"Neue Eisenstädter": Zwei Klubchefs matchen sich im U-Ausschuss
Die Runde der Aufsichtsräte im U-Ausschuss "Neue Eisenstädter" (Nebau) begann am Mittwoch mit dem Vertreter des kleinsten Gesellschafters der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft. Unternehmensberater und ÖVP-Gemeinderat Michael Bieber sitzt seit 2017 für die Freistadt Eisenstadt, die 0,04 Prozent hält, im Aufsichtsgremium der Nebau.
Er habe zuvor 20 Jahre im Bankensektor gearbeitet und sei "zertifizierter Aufsichtsrat", sagte Bieber in seiner einleitenden Stellungnahme um mitzuteilen, dass seine Entsendung "keine politische" sei. Er sei "kein Laie", dem man alles erzählen könne.
Die Sonderprüfung des Landes - die zur Einsetzung eines Regierungskommissärs und letztlich zur mehrheitlichen Übernahme der Nebau durchs Land führte - habe ihn "überrascht", so Bieber. Denn bis dahin hätten weder der jährlich "penibel" prüfende Revisionsverband noch die Landesaufsicht, die Einsicht in alle Unterlagen gehabt habe, "wesentliche Mängel" festgestellt.
Die Ergebnisse der Sonderprüfung des Landes hält er für eine "Privatmeinung" von Anwalt Johannes Zink, für gewichtiger hält Bieber die von der Nebau in Auftrag gegebenen Gegengutachten und die beim Landesverwaltungsgericht anhängige Beschwerde des Revisionsverbandes. Das rief SPÖ-Klubobmann Roland Fürst auf den Plan: Die Behörde habe sich gesetzeskonform eines externen Prüfers bedient, die Ergebnisse seien demgemäß mitnichten eine Privatmeinung.
Überhaupt sprühen zwischen den beiden Klubobleuten immer wieder die Funken. Etwa als Fürst nach der Diversion für einen Mitarbeiter der Nebau im Jahr 2023 fragt (der KURIER hat berichtet, es geht um ein nachträglich hinzugefügtes Angebot im Zuge einer Ausschreibung für Dachdeckerarbeiten). Als Bieber sagt, das sei ihm "nicht erinnerlich", schleudert ihm Fürst entgegen, er sei "komplett unglaubwürdig".
"Kein Thema des Aufsichtsrates"
Der Verkauf von Anlegerwohnungen sei "kein Geschäftsmodell" der Nebau gewesen, meinte Bieber mit Blick auf einen Vorwurf aus der Sonderprüfung. Unter Geschäftsfmodell verstehe er, was aktiv betrieben werde, nicht, was sich so ergebe. Eine Zustimmung des Aufsichtsrates brauche es für den Verkauf nicht. Dass die Nebau ab 2022 damit aufgehört hat, begründete Bieber mit einer entsprechenden "Empfehlung des Revisionsverbandes" für alle Gemeinnützigen, die Einschätzung habe sich einfach geändert.
Philip Juranich von den Grünen verwies darauf dass die Eigentümerbanken, Raiffeisenlandesbank und Erste Bank, 151 von 162 Fremdfinanzierungen abwechselnd übernommen hätten. "Ist das keine Wettbewerbsverzerrung", wollte Juranich wissen. Die Nebau habe stets ausgeschrieben und mehrere Banken eingeladen. Zum Zug sei immer der Bestbieter gekommen, so Bieber.
Die Behauptung eines früheren Geschäftsführers der Nebau, entschieden habe der Aufsichtsrat, die Geschäftsführung sei bloß ein Grüßaugust gewesen, konnte Bieber nicht nachvollziehen: „Der Aufsichtsrat hat sich niemals in operative Angelegenheiten eingemischt“, betonte er.
Am Nachmittag steht der frühere langjährige Aufsichtsratschef Julius Marhold Rede und Antwort. Der KURIER berichtet.
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