Neue Eisenstädter: „Finale Entscheidung traf immer der Aufsichtsrat“
Alexander Langers Abschied von der „Neuen Eisenstädter“ (Nebau) war weder leicht noch freundlich. Nach nur eineinhalb Jahren bei der Nebau, zuerst als Prokurist, dann ein Jahr als Geschäftsführer, wurde er im Jänner 2024 freigestellt (auch seine Co-Geschäftsführerin Angelika Mayer-Handler wurde gegangen). „Ich musste oder durfte alle Unterlagen abgeben“, erinnert sich der gebürtige Südburgenländer am Donnerstag als Zeuge im Untersuchungsausschuss.
Gut zwei Stunden lang steht Langer den Mandataren der vier Landtagsparteien bereitwillig und ausführlich Rede und Antwort und gewährt Einblicke ins Innenleben der Nebau wie keine andere Auskunftsperson vor ihm. Ja, man hat den Eindruck, er möchte nach der bitteren Trennung endlich auch seine Sicht der Dinge erläutern.
Es sei ein „Kulturschock“ gewesen, als er aus der bis ins Kleinste reglementierten Bankenwelt ins System der Gemeinnützigen wechselte. Er wollte eine in „40 Jahren gewachsene Tradition in etwas Neues überführen“, sagt Langer. So habe erst er „dafür gesorgt, dass ein Vier-Augen-Prinzip eingeführt und Unterschriften elektronisch dokumentiert“ worden seien.
Das wahre Machtzentrum der Nebau sei aber der fünfköpfige Aufsichtsrat gewesen, in dem je zwei Vertreter von Raiffeisenlandesbank und Erste und einer der Stadt Eisenstadt saßen. Die Geschäftsführung konnte nur bis 5.000 Euro selbst entscheiden, ansonsten habe der Aufsichtsrat „final“ Entscheidungen getroffen. Konkret habe die Geschäftsführung dem Aufsichtsrat Projekte empfohlen und erst nach dessen Sanktus konnten Langer und seine Co-Geschäftsführerin die Verträge unterschreiben.
Warum sich die Wege der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft und von Langer getrennt haben, erfährt die Öffentlichkeit freilich nicht.
Denn zwei Mal verlangt Langer nach Fragen von Christian Drobits (SPÖ) den Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst wollte Drobits wissen, ob es „Unregelmäßigkeiten“ gab und dann, ab welchem Zeitpunkt Langer „das Gefühl hatte, nur mehr zum Auf- und Zusperren“ in der Nebau zu sein.
Langers Antworten, die insgesamt keine zehn Minuten dauern, hören nur die Mitglieder des U-Ausschusses, aber nicht die Medienöffentlichkeit.
Davor und danach nimmt sich der frühere Banker der Erste Bank kaum ein Blatt vor den Mund. Zu den beiden Hauptvorwürfen aus dem Sonderprüfbericht des Landes, der nicht nur den Anstoß zum U-Ausschuss, sondern auch zur Übernahme der Nebau durchs Land gab, hat Langer eine klare und pointierte Meinung.
Dass fast immer die beiden früheren Eigentümerbanken, Raiffeisenlandesbank und Erste, zum Zug kamen, sei „nicht unlogisch“. Es sei klar, dass die Banken an ihr Tochterunternehmen Nebau Kredite zu „ganz anderen Konditionen vergeben konnten als ein Dritter“. Die Nebau hätte sich „selber sabotiert, wenn sie Kredite anderer Banken zu schlechteren Bedingungen“ aufgenommen hätte, so Langer. Deshalb verstehe er auch den Vorwurf des Landes nicht, wonach die Mieten, die auch von den Zinsen abhängen, zu hoch seien.
Was den Verkauf von Anlegerwohnungen betrifft - die es in seiner Amtszeit nicht gegeben habe -, kann Langer zwar nachvollziehen, der Verkauf die Eigenmittel der Nebau erhöhe, aber „volkswirtschaftlich oder moralisch“ schaue das anders aus. Langers Gedankengang: Wenn es das gemeinnützige Unternehmen selbst nicht schaffe, eine Wohnung zu vermieten, ein privater Anleger damit aber kein Problem habe, sei die Schlussfolgerung: Die Wohnbaugesellschaft muss sich mehr anstrengen.
Weiter geht es übernächste Woche.
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