Gesundheitstalk im Van-Swieten-Saal der MedUni Wien.

© Kurier/Jeff Mangione

Gesundheitstalk
09/30/2019

Was Krebsforscher derzeit so zuversichtlich macht

Gesundheitstalk: Onkologen sind wegen neuer Therapiemöglichkeiten optimistisch, warnen aber auch vor unrealistischen Erwartungen.

von Ernst Mauritz, Jeff Mangione

„Ich habe heute einen Patienten gesehen, den ich seit fünf Jahren betreue. Sein Melanom (schwarzer Hautkrebs) streute damals bereits in das Gehirn aus“, schilderte Matthias Preusser, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie von MedUni / AKH Wien. Damals bekam der Mann vier Infusionen und eine Immuntherapie (macht den Tumor für das Immunsystem besser erkennbar): „Er hat mir heute erzählt, wie er in seinem Garten arbeitet. Das grenzt an ein Wunder.“

Preusser war einer der Podiumsgäste beim Gesundheitstalk „Die Zukunft der Krebsmedizin“ von KURIER, MedUni Wien und Novartis im Van-Swieten-Saal der MedUni Wien. Der Onkologe betonte aber auch: „Solche Erfolge gibt es nicht bei jedem Patienten, aber doch in gewisser Regelmäßigkeit.“

„1970 sind 50 Prozent aller Patienten mit einer Krebserkrankung innerhalb eines Jahres verstorben. 2014 überlebten 50 Prozent aller Krebspatienten mehr als zehn Jahre“, sagte der Onkologe Richard Greil, Vorstand der Uni-Klinik für Innere Medizin III in Salzburg und Leiter des Krebsforschungszentrums SCRI (Salzburg Cancer Research Institute). Der Anteil der Menschen, die nur ein Jahr nach der Diagnose überleben, ist unter ein Prozent gesunken. „Die Zahl der Menschen, die 15 Jahre überleben, ist hingegen stark gestiegen“, betonte Greil.

Wesentliche Fortschritte

„Die Krebsmedizin hat sich in allen Bereichen extrem weiterentwickelt“, unterstrich Preusser. Derzeit gebe es mit neuen Therapieformen ganz wesentliche Fortschritte, „aber auch in der Diagnostik, der Früherkennung – früher gab es kein CT und kein MRT – und in der Charakterisierung des Gewebes“.

75 Prozent der derzeitigen Fortschritte seien auf die neuen medikamentösen Tumortherapien zurückzuführen, sagte Greil. Mit dem Begriff der „personalisierten Medizin“ sei heute gemeint, dass man das genetische Profil – oder auch das Profil der Signalübertragung in den Tumorzellen – analysiere. Danach werde die Therapie – so weit heute schon möglich – individuell darauf abgestimmt.

Großen Bedarf gebe es bei der Patienteninformation, sagte Anita Kienesberger, Geschäftsführerin der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe: „Diejenigen, die im Rahmen einer Studie ein neues Medikament bekommen, die sind sehr gut aufgeklärt.“ Andere hätten oft das Gefühl, sie erfahren mehr über die Medien: „Man muss aber aktiv auf die Menschen zugehen und ihnen sagen: Es wird niemandem etwas vorenthalten und es gibt ganz klare Entscheidungskriterien, wer welche Therapie bekommt.“

"Erwartungshaltung"

„Gerade im Internet wird oft viel Hoffnung geweckt“, ergänzte Preusser: „Daraus entsteht eine gewisse Erwartungshaltung. Aber es ist schon so, dass diese Therapien nicht bei jedem Patienten und nicht bei jeder Tumorerkrankung wirken.“ Und neue Medikamente wie die zielgerichteten Therapien oder Immuntherapien seien – abhängig von der Diagnose – auch nicht bei jedem Patienten sinnvoll. „Da muss man umfassend aufklären – etwa mit unserer Cancer School.“

Auch Richard Greil setzt mit seiner Initiative „Wir besiegen Krebs“ auf Aufklärung. Er verwies auf die große Bedeutung klinischer Studien mit neuen Medikamenten: „Patienten, die an solchen Studien teilnehmen, leben länger.“ Insgesamt überleben Patienten häufiger und länger, wenn an ihren Spitälern klinische Studien durchgeführt werden. Da diese aber sehr aufwendig sind, sind sie nur an wenigen großen Zentren möglich. Und auch Kienesberger betonte: „Die Qualität, die heute die Therapie und Versorgung von Krebspatienten benötigt, kann man nicht in kleinen Zentren zur Verfügung stellen.“

Vision für 2050

Verbesserungen gebe es aber auch bei den unterstützenden Therapien für mehr Lebensqualität, sagte Greil: „Insbesondere bei den Medikamenten, die gegen Übelkeit und Brechreiz gerichtet sind.“

Greil hat die Vision, dass bis 2050 kein Mensch in Österreich mehr an Krebs sterben soll: „Man muss sich attraktive Ziele setzen, sonst wird man nichts erreichen.“ Auch Preusser ist optimistisch: „Ich bin mit Leib, Seele und Herz Onkologe – weil wir in einer Zeit leben, wo wir fast täglich, wöchentlich monatlich mit großen Fortschritten konfrontiert sind.“

Initiativen für Forschung und Patienten

Krebsforschungslauf Am Samstag, 5. 10., findet von 10 bis 14 Uhr der 13. Krebsforschungslauf der MedUni Wien am Unicampus Altes AKH statt. Die Startspende (20 Euro) und alle weiteren eingenommenen Spenden fließen in Krebsforschungsprojekte der MedUni Wien. www.meduniwien.ac.at/krebsforschungslauf

Cancer School Vorträge in leicht verständlicher Weise, Workshops und Exkursionen bietet ab 9. 10. die „Cancer School CCC Vienna“, ein Krebsfortbildungsprogramm des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni  / AKH Wien für alle Interessierten. www.ccc.ac.at/cancerschool

„Wir besiegen Krebs“ Diese Initiative des Salzburg Cancer Research Institute (SCRI) unter der Leitung des Onkologen Richard Greil hat die Vision, dass im Jahr 2050 in Österreich kein Mensch mehr an Krebs sterben soll. Auch das SCRI ist auf Spenden angewiesen. https://wir-besiegen-krebs.at/

 

Kranke Kinderseele Der nächste Gesundheitstalk von KURIER, MedUni Wien und Novartis findet am 16.10. zum Thema „Was die Kinderseele krank macht und wie wir helfen können“ statt. Einer der Podiumsteilnehmer wird Paul Plener,  Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie von MedUni / AKH Wien, sein.

Veranstaltungsort Van-Swieten-Saal der MedUni Wien, Van-Swieten-Gasse 1a (Ecke Währinger Str.), 1090 Wien, 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.