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Chronik Burgenland
05/01/2022

Industrie im Burgenland blickt mit großer Sorge in die Zukunft

IV-Manfred Gerger zur Konjunkturumfrage in Zeiten von Corona und Krieg. Fest steht: Die Betriebe sind alarmiert.

von Thomas Orovits

Burgenlands Industriebetriebe blicken sorgenvoll in die Zukunft. Laut Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) mit rund 120 Mitgliedsbetrieben zum ersten Quartal 2022 bewerten nur noch 14 Prozent der heimischen Betriebe die Geschäftslage als gut. Im 4. Quartal 2021 waren es noch 60 Prozent gewesen. Am anderen Ende der Skala beurteilen 33 Prozent die Lage als schlecht, vor ein paar Monaten waren nur 16 Prozent pessimistisch.

„Das ist die schwärzeste Entwicklung, die ich je erlebt habe“, kommentiert IV-Präsident Manfred Gerger die gegenwärtige Lage. „Mehrere Faktoren“, so der aus der Automobilbranche kommende Gerger, seien für die triste Stimmung verantwortlich: Die Nachwirkungen von Corona seien noch nicht verdaut gewesen, als mit dem Krieg in der Ukraine steigende Energiepreise und Inflation Einzug hielten.

Papierindustrie

Besonders betroffen seien energiegetriebene Branchen wie die Papierindustrie oder auch Pkw-Zulieferbetriebe. Weil Lieferketten unterbrochen seien, fehle diesen manchmal nur eine Komponente, um ihre Produkte finalisieren und absetzen zu können.

Arbeitskräfte gesucht

Stark eingetrübt ist in der aktuellen IV-Umfrage auch die Beurteilung des derzeitigen Auftragsbestandes. 45 Prozent (2021: 68 Prozent) der befragten Unternehmen sprechen von guten Auftragsbeständen, 17 Prozent (2021: 9 Prozent) sehen schwarz.

Für Lichtblicke sorgen die als konstant eingeschätzten Auslandsaufträge und die trotz aller Widrigkeiten ungebremste Bereitschaft der Industrie, qualifiziertes Personal einzustellen. Das kann auch Gerger selbst bestätigen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Gerger Industrial Holding GmbH sucht drei bis vier Entwicklungsingenieure. Trotz mehrmaliger Ausschreibungen sind die Stellen aber immer noch unbesetzt.

Das Stillen der Nachfrage nach Fachkräften bleibe „eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte“, ergänzt IV-Geschäftsführerin Ingrid Puschautz-Meidl.

Von der Bundesregierung erwartet die IV „Strompreiskompensation, Abschaffung der kalten Progression und Senkung der Lohnnebenkosten“. Puschautz-Meidl: „Ohne rasche Gegenmaßnahmen besteht die Gefahr, dass viele Unternehmen ihre Produktion herunterfahren oder auslagern müssen“.

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