© Gsellmann

Chronik Burgenland

„Rückenwind“: Halb Europa bereist und einen Film darüber gedreht

Anna Mühlberger und Moses Gsellmann waren zehn Monate unterwegs. Dabei ist die Doku „Rückenwind – Zeit für Zufriedenheit“ entstanden.

von Paul Haider

12/04/2022, 06:00 AM

Sie sind in diesem Alter, in dem sich junge Leute gerne für ein paar Monate eine Auszeit nehmen, um die Welt zu bereisen. Das haben Anna Mühlberger und Moses Gsellmann im vergangenen Jahr nach Abschluss ihrer Studien auch getan. Mit dem Unterschied, dass sie dabei einen Film gedreht haben.

Für Moses Gsellmann aus Gols war die Produktion eines Kinofilms ein lange gehegter Traum, er hat Film-, TV- und Medienproduktion studiert. Gemeinsam mit seiner Partnerin Anna Mühlberger – sie ist studierte Trauma-Pädagogin und stammt aus Waidhofen an der Thaya – hat er sich den Traum erfüllt. „Der Plan war, dass wir uns nach dem Studium mit einer großen Reise belohnen. Und weil wir davor schon viel gemeinsam fotografiert haben, hat sich die Idee, die Reise in bewegten Bildern festzuhalten, immer mehr zusammengefügt“, erzählt Gsellmann im KURIER-Gespräch.

Die Grundidee für den Film kann Anna Mühlberger in wenigen Worten zusammenfassen: „In erster Linie wollten wir wissen, was Zufriedenheit in anderen Ländern bedeutet. Das kam daher, dass wir vor allem in Österreich viel zu viele unzufriedene Leute kennengelernt haben. Der reduzierte Lebensstil, den wir auf unserer Reise gepflegt haben, hat uns selbst gezeigt, wie wenig man eigentlich zum Zufriedensein braucht.“

Warum so grantig?

Gsellmann fällt dazu eine Anekdote von einer Reiseetappe in Griechenland ein: „Im Winter haben wir auf einem Stellplatz ein Pärchen kennengelernt, das ungefähr in unserem Alter ist. Sie hat gesagt, dass sie nicht mehr nach Österreich zurück will, weil ihr diese grimmigen Gesichter auf die Nerven gehen. Ich habe mich gefragt, woher das kommt. Wir leben doch im schönsten Land der Welt, mit einem der besten Sozialsysteme.“ Die Frage, die sich der junge Filmemacher stellte, ist brandaktuell – nachdem Wien diese Woche erneut zur „unfreundlichsten Stadt der Welt“ gewählt wurde.

Die Antworten, die das Paar auf ihrer zehnmonatigen Reise in ihrem Kleinbus namens „Olaf“ durch 14 Länder – von Slowenien bis Armenien – gefunden hat, sind ganz unterschiedlicher Natur. Im Film werden sie von den Leuten vor Ort selbst erzählt. Interessante, zufällig getroffene Persönlichkeiten, wurden jeweils einen Tag lang mit der Kamera begleitet, um ihrem Verständnis von Zufriedenheit auf den Grund zu gehen. „Die zweite Ebene des Films sind unsere Tagebucheinträge von der Reise, gesprochen von uns selbst “, verrät Gsellmann.

Finanzielle Hürden

Mittlerweile ist eine erste, rund 90-minütige Version des Films mit dem Titel „Rückenwind – Zeit für Zufriedenheit“ kurz vor der Fertigstellung. Zwischenzeitlich stand das Projekt aber auf der Kippe, denn die Finanzen wurden zur großen Herausforderung. „2020 hat ein Dokumentarfilm im Schnitt 490.000 Euro gekostet. Unser Film wurde von einem Produktionsunternehmen mit 150.000 Euro kalkuliert“, erklärt Moses Gsellmann. Für die Finanzierung hoffte das Paar auf eine Förderung des österreichischen Filminstituts, wo der Film auch durchaus auf gutes Feedback gestoßen sei, sagt Mühlberger.

Im Jänner 2022 erreichte die beiden Filmemacher auf ihrer letzten Reiseetappe in Athen die enttäuschende Nachricht: Die Fördertöpfe waren aufgrund der Corona-Nachwehen ausgeschöpft, für „Rückenwind“ war kein Geld mehr da.

Ans Aufhören dachten die beiden trotzdem nicht: „Auch wenn es sich kitschig anhört: Das ist unser Herzensprojekt, mit dem wir versuchen, die Welt ein bisschen zu verbessern“, sagt der Golser Filmemacher.

Ganz ohne externe Geldquellen kann das Werk dennoch nicht fertiggestellt werden. An einigen letzten Produktionsschritten, wie dem Tonmix, sollen noch  Profis Hand anlegen. Für die Kosten von genau 18.900 Euro haben Mühlberger und Gsellmann eine Crowdfunding-Kampagne gestartet

Mit einer Kampagne auf der Plattform startnext.com soll die Fertigstellung der Doku finanziert werden. Für jede Spende gibt es eine Gegenleistung, etwa den eigenen Namen im Abspann.

18.900 Euro sind das Ziel der Kampagne. Derzeit stehen sie schon bei über 11.000 Euro, eine Woche lang wird noch gesammelt.  

Und wann wird „Rückenwind – Zeit für Zufriedenheit“ Premiere feiern? „Wenn das Crowdfunding erfolgreich ist, wird der Film im Frühjahr 2023 fertiggestellt. In die Kinos könnte er dann frühestens im Herbst 2023 kommen“, kündigt Moses Gsellmann an.

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