© Sopron-Neusiedler Tourismusentwicklung

Chronik Burgenland
08/03/2019

Mega-Projekt am Neusiedler See: Ungarn von Protest unbeeindruckt

Nachbarland weist Kritik an touristischem Megaprojekt zurück: "Welterbe ist dadurch nicht in Gefahr“ - und verweist auf Österreichs Ufer.

von Michael Pekovics

Das von der ungarischen Regierung geplante Tourismusprojekt am Neusiedler See sorgt seit Wochen für Kritik von Naturschützern, die um den Status Weltkulturerbe fürchten. Béla Kárpáti, Generaldirektor der Sopron-Neusiedler Tourismusentwicklung Nonprofit AG, verteidigt die 75 Millionen Euro teure Investition und verweist auf ähnliche Projekte in Österreich: „Auch hier wurde Ungarn nicht informiert.“ oder wirtschaftlich motivierten Interessensgruppen.

KURIER: Welche konkreten Pläne verfolgt Ungarn am Ufer des Neusiedler Sees?

Béla Kárpáti: Das Projekt Sopron-Fertö Hafen- und Strandbereich ist das größte touristische Projekt des Landes und wird zu 100 Prozent von der Regierung finanziert. Das Ziel ist, das in den 1970er-Jahren künstlich entstandene Erholungsgebiet bei Fertörákos zu erweitern und an das Niveau österreichischer Badeanlagen anzupassen, um so eine Anlage mit touristischer Anziehungskraft zu entwickeln.

Bei der Planung haben wir uns ein Beispiel an österreichischen Stränden genommen. Es gibt keinerlei grenzüberschreitende Auswirkungen auf das Welterbe oder die Umwelt, so wie das auch bei österreichischen Projekten nicht der Fall war. Ungarn ist all seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen.

In welchem Zeitraum soll das Projekt fertiggestellt sein?

Wir rechnen mit der vollständigen Umsetzung in den kommenden zwei bis drei Jahren.

Was wurde bisher gemacht, was steht noch an?

Gemäß den vorliegenden Umwelt- und Naturschutzbewilligungen werden Vorbereitungsarbeiten erledigt – wie etwa Sammlung und Abtransport der über die Jahre angehäuften illegalen Abfälle, Entfernung der schädlichen und invasiven Holz- und Kräutergewächse sowie die Schilfernte. Die Ausschreibung der Erdarbeiten wird gerade vorbereitet.

Was sind die Pläne für die „Häuser im See“ (Pfahlbauten, Anm.)?

Diese Häuser stehen rechtlich auf Pachtgrund, entsprechen aber nicht den gültigen Umwelt- und Brandschutzvorschriften. Wir sind in ständigem Kontakt mit den Pächtern, rechtswidrige Handlungen zum Nachteil der Benutzer werden unterlassen.

Warum gab es bisher nur spärliche Informationen für die österreichischen Behörden?

Das ist nicht korrekt. Unsere österreichischen Partner wurden informiert, die österreichisch-ungarische Gewässerkommission wurde ebenso mit dem Fall befasst wie die beiden Direktoren des Nationalparks – hinsichtlich Naturschutz wurden keine Bedenken geäußert. Ungarn hat sich an alle in internationalen Abkommen vorgeschriebenen Verpflichtungen gehalten. In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass die derzeitige Projektentwicklung in Ungarn in keinster Weise von Projekten an österreichischen Stränden abweicht. In den vergangenen zehn Jahren war es bei Projekten in Österreich nicht üblich, die ungarischen Partner darüber zu informieren.

Update: Nach der Veröffentlichung des Interview meldete sich Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner und widerspricht der Aussage Kárpátis: "Ich habe ihm gesagt, dass eine Bewertung nur dann möglich ist, wenn mehr Informationen zum Projekt vorliegen. Anfang September gibt es einen Termin mit ungarischen und österreichischen Verantwortlichen."

Verstehen Sie die Befürchtungen, dass der Status Welterbe verloren gehen könnte?

Wenn die touristische Entwicklung in Österreich das Welterbe nicht gefährdet, wird das auch in Ungarn nicht der Fall sein. Am ungarischen Ufer des Neusiedler Sees, das immer touristisch genutzt wurde, passiert nichts anderes, als dass die Mängel der vergangenen 30 Jahre behoben werden. Keine einzige Prüfung des aktuellen Projekts kommt zum Schluss, dass der Status Welterbe gefährdet sein könnte.

Wie können Sie garantieren, dass das Mega-Projekt keine negativen Auswirkungen auf Natur und Umwelt haben wird?

Das Projekt verfügt über eine rechtskräftige Umweltschutzgenehmigung und wird in enger Abstimmung mit dem Fertö-Hansag-Nationalpark umgesetzt. Die Arbeiten werden von einem Umweltschutzmonitoring begleitet, um den Schutz der Umwelt zu gewährleisten.

Warum gab es bisher kaum Bürgerbeteiligung?

Mehrere Vereine wurden vorab um Stellungnahmen gebeten, es gab mehrere öffentliche Informationsveranstaltungen. Die Kritik am Projekt kommt von Einzelinitiativen oder von politisch