Chronik | Burgenland
06.11.2018

Kein Umarmen, kein Kuss: Wann Regeln für Schüler sinnvoll sind

Vorschriften an Schulen: Laut Expertin ist Mitsprache der Jugendlichen wichtig

Keine Bauchfreien Shirts, Hot Pants oder Küsse? An Schulen gibt es immer wieder Anordnungen von Direktoren, die das Verhalten oder die Kleidung der Schüler regeln sollen.

Nachdem nun auch die Neue Mittelschule des Theresianum Eisenstadts Umarmungen in den Pausen nicht gerne sieht, hat der KURIER bei Schulen nachgefragt, die durch ähnliche Verhaltensregeln Blicke auf sich gezogen haben. So etwa die oberösterreichische Schule in Gunskirchen, die mit einem Elternbrief 2008 für Aufsehen sorgte: Lange Küsse auf dem Schulgelände waren vom damaligen Direktor Biermair nicht erwünscht. Trotzdem sprechen Direktoren nicht gerne von einem „Verbot“. Wie auch Biermairs Nachfolger und jetziger Schulleiter Sven Daubenmerkl: Es sei nie ein Verbot gewesen.

Mitreden ist wichtig

Aus psychologischer Sicht sind Vorschriften an Schulen auf jeden Fall sinnvoll, auch jene, die das Verhalten oder die Kleidung regeln. „Die Schulzeit ist eine Zeit für Selbstfindung und um Opposition zu zeigen. Es braucht in diesem Alter Regeln, um Grenzen auszutesten und sich selbst einordnen zu können,“ sagt Barbara Schober, Dekanin der Fakultät für Psychologie der Uni Wien.

Zwei Prozesse bei einer neuen Regelaufstellung seien laut Schober allerdings elementar: Warum gibt es diese Vorschrift und wie können sich Schüler an der Regelvereinbarung beteiligen? „Die Schüler müssen das Gefühl bekommen, dass sie vom ersten Moment als gleichgestellte Gegenüber abgeholt werden und mitdiskutieren dürfen“ erklärt die Expertin. Außerdem müsse man erklären, dass „diese Regel nicht willkürlich aufgestellt wird, sondern es einen Grund dafür gibt“.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Tourismusschule Bad Gleichenberg, die den Schülern in ihrer Campus- und Schulordnung ebenso bestimmte Regeln setzt: Frisuren und Bärte der Schüler sollen „gepflegt und eher kurz“ sein und es gäbe eine „bedingungslose Schulkleidung“, sprich eine schwarze Hose. Grund dafür sei „die Vorbereitung für das Berufsleben“. Der Maßnahmenkatalog wird dort allerdings zweimal jährlich gemeinsam mit Eltern und Schülern besprochen und gegebenenfalls adaptiert. „Die Schüler brauchen unbedingt ein Warum und ein Mitspracherecht,“ weiß Schulleiter Peter Kospach.

-Linda Goldsteiner

Video: Umarmungsverbot im Theresarium