© Landestierschutz Burgenland

Chronik Burgenland
01/06/2022

Hunde „online shoppen“: Tierheime warnen

Der Trend, sich den besten Freund liefern zu lassen, steigt. Bereiten die Vierbeiner Probleme, landen sie u. a. im Tierheim. Eine Betreiberin warnt, dass das System bald kollabieren könnte.

Im Tierheim Parndorf steht das Telefon selten still. „Ich hatte heute bereits vier Anrufe von Leuten, die ihren Hund bei uns abgeben möchten“, sagt Claudia Herka. Die Veterinärmedizinerin und Tierheim-Leiterin berichtet dabei aber nicht von Tieren, die unter dem Christbaum „gelegen“ seien. „Die sogenannten Weihnachtsgeschenke kommen im Regelfall erst Tage nach dem Dreikönigsfest.“

Es handle sich bei den unerwünschten Vierbeinern vornehmlich um Hunde, die sich schon länger in der Obhut ihrer Besitzer befänden und nun durch diverse Verhaltensauffälligkeiten – wie Schnappen – lästig geworden seien, berichtet Herka.

In den rund eineinhalb Jahrzehnten, in denen sie den Tierschutzverein leitet, habe sich sehr viel geändert. Früher habe es rund ein Dutzend Tierheime in Österreich gegeben und dazu einige Züchter. Heute würden die Haustiere immer öfter aus Online-Katalogen von Anbietern aus dem Ausland bezogen, die Tiere vor die Haustür bringen. „Der Lieferdienst ist in – auch bei den Haustieren.“

„Funktioniere“ das Tier nicht wie erhofft, so werde immer öfter versucht, es in Tierheime abzuschieben. „Einen Hund, der lieb und brav ist, denn kann man leicht vermitteln. Schwierige Hunde sind kaum bis gar nicht vermittelbar.“

„Das tägliche Brot“

Die Abgabe von Tieren ist auch „das tägliche Brot“ im Landestierschutzhaus Sonnenhof in Eisenstadt, wie Leiter Wolfgang Böck berichtet. „Das ist ein Problem, das von Jahr zu Jahr zunimmt.“

Oft seien die Probleme mit dem verhaltensauffälligen Hund, der scheinbar grundlos die Zähne fletscht, „hausgemacht“. Es komme immer häufiger vor, dass sich Besitzer nicht ausreichend um ihre Haustiere kümmern würden bzw die Beschäftigung fehle. Das sei ein Phänomen der schnelllebigen Zeit, nennt Veterinärmediziner Böck einen Grund für die Entwicklung.

Auch den Welpen- bzw. Tierhandel in der virtuellen Welt sieht er als größer werdende Herausforderung. Leute, die Haustiere übers Internet shoppen und sich dann liefern ließen, fehle oft „ein gewisses Grundverständnis“.

Auf einer Plattform beispielsweise, die auch Hunde nach Österreich „liefert“, sind entzückende Welpen der unterschiedlichsten Rassen zu sehen.

„Lieferung“ nach Hause

Ausgestattet mit EU- und Impfpass sowie mit einem Chip versehen – so wird es versprochen – erfolgt die „Lieferung“ der Tiere aus dem Ausland zum Wunschtermin des Käufers. Kostenpunkt: zwischen 700 und 1.500 Euro. Der hohe Preis und die angebotenen Leistungen mancher Händler würden Seriosität suggerieren, erklärt Böck. Das sei besonders unverfroren, denn immer wieder komme es vor, dass Stammbaum und Impfpass gefälscht seien.

Für Laien sei die Echtheit der Dokumente meist schwer zu erkennen. Das Problem sei aber vor allem, dass etliche der Tiere schwer krank seien, viel zu früh von der Mutter getrennt wurden oder aus Qualzuchten nach Österreich kämen. Für skrupellose Händler ein äußerst gewinnbringendes Geschäft.

Schwer krank

Oft währe die Freude über die Tiere aus dem Online-Katalog nicht lange: Neben den für Hunde lebensbedrohlichen Krankheiten wie u. a. Tollwut oder Parvovirose kämen eben manchmal auch psychische Auffälligkeiten, mit denen die Besitzer nicht zurechtkämen.

Sowohl Böck als auch Herka appellieren, sich für die Anschaffung eines Haustieres Zeit zu nehmen, sich im Tierheim oder beim Züchter vor Ort zu erkundigen. Denn, so befürchtet Herka, könnten die Tierheime ob dieser Entwicklung bald aus allen Nähten platze und das System – in Bezug auf den Tierschutz – in Österreich “kollabieren“.

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