Doskozil nach Kehlkopf-OP: "Befreiung" nach jahrelanger Erkrankung

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wurde im Uniklinikum Leipzig erfolgreich operiert. Die Operation soll langfristige Lösung bringen.
Ein Mann im blauen Anzug spricht gestikulierend an einem Mikrofon in einem Innenraum mit Holzverkleidung.

Als Hans Peter Doskozil im Juli 2018 erstmals die Probleme mit seiner angeschlagenen Stimme öffentlich machte, war die Hoffnung noch groß, dass der erste Eingriff an den Stimmbändern das Problem rasch beheben würde.

Doch aus dem anfänglichen Stimmbandproblem entwickelte sich über die Jahre und weitere neun Eingriffe eine chronische Erkrankung des Kehlkopfs – bis nun die bisher radikalste, aber möglicherweise nachhaltigste Lösung gewählt wurde: Über die Osterfeiertage wurde Doskozils Kehlkopf entfernt und durch eine Stimmprothese ersetzt.

Diese Entscheidung fiel nach der Kontrolluntersuchung am Universitätsklinikum Leipzig vor den Osterfeiertagen. Bei dieser stellte Doskozils behandelnder Arzt, Professor Andreas Dietz, fest, dass die Verknöcherung erneut schneller fortschreitet. Eine weitere Operation nach bisherigem Muster wäre zwar möglich gewesen, hätte aber „weitere Eingriffe in kurzen Abständen erforderlich gemacht“, beschreibt Dietz die Problematik.

"Funktion des Kehlkopfes nicht mehr aufrechtzuerhalten"

Der darauf basierende Befund brachte schlussendlich die Entscheidung zugunsten des jüngsten Eingriffs: „Der chronische Charakter der Erkrankung und die mittlerweile zehn Operationen seit Juli 2018 haben als Gesamtbild dazu geführt, dass die Funktion des Kehlkopfes nicht mehr aufrechtzuerhalten war.“ Gleichzeitig sei „das Atmen zunehmend erschwert“ gewesen, das Risiko weiterer Operationen hoch.

Die nun gewählte Maßnahme bezeichnet Dietz als „nachhaltigere Lösung“ und als „Befreiung von der langjährigen chronischen Erkrankung“. Entsprechend optimistisch fällt die Prognose aus: „Landeshauptmann Doskozil sollte nach einer entsprechenden Regenerations- und Trainingsphase von einigen Wochen wieder gut sprechen können.“ Zuletzt war er zum Teil nur schwer verständlich.

Was wurde gemacht

Im Zuge des Eingriffs wurden Atmung und Schluckfunktion vollständig rekonstruiert und eine Stimmprothese eingesetzt. „Ein kleines, hoch entwickeltes Ventil zwischen Luft- und Speiseröhre, das mit entsprechender Übung eine stabile, gute Stimmbildung ermöglicht“, so Dietz. Er gehe „von einer vollständigen Genesung und einer deutlich höheren Belastbarkeit“ aus. Die Operation verlief „ohne Komplikationen und erfolgreich“. Zudem sei damit auch „der belastende Rhythmus immer wiederkehrender Eingriffe“ durchbrochen worden.

Zwei Männer im Anzug halten eine Urkunde und eine Auszeichnung, im Hintergrund stehen Flaggen und ein Steintisch.

Doskozil ehrte seinen deutschen HNO-Arzt bereits mit der höchsten Auszeichnung des Burgenlandes und erntete dafür Kritik.

Doskozil bleibt noch rund zehn Tage im Krankenhaus, eine intensivmedizinische Betreuung war nicht notwendig. Danach folgt eine mehrwöchige Regenerationsphase. Währenddessen übernimmt Leonhard Schneemann die öffentlichen Ressortfunktionen in der burgenländischen Landesregierung.

Aus Doskozils Büro heißt es, dem Landeshauptmann gehe es „den Umständen entsprechend gut“, er kommuniziere „bereits wieder via Handy“ mit seinem engsten Stab. Angesichts der wiederholten Eingriffe und seiner damit verbundenen Abwesenheit habe diese Arbeitsweise bereits Routine entwickelt. Wichtig sei nun die Wundheilung, danach wird der burgenländische Landeshauptmann Stimmtraining brauchen. Doskozil ist laut seinem Büro Europas erster Regierungschef mit Stimmprothese.

Rede mit Stimm-Avatar und andere Politiker mit Erkrankungen

Ein ähnliches Beispiel: ÖVP-Abgeordneter Klaus Fürlinger verwendete in der Nationalratssitzung Ende 2025 einen KI-generierten Stimm-Avatar, der seiner Stimme nachempfunden ist.

Ein älterer Mann im blauen Anzug sitzt an einem Tisch im Freien, isst eine Waffel und hat ein Glas Orangensaft vor sich.

Alois Mock

Als ÖVP-Außenminister führte er die EU-Beitrittsverhandlungen – schon schwer  gezeichnet von seiner Krankheit.  Öffentlich bekannt macht „Mister Europa“ seine Parkinson-Erkrankung, unter der er seit 1986 leidet, nicht.

Ein Mann im Anzug sitzt an einem Tisch vor einer österreichischen Flagge mit Bundesadler.

Thomas Klestil

In seiner ersten Amtszeit (1996)  wird die unheilbare Autoimmunerkrankung des Bindegewebes ob des öffentlichen Drucks bekannt. Klestil erliegt ihr vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit 2004.

Eine Frau mit kurzen dunklen Haaren und schwarzem Blazer sitzt an einem Tisch und blickt ernst in die Kamera.

Barbara Prammer

2006 wird die SPÖ-Politikerin die Erste Frau an der Spitze des Nationalratspräsidiums. 2013 macht Prammer ihre Krebserkrankung publik, führt die Geschäfte als Erste Nationalratspräsidentin bis zu ihrem Tod 2014 fort.

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