© Koglbauer Claudia

Chronik Burgenland
07/06/2021

Krebs am Arbeitsplatz: „Wie alle sechs Jahre Pandemie“

AK und ÖGB fordern Maßnahmen im Umgang mit giftigen Stoffen.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Immer wieder hat der Elektronik-Konzern Becom in den vergangenen Jahren am Firmenstandort Hochstraß (Bezirk Oberpullendorf) investiert: Nicht nur in räumliche Erweiterung, technologischen Fortschritt und nun auch in Fotovoltaik-Anlagen wurden und werden Millionen Eurobeträge gesteckt. Auch die Gesundheit der 325 Mitarbeiter habe oberste Priorität, kommentiert der Präsident der Arbeiterkammer (AK) Burgenland, Gerhard Michalitsch, einen entsprechenden Bericht des Arbeitsinspektorats. Doch nicht in allen Betrieben sei man mit dem Schutz der Arbeitnehmer zufrieden sowie in der Becom.

Vor allem in jenen Unternehmen, in denen mit krebserregenden Stoffen gearbeitet wird, gebe es eine „Aufholbedarf“ zum Schutze der Beschäftigten. „1.800 Österreichern kostet der zu geringe Schutz vor diesen giftigen Stoffen jedes Jahr das Leben. Das ist rechnerisch, als gäbe es alle sechs Jahre eine Pandemie“, erklärt Michalitsch.

Gemeinsam mit ÖGB-Landesvorsitzenden Erich Mauersics und dem südburgenländischen AK-Juristen und Nationalrat Christian Drobits macht er sich für die Initiative „Stopp dem Krebs am Arbeitsplatz“ stark. SPÖ-Abgeordneter Drobits und sein Kollege im Nationalrat, Rudolf Silvan (SPÖ-NÖ), haben die Petition ins Leben gerufen. Weil er als AK-Jurist im Burgenland schon des Öfteren mit Berufskrankheiten zu tun gehabt habe, sei es ihm ein Anliegen, sich zuerst in seinem Heimatbundesland um Unterstützung zu bemühen, erklärt Drobits. Konkret gehe es in der Petition um eine betriebliche Gesundheitsvorsorge, Maßnahmen in der Vorsorge und um „zeitgemäße Grenzwerte für gesundheitsschädigende Arbeitsstoffe“.

Betroffene Branchen

„Die entsprechenden Grenzwerte wurden teilweise seit Jahren nicht aktualisiert“, kritisiert Michalitsch. Betroffen seien unterschiedliche Branchen – von der Chemieproduktion, der Metallverarbeitung, dem Baugewerbe bis hin zu Gesundheitsberufen und den Friseuren.

Weil es im Fall einer Berufserkrankung aber auch um existenzielle Fragen gehe, fordert ÖGB-Leiter Mauersics von der Bundesregierung zudem Anerkennung für insgesamt 80 statt bisher 53 Berufskrankheiten.

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