© Roland Pittner

Chronik Burgenland
03/04/2021

Kellerstöckl: "Idylle am Weinberg ist gefährdet"

Neue Baurichtlinie bringt teils strengere Regeln für neue Weinkeller, aber es darf nun auch größer gebaut werden. Einige Gemeinden kritisieren die geplanten Vorgaben des Landes.

von Roland Pittner

Keine Glasbausteine, keine ortsuntypischen Verzierungen auf Holzbalken und der Fassadenputz ist in Weiß zu halten. Pools, Trampoline und Zäune sind am Weinberg künftig ebenso verboten.

Die neue Richtlinie des Landes für Weinkellergebäude regelt ganz genau, was zwischen Rechnitz und Heiligenbrunn möglich ist – von der Dachneigung bis hin zur Form der Fenster. Grundvoraussetzung für alle Neu- und Umbauten im Südburgenland ist ein Weingarten, der bewirtschaftet wird.

„Wenn diese Richtlinie umgesetzt wird, ist es mit der Idylle auf unserem Weinberg vorbei“, sagt ÖVP-Bürgermeister Norbert Sulyok aus Kohfidisch. Er sieht vor allem die neu definierten maximal bebaubaren Flächen als zu groß für das Weinbaugebiet Csaterberg. „Bis jetzt hatten wir maximal 35  Quadratmeter Nutzfläche, jetzt sind es 60  Quadratmeter und bis zu drei Ebenen“, sagt Sulyok. So könnten bis zu 180 Quadratmeter Fläche pro Weinkeller genutzt werden und noch dazu eine Laube mit 25 Quadratmeter.

 

Es sei ein Problem für die Kleinstrukturiertheit des Weinbaugebiets mit 270 Kellerstöckl. „Bis jetzt haben keine 10 Prozent mehr als 40  Quadratmeter Nutzfläche“, meint Sulyok.

Er kritisiert die Vorgehensweise des Landes. Denn im Juni 2020 wurde darüber mit den Gemeinden verhandelt, „jetzt neun Monate später haben wir den Entwurf bekommen und unsere Anliegen werden nicht berücksichtigt“, meint Sulyok.

Sein Amtskollege von der SPÖ in Rechnitz, Martin Kramelhofer, will sich noch nicht zur neuen Ordnung äußern. „Für Rechnitz passt es noch nicht so richtig“, meint er. Im Büro des zuständigen Landesrats Heinrich Dorner versteht man die Problematik nicht: „Es waren alle Gemeinden in den Entscheidungsprozess eingebunden.“

Die Richtlinie soll jedenfalls in den nächsten Wochen im Land beschlossen werden. Außerdem braucht es Gemeinderatsbeschlüsse in den Orten, damit sie in Kraft tritt.

Die Kellerstöckl erfreuen sich bei Touristen großer Beliebtheit, aber auch bei Ruhesuchenden, die die Idylle am Weinberg schätzen. Am Csaterberg gibt es viele Neubauprojekte, ebenso wie in Eberau. Hier ist Bürgermeister Johann Weber von der ÖVP froh, über die Anhebung der Nutzfläche. „Die Kellerstöckel erleben ja gerade eine Renaissance und sind sehr gefragt“, sagt Weber.

Er findet, dass die Richtlinie genügend Vorgaben macht, um einen Wildwuchs an Weinkellern zu verhindern. „Der Charakter des Südburgenlandes bleibt so erhalten“, meint der Ortschef.

In Deutsch Schützen ist ÖVP-Bürgermeister Franz Wachter mit der Kellerrichtlinie ebenfalls zufrieden. „Für uns war es überraschend, dass sie im gesamten Südburgenland gilt und nicht nur in den Weinbaugebieten“, sagt er.

Doch sie gilt nicht im ganzen Südburgenland. Ein Dorf ist ausgenommen, Heiligenbrunn mit seiner historischen Kellergasse und den strohgedeckten Bauten. „Wir haben hier ein Kulturdenkmal und das wollen wir so erhalten“, sagt ÖVP-Bürgermeister Johann Trinkl.

 Kellerstöckl locken Touristen   auch in Krisenzeiten 

Die Kellerstöckl  versprühen einen besonderen Charme, seit einigen Jahren wollen diesen auch immer mehr Touristen erleben.   Viele Besitzer haben ihre Weinkeller zu Ferienwohnungen umgebaut. Die einzigartigen Unterkünfte decken ein breites Spektrum ab – von urig bis exklusiv, die Idylle der Weingärten ist inklusive.   
„Im Frühjahr 2020 haben wir trotz Lockdown 30 Prozent mehr Anfragen fürs Südburgenland gehabt“, sagt Tourismusmanager Harald Popofsits. 

In den rund 100 Kellerstöckl im Südburgenland sind in einem normalen Jahr  bis zu  20.000 Nächtigungen möglich. Die Nachfrage steigt und Touristiker  erhoffen sich  in den nächsten Jahren eine Verdoppelung der Kapazitäte. Neben Neubauprojekten setzt das Land Burgenland vor allem auf die Förderung von Umbauten von bestehenden Weinkellern.

Förderung  

Investitionen in touristisch genutzte Kellerstöckl von mindestens 5.000 Euro  und maximal 60.000 Euro  werden mit  40 Prozent gefördert.   „Viele haben das schon genutzt. Das ist wirklich ein gutes Geschäftsmodell und wir bräuchten noch mehr Kapazitäten“, sagt  Popofsits. Ziel ist die Etablierung als Ganzjahresdestination, dazu braucht es mehr Angebot in den Wintermonaten.  „So wollen wir die Saison verlängern“, sagt Popofsits.
www.weinidylle.at

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