichtigsten. Mit dem Elitendenken der ÖVP konnte ich mich nie identifizieren.

Aber Sie gehören doch selbst zur Elite – ihr Großvater war ÖVP-Landtagspräsident, Ihr Vater ist einer der bekanntesten Anwälte des Landes mit mittlerweile fünf Kanzleistandorten auch in Wien und Graz. Sie selbst haben in Graz Jus studiert und eine Anwaltszulassung für New York...

Das war nicht immer so, mein Vater musste schon während des Studiums eine Familie mit drei Kindern versorgen. Wer unsere Familie kennt, weiß, dass wir sehr bodenständig geblieben sind. Und ich bin sehr dankbar für die mir eröffneten Möglichkeiten und fühle mich verpflichtet, jetzt auch etwas zurückzugeben.

Das könnte auch Ihr Vater von Ihnen erwarten. Wollte er nicht, dass Sie einmal die Kanzlei übernehmen?

Natürlich ist das ein Thema. Als ich ins Landeshauptmann-Büro gegangen bin, herrschte daheim zwei Wochen Funkstille. Aber dann hat er gesagt, "das ist Dein Leben und Du musst wissen, was der richtige Weg ist". Aber die Tür bleibt offen, ich kann immer zurückkommen.

Sie sehen ihr politisches Engagement also befristet?

Das muss man so sehen, sonst wäre ich so abhängig wie 80 Prozent der Politiker. Ich glaube, man sollte eine Funktion nicht länger als zwei Perioden ausüben.

Dass Sie vielleicht doch noch die Kanzlei übernehmen, wird auch Ihren Großvater freuen.

Er hat mein Engagement cool aufgenommen. Jeder, der ihn ein bisschen besser kennt, wird das bestätigen. Mein Opa war ja nie ein typischer Parteisoldat, er hat staatsmännisch agiert. Jetzt freut er sich, dass ihm einer in die Politik folgt.

In welcher Partei, ist sekundär?

Ich glaube, das ist ihm nicht so wichtig. Wenn ich doch einmal auf einer Liste stehen sollte, weiß ich nicht, ob er mich wählt – aber ich gehe davon aus.

Sicher mit Vorzugsstimme...

(lachend) Ja, mit Vorzugsstimme.

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