Bei Pilzwanderungen sammeln die Teilnehmer Erfahrungen, die beim privaten Suchen helfen.

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Österreich
08/23/2020

Schwammerlsuchen: Tipps für eine gelungene Saison

Pilze zu bestimmen ist schwierig. Wie man es lernen kann, wann die beste Zeit zum Pflücken ist und wie Plätze erhalten bleiben.

von Petra Stacher

Es raschelt im Wald. Immer wieder hört man Äste, die auf dem mit Laub und Nadeln bedeckten Waldboden liegen, knacksen. Denn auch wenn man vorsichtig ist, ganz lautlos kann ein Mensch nicht durch den Wald streifen – schon gar keine Gruppe. Jeder einzelne blickt konzentriert auf den Boden, um auf nichts zu treten und vor allem nichts zu übersehen.

„Da ist einer“, ruft Alois und zeigt mit seinem Gehstock aus Holz auf etwas am Boden. „Der hat auch schon so gute Augen wie ich“, sagt Helmut Pammer, der zu ihm eilt, sein Klappmesser aus der Tasche holt und das Schwammerl damit aus der Erde pult. Genießbar ist es zwar nicht, aber bei der Pilzwanderung der „Mykologischen Arbeitsgemeinschaft Linz“ steht auch etwas anderes im Mittelpunkt: Es soll Erfahrung gesammelt werden und davon hat Helmut sichtlich genug.

Er ist dieses Mal im Kobernaußerwald in Oberösterreich als Experte dabei und hat auf fast jeden Pilz eine Antwort: „Breitblättriger Rübling“, „Gallenröhrling“, „Fuchsiger Scheidenstreifling“, „Flacher Lackporling“, „Kartoffelbovist“, „Feuer-Schüppling“ – nur ein paar, der etwa 2.000 Arten, die österreichweit wachsen.

Alleine vom Pfifferling, Eierschwammerl genannt, gibt es auf der ganzen Welt etwa 40 unterschiedliche Arten. August hatte das Glück eines davon zu finden: Ein „samtiges Eierschwammerl“, laut Helmut genießbar.

Im Korb

„Das hätt’ ich mir nicht nehmen getraut“, sagt August und legt die Schwammerl vorsichtig in seinen geflochtenen Korb, wie ihn fast alle bei sich tragen. „Wichtig ist, dass der Behälter offen ist und kein Plastiksackerl“, sagt Christa. Denn damit würde man die Pilze beschädigen.

Christa geht schon seit über zehn Jahren bei den Wanderungen mit. Hin und wieder sind auch ihre Enkerl dabei, um ihnen ihr Wissen weiterzugeben: „Man darf Schwammerl nie abschneiden, sondern muss sie immer als Ganzes aus dem Boden holen“, erklärt sie. Sonst würden wichtige Bestimmungsmerkmale fehlen.

Hat man  einen giftigen Pilz gegessen, den Notruf 144 wählen oder sich an die Vergiftungszentrale mit der Nummer 01/406 43 43 wenden.

Es ist sinnvoll, Pilzreste vom Putzen, Speisereste oder Erbrochenes dem Arzt zu geben.

„Wenn ich meinen Korb zu Hause ausleere, muss ich kontrollieren, ob nicht ein giftiges dabei ist. Besser drei Mal schauen als ein falsches erwischen“, ist ihre Devise.

Denn so einfach ist das mit dem Bestimmen nicht: Peter hat einige Pilze gefunden und kommt mit seinem Korb daher. „Was stand denn für ein Baum daneben?“, fragt Helmut noch, bevor er seine Lupe aus der Tasche holt und eines der Schwammerl untersucht.

In Wien ist das Marktamt (MA 59) die zentrale Pilzberatungsstelle. Sammler können sich dort zu einer gratis Beratung oder Begutachtung melden (Naschmarkt, Eingang Marktamt gegenüber der U-Bahn-Station Kettenbrückengasse). So soll vermieden werden, dass Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern verwechselt werden. Zur Verfügung steht die Beratungsstelle immer Montag von 7.30 bis 15 Uhr.

Jeden Montag und Mittwoch von 9 bis 12 Uhr gibt es auch  in Graz die Möglichkeit einer Pilzberatung. Diese wird vom Gesundheitsamt der Stadt Graz durchgeführt (Lagergasse 132). Nähere Auskünfte gibt es unter der Nummer  0316 /872 3263.

In Linz gibt es im Neuen Rathaus eine Speisepilzberatung. Diese hat jeden Montag von 7.30 bis 9 Uhr geöffnet. In der Hauptsaison von September bis Ende Oktober ist die Stelle zusätzlich auch am Donnerstag von Experten besetzt. Zur Bestimmung sei es wichtig, die Pilze unversehrt und mit Stiel mitzubringen.

Auch die Pilzwanderungen der „Mykologischen Arbeitsgemeinschaft Linz“ helfen Erfahrung zu sammeln und sich beim nächsten Mal Zugreifen zu trauen. Alle Informationen  erhalten Sie unter arge.mykologie@landesmuseum.at und hier.

Weitere Beratungsstellen sind hier abrufbar.

„Eine Buche“, antwortet Peter, nachdem er den Blick zum Fundort zurückschweifen lässt. „Jedes noch so kleine Merkmal ist wichtig. Man soll Schwammerl deshalb nicht zu viel angreifen, sondern einfach auf die flache Hand legen“, sagt Helmut. Schließlich bestimmt er den Pilz

von Peter: „Ein Buchen-Spei-Täubling“.

Schwammerlplätze

Obwohl die etwa 50 Teilnehmer heute über 100 verschiedene Arten finden – so ganz zufrieden sind sie mit ihrer Ausbeute nicht. „Sie stehen heute sehr vereinzelt“, sagt Christa, wie sie so durch den Wald geht. Laut Helmut seien meist nur zehn Prozent der Fundstücke genießbar. Felder voller Eierschwammerl? Fehlanzeige.

Tipps gibt der Experte trotzdem: „Wenn man einen Schwammerlplatz gefunden hat, ist es wichtig, nicht auf die abgepflückten Stellen zu treten. Oft sind darunter wieder neue Pilze, die man gar nicht sieht“, sagt Helmut. Zwei Kilogramm darf eine Person mitnehmen, in der Gruppe maximal acht Kilo. Bis neue Schwammerl nachwachsen, könne es je nach Witterung bis zu vier Wochen dauern.

Die richtige Zeit

Prinzipiell habe sich die „Schwammerlzeit“ etwas nach hinten verlagert. „Früher war der August ein sehr guter Monat. Jetzt ist es oft zu trocken. Die besten Monate sind von September bis in den November hinein“, schildert Helmut seine jahrzehntelange Erfahrung.

Den meisten Erfolg in diesen Monaten welche zu finden, habe man in Mischwäldern: Etwas feucht soll der Boden sein. Moos und Heidelbeerstauden sind ein guter Indikator dafür – prinzipiell variiere das aber von Wald zu Wald.

Alois stochert mit seinem Stock noch etwas zwischen den Stauden herum. Dann scheint er aber genug vom Suchen zu haben. Von Eierschwammerl darf er heute nur träumen: „Schneiden, sofort einfrieren, als gefrorene herausbraten und zu einer Soße verarbeiten. So behalten sie ihren einzigartigen Geschmack und bleiben knackig“, sagt Alois.

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