© Tierschutzhaus Sonnenhof

Chronik Burgenland
06/02/2021

Illegaler Welpenhandel: Skrupelloses Geschäft mit Tieren boomt

In Zeiten von Corona werden Tiere immer öfter zur Schmuggelware. Unseriöse Händler gehen meist sehr professionell vor, der Betrug ist oft schwer zu durchschauen.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Die Welpen, die auf einem osteuropäischen Onlineportal angeboten werden, sind herzallerliebst. Treuherzig blicken sie in die Kamera. Mehr als ein Dutzend verschiedener Rassehunde werden hier offeriert. Der Preis pro Hund liegt zwischen 800 und 1.500 Euro. Impfpass und Chip sind inkludiert. Bei Interesse, so heißt es, würden die Tiere ins Haus geliefert.

Bei so einem Angebot schrillen bei Veronika Weissenböck die Alarmglocken. Die Mitarbeiterin der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ kennt sämtliche Tricks im illegalen Handel mit Tieren. „Sobald mehr als eine oder zwei Hunderassen von einem Züchter verkauft werden, kann man davon ausgehen, dass das unseriös ist.“

Erst dieser Tage wurde am Grenzübergang Nickelsdorf ein illegaler Tiertransport aus der Ukraine gestoppt. Die neun Welpen unterschiedlicher Rassen sollen von Abnehmern in Amsterdam bestellt worden sein.

Gewinnträchtig

Für insgesamt 500 Euro, so die Angaben von Fahrer und Beifahrer, hätten sie die Welpen selbst erworben. Laut Finanzministerium sei der Wert der Tiere „monetär mit rund 15.000 Euro zu bemessen“. Die Hunde wurden beschlagnahmt und vorerst im Tierschutzhaus Sonnenhof in Eisenstadt untergebracht.

"Viel zu jung"

„In letzter Zeit kommen die Abnahmen illegaler Tiertransporte gehäuft vor“, sagt Sonnenhof-Leiter Wolfgang Böck. Die Jungtiere seien oft in schlechtem Zustand und mit drei bis vier Wochen viel zu jung, um von der Mutter getrennt zu werden.

Vor allem für kleine Hunde mit einem Gewicht von 300 bis 400 Gramm sei so ein Transport lebensbedrohlich,sagt Böck.

Im Tierschutzhaus Sonnenhof in Eisenstadt  werden derzeit 30 Hunde aus illegalen Transporten versorgt.
Die Tiere müssen zunächst auf Quarantäne-Stationen untergebracht werden
www.sonnentiere.at

Die Tierschutzorganisation kämpft gegen die „Welpenmafia“ und fordert
u. a. strengere Regeln für den Tierhandel im Internet
www.vier-pfoten.at

129 Tiere hat der Zoll im ersten Quartal 2021 von Schmuggelfahrten beschlagnahmt. Im Jahr 2020 waren es insgesamt 226 Tiere.
In Deutschland  etwa hat sich die Zahl der beschlagnahmten Welpen laut Vier Pfoten  im ersten Quartal verfünffacht.

Die Welpen stammen häufig aus Osteuropa, wo die Muttertiere „wie am Fließband“ neue Welpen austragen müssen. Was zähle, sei das schnelle Geld. Schon um zehn Euro würden unseriöse Händler Welpen in Ungarn kaufen können, der Hund wird dann wiederum um bis zu 1.500 Euro an seine neuen Besitzer "geliefert".

Bestellung per Mausklick

Einen gewissenhaften Züchter könne man zu Hause besuchen und dort das Muttertier und die Welpen in Augenschein nehmen, sagt Weissenböck. Eine Anbahnung des Tierverkaufes über das Internet sei meist skeptisch zu betrachten. Doch gerade in Zeiten der Pandemie sei die Sehnsucht nach einem tierischen Begleiter groß, die Bestellung des gewünschten Tieres per Mausklick einfach durchzuführen.

Laut Zollbehörden wurden im ersten Quartal 2021 bereits mehr als halb so viele Tiere beschlagnahmt wie im gesamten Vorjahr.

Professionelle Maschinerie

Während Hundewelpen noch vor ein paar Jahren aus dem Kofferraum heraus verkauft wurden, gehen skrupellose Händler heute professioneller vor. „Da steckt eine ganze Maschinerie dahinter“, sagt Weissenböck. Oftmals seien Stammbaum und Impfpass gefälscht. Für Laien sei die Echtheit der Dokumente kaum zu erkennen.

Neben dem Leid der Tiere käme nach so einem Tierkauf auch für die neuen Besitzer oft schnell die Ernüchterung. Denn neben den physischen Beschwerden gebe es immer wieder Verhaltensauffälligkeiten bei den Junghunden.

Weissenböck rät, sich bei Interesse an einem Hund an ein Tierschutzhaus zu wenden oder sich vorher vom Tierarzt beraten zu lassen. Auf Hundekäufen im Internet, so appelliert auch Böck, sollte man verzichten.

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