© Schlögl-Ei

Chronik Burgenland
04/11/2022

Zu hohe Kosten: Keine Eier mehr nach Ostern?

Millionen an Ostereiern werden bei der Firma Schlögl gefärbt. Die Nachfrage ist zwar groß, doch die Kosten für Futter und Energie sind stark gestiegen.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Im Betrieb der Firma Schlögl im mittelburgenländischen Draßmarkt wird jetzt wieder dick aufgetragen. Die Maschinen laufen auf Hochtouren, in mehreren Schichten werden Farben auf die gekochten Hühnereier gesprüht. Rot, Gold, oder Pastellfarben, Pünktchen und Streifen: Die Kreativität beim Färben der bunten Ostereier kennt keine Grenzen.

Die Vorbereitungen für das Osterfest laufen bei Schlögl-Ei, einem der größten Eierproduzenten Österreichs, schon seit Ende Jänner, sagt Geschäftsführer Anton Schlögl. Zu den rund 70 ständigen Mitarbeitern werden rund um Ostern 40 weitere Arbeitskräfte beschäftigt. Rund 15 Millionen Eier werden gefärbt. Dabei wird das Oster-Sortiment jedes Jahr größer und bunter.

Sorgen machen den Produzenten aber die explodierenden Kosten. Teilweise wird sogar überlegt, die Produktion nach Ostern stillzulegen.

Die Nachfrage nach den bunten Eiern sei anfangs etwas verhalten gewesen, „aber seit Mitte März läuft es sehr gut. Die Bestellungen liegen über dem Durchschnitt.“ Auch von der Gastronomie werde wieder mehr bestellt. Der Unternehmer erwartet einen Absatz wie vor Beginn der Pandemie. Doch nicht alles ist so rosig im Geschäft.

„Die Zeiten sind nicht einfacher geworden“, sagt Schlögl – im Gegenteil: Die Preise für die Eierproduktion haben sich drastisch erhöht, die Kosten seien um 30 Prozent gestiegen. „So dramatisch war es noch nie, die Eierproduktion steckt in einer schweren Krise.“

1973 hatte Anton Schlögl den ersten Hühnerstall mit 10.000 Legehennen errichtet. Heute hält er – gemeinsam mit seinem Sohn – 60.000 Legehennen. Es habe sich schon im Herbst abgezeichnet, dass das Getreide teurer werde. Doch mit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine seien auch zwei wichtige Getreideimporteure weggefallen, was die Futterkosten in die Höhe schnellen lasse. Zudem machen auch die stark gestiegenen Energiekosten den Eierproduzenten zu schaffen, sagt auch Juniorchefin Barbara Schlögl, selbst studierte Betriebswirtin. Die hohen Kosten in der Erzeugung würden derzeit vom Handel noch nicht abgedeckt werden, was die Produzenten „an die Grenzen“ bringe.

"Explodierende Kosten"

Die Nachfrage nach Ostereiern sei jedenfalls groß, betont Burgenlands Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich. Gefragt sind vor allem regionale Produkte. Die Nachfrage könne auch von den Landwirten gedeckt werden, so Berlakovich.

Im Burgenland ist die Haltung von Legehennen jedenfalls ein wichtiger agrarischer Produktionszweig, weiß Heinz Schlögl, Obmann der Arbeitsgemeinschaft der Geflügelbauern. Doch auch er berichtet von „explodierenden Kosten für Futter, Energie und andere Betriebsmittel“.

Wie nun zu hören ist, überlegen vor allem konventionelle Eierproduzenten, ihre Ställe nach Ostern wegen zu hoher Kosten leer stehen zu lassen.

Regionale Produkte gefragt

Dass Herkunft und Haltungsform bei Eiern den Konsumenten wichtig sind, das belegt eine aktuelle Motivanalyse der Agrarmarkt Austria (AMA). Auch im Betrieb von Anton Schlögl wächst die Nachfrage nach Eiern aus alternativer Haltung. Etwa jedes zehnte Osterei hat bei ihm  Bio-Qualität, Tendenz steigend. Weil der Bedarf an  Bio-Eiern im Burgenland nicht gedeckt werden könne, hat  Schlögl u. a. Verträge mit Bio-Produzenten  in Niederösterreich und der Steiermark.

Ein burgenländischer Familienbetrieb, der seit 2000 auf Bio umgestellt hat, ist jener von  Karl Jürgen Leeb,  in Baumgarten (Bez. Mattersburg). 6.000 Bio-Legehennen hat der Landwirt, sie legen rund 5.400 Eier pro Tag. Vermarktet  vor allem über einen Zwischenhändler, der sie an Supermärkte vertreibt. Zusätzlich gibt es  einen Ab-Hof-Verkauf.
 Auch Leeb kämpft mit gestiegenen Produktionskosten. Von August 2021 bis jetzt seien die Kosten für Futtermittel um 31 Prozent, jene für Junghühner um 13 Prozent gestiegen. 2,5 bis 3 Cent würden vom Handel mehr bezahlt, doch die Mehrkosten seien dadurch nicht abgedeckt, sagt  Leeb.  

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