© Koglbauer Claudia

Chronik Burgenland
08/24/2021

Schwammerl-Saison: Jetzt ist die beste Zeit für Pilze

Nach einer langen Trockenphase wachsen jetzt viele Steinpilze und Täublingsarten in Pannoniens Wäldern.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Das lange Warten hat ein Ende: In den burgenländischen Wäldern ist das „Pilzfieber“ ausgebrochen. Während es im Westen Österreichs wie etwa in Vorarlberg schon vor einem Monat eine „Pilz-Explosion“ gegeben habe, sei es nun im Osten der „erste auffällige Schub“, sagt Irmgard Greilhuber, Präsidentin der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft.

„Heuer war es lange sehr trocken. Damit die Pilze kommen, müssen die Regenmengen entsprechend groß und anhaltend sein“, erklärt die Expertin. Die weit verbreitete Meinung, die Schwammerl würden vor allem bei zunehmendem Mond sprießen, sei aber wissenschaftlich widerlegt.

Auch Mykologe Gerhard Koller aus Mattersburg ist im Wald unterwegs. Ihm geht es vor allem um die wissenschaftliche Facette. Während die Anzahl der vorkommenden Arten noch nicht so groß sei, sei die Biomasse, der Fruchtkörperanteil der einzelnen Arten, vorhanden. „Derzeit gibt es jedenfalls „irrsinnig viel Steinpilze und Täublingsarten“, berichtet der Experte.

Myzel schützen

Experten appellieren, nur solche Pilze zu entnehmen, die man zu 100 Prozent kennt. Sammler sollten sie Pilze  vorsichtig aus der Erde drehen bzw. abschneiden. Die entstandene Bodenöffnung wieder schließen, um das Myzel vor UV-Strahlung und Austrocknung zu schützen


Strafen

Alte Fruchtkörper sollte man zur Verbreitung der Sporen stehen lassen. Wird es vom Waldeigentümer nicht ausdrücklich untersagt, dürfen pro Tag zwei Kilo Pilze gesammelt werden. Bei Vergehen drohen bis zu 730 Euro Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einer Woche

Klimawandel

Der Klimawandel mit den steigenden Temperaturen mache sich auch in den heimischen Wäldern bemerkbar. „Früher war die Hauptsaison der gängigen Pilze im August und September. Jetzt schieben sich die Zeiten immer mehr hinaus.“ Steinpilze oder Eierschwammerl wurden in den vergangenen Jahren gar schon im Dezember gesichtet. Der Frost-Schneckling – ein hervorragender Speisepilz – komme mitunter auch schon im Februar, schildert Koller.

Saison verschiebt sich

Während das Pilz-Vorkommen im Sommer immer geringer werde, verschiebe sich die Saison weiter gegen Winter. Auch die südlichen Arten werden häufiger, sagt Koller. Ein Beispiel ist der Kaiserling. Der Pilz sei zwar schon immer in Pannoniens Wäldern anzutreffen, jetzt ist er aber häufiger zu sehen.

Auch der stark riechende Röhrling ist eine solche „südliche Art“. Von oben betrachtet sieht er dem Steinpilz sehr ähnlich. „Leider wissen die Leute das nicht und reißen ihn immer wieder aus.“ Koller rät, den Pilz im Zweifel mit einem Handspiegel von unten zu betrachten.

In Österreich gibt es etwa 8.000 Großpilzarten. Etwa die Hälfte, rund 4.400 Pilze sind gefährdet.Im Burgenland steht nur der Kaiserling unter strengem Artenschutz.

Um die Arten und die Fundorte aufzulisten, kooperiert die Mykologische Gesellschaft österreichweit mit Pilzfreunden. In der Pilz-Datenbank sind in dynamischen Karten mehr als  8.000 Pilzarten an rund  20.000 Fundorten einzusehen (www.pilzdaten-austria.eu). Eine Meldung von Pilzdaten ist ausdrücklich erwünscht.

Pilzauskünfte gibt es bei der Mykologischen Gesellschaft in Wien, jeden Montag von 17 bis 18 Uhr. Mykologe Gerhard Koller bietet im Burgenland  bei Interesse nicht nur Pilzauskünfte, sondern führt auf Wunsch auch Pilzexkursionen durch (Infos:  0650/56 21035).

Giftige Pilze

Auch der Naturschutzbund Burgenland setzt sich für nachhaltige Waldbewirtschaftung ein, sagt Geschäftsführer Klaus Michalek. So hat der Naturschutzbund mehrere kleine Flächen gepachtet, um unter anderem seltene Pilze zu schützen.

Generell rät Michalek, nur Pilze zu nehmen, die man kenne. Wirklich tödlich seien von den rund 6.000 bis 7.000 im Burgenland vorkommenden Arten zwar nur etwa 40. Selten aber doch komme es vereinzelt zu Pilzvergiftungen, die tödlich enden.

Nur begrenzte Menge sammeln 

Wie Koller appelliert auch Greilhuber, nur jene Pilze zu sammeln, die man kennt. „Leider kommt es immer öfter vor, dass Pilze ausgerissen und weggeworfen werden“, sagt die Mykologin. Dabei erfüllen die Pilze wichtige ökologische Funktionen: „Jeder Pilz ist ein Dorado für Kleinstlebewesen.“ Zudem zersetzen sie organisches Material wie Holz oder Laub. Eine wichtige Funktion ist auch die Mykorrhiza: Baum und Pilz gehen eine Symbiose ein. Sie tauschen Nährstoffe aus. „Für die Wälder ist es enorm wichtig, dass die mykologische Artenvielfalt erhalten bleibt.“ Damit halten sie den Nährstoffkreislauf in Schwung.

Vom Sammeln der Pilze in großen Mengen raten die Experten aus genannten ökologischen Gründen ab. Auch wenn so mancher Pilz-Liebhaber seine Beute per Anhänger aus dem Wald schafft: Gesammelt werden darf nur in begrenzter Menge – andernfalls drohen empfindliche Strafen.

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