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Chronik Burgenland
09/04/2019

Rezepte gegen Ärztemangel gesucht

50 neue Mediziner bräuchte es, um die anstehenden Pensionierungen zumindest abzufedern

von Michael Pekovics, Claudia Koglbauer-Schöll

Vier Kassenstellen für Allgemeinmediziner sind im Burgenland derzeit unbesetzt. Konkret ist in den Gemeinden Jennersdorf, Pamhagen, Neustift bei Güssing und Gattendorf jeweils eine Stelle ausgeschrieben.

Im mittelburgenländischen Raiding etwa hat es auch nach dreimaliger Ausschreibung noch keinen Bewerber gegeben. „Wir sind aber in engem Kontakt mit einem engagierten Mediziner und in Absprache mit Ärztekammer und Gebietskrankenkasse auf einem guten Weg“, sagt Bürgermeister Markus Landauer (ÖVP).

„Versorgung schwierig“

Die Versorgung durch Allgemeinmediziner sehe er in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren als „zunehmend schwierig“, sagt der Vizepräsident der Ärztekammer Burgenland, Michael Schriefl. Denn laut aktuellen Daten der Burgenländischen Gebietskrankenkasse gehen im Burgenland in den kommenden Jahren 60 Prozent der Allgemeinmediziner in Pension.

Rund 50 neue Mediziner müssten sich demnächst in Ausbildung befinden, um künftig die Versorgung mit praktischen Ärzten im Land abdecken zu können, rechnet er vor. Mit Stand Frühjahr seien aber lediglich knapp 30 angehende Allgemeinmediziner in Ausbildung gewesen. „Wir werden damit leben müssen, dass nicht jede freie Stelle besetzt werden kann“, sagt Schriefl.

Mangel? Neue Wege!

In Weppersdorf (Bezirk Oberpullendorf) versucht man, neue Wege zu beschreiten. Auch wenn die praktische Ärztin noch ordiniert, will man gerüstet sein, wenn Frau Doktor in Pension geht. Die Gemeinde würde sogar ein Gesundheitszentrum bauen, bei dessen Errichtung der angehende Gemeindearzt mitbestimmen könnte.

„Die Gemeinde ist auch bereit, dem Arzt mit einer Starthilfe unter die Arme zu greifen“, sagt Vizebürgermeister Karl Degendorfer (SPÖ).

Ärztekammer-Vizepräsident Schriefl sieht das prinzipiell als gute Idee. Einen Arzt, der keinen Bezug zur Gemeinde hat, werde man vermutlich dennoch schwer finden, befürchtet er. „Bei der Besetzung einer Hausarztstelle spielen auch immer persönliche Faktoren eine wesentliche Rolle.“ Ausnahmen gebe es trotzdem: Erst vor Kurzem hat sich ein Arzt aus Salzburg in Pannonien niedergelassen, sagt Schriefl. „Dort, wo es Hausapotheken gibt, ist der Zuspruch auch größer.“

„Ein positiver Schritt“

Den Plan des Landes, fünf Stipendien für ein Medizinstudium an der Danube Private University (DPU) in Krems zu vergeben, mit der Bedingung, dass sich die Absolventen verpflichten, anschließend eine gewisse Zeit im Burgenland tätig zu sein, hält Schriefl für „einen von mehreren positiven Schritten“, um die wohnortnahe ärztliche Versorgung zu gewährleisten. „Man muss aber bedenken, dass das auch eine Vorlaufzeit von bis zu zehn Jahren hat.“

Gute Nachrichten

Gute Nachrichten gibt es hingegen aus Großpetersdorf: Die bisherige Wahlärztin Vera Ranftl, Gattin des ortsansässigen Kassenarztes Günter Ranftl, will die Ordination der scheidenden Ärztin Hayriniso Zawudinova übernehmen. Davor hatte es zwölf (!) Anläufe gebraucht, ehe sich jemand für die Stelle gemeldet hatte.