Bis zu 100 Öfen: Warum dieser Fund archäologisch so besonders ist
Archäologen entdecken Töpferöfen aus der Römerzeit, Ausmaß größer als erwartet.
Auf einem Acker in Hannersdorf im Burgenland sind zwei Töpferöfen aus der Römerzeit freigelegt worden. Archäologen vermuten, dass sich noch bis zu 100 weitere Öfen unter der Erde befinden könnten. Die bisher dokumentierten Funde stammen aus der Mitte des 1. Jahrhunderts bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts n.u.Z.
Die Ausgrabungen finden im Ortsteil Burg statt. Erste Hinweise auf die archäologische Fundstelle waren bereits vor einigen Jahren bei Bauarbeiten aufgetaucht. Geomagnetische Untersuchungen lieferten danach Hinweise darauf, dass sich unter dem Acker zahlreiche Strukturen befinden.
Archäologen entdecken Töpferöfen aus der Römerzeit, Ausmaß größer als erwartet.
In den ersten beiden Arbeitswochen konnten in rund 40 Zentimetern Tiefe die Reste zweier Keramikbrennöfen mit Arbeitsgruben dokumentiert werden. Auch weitere Gruben, die als Lehmentnahme- und Abfallgruben angesprochen werden, wurden festgestellt. Die Strukturen sind mit Keramik gefüllt. Hergestellt wurden Schüsseln, Schalen, Becher und Vorratsgefäße.
Auffällig ist die große Zahl an im Ganzen erhaltenen Gefäßen sowie an Fehlbränden. Diese misslungenen Stücke geben laut Grabungsleiterin Basema Hamarneh Einblicke in die Produktionsabläufe und deuten darauf hin, dass in größerem Umfang produziert wurde. Auch importierte Ware wie Terra Sigillata wurde gefunden.
Im Zuge einer aktuellen Lehrgrabung unter der Leitung von Basema Hamarneh von der Universität Wien wurden nun zwei Keramikbrennöfen freigelegt. Die bisherigen Ergebnisse übertreffen laut den vorliegenden Angaben die Erwartungen.
Öfen lagen nur rund 40 Zentimeter tief
Bereits innerhalb der ersten beiden Arbeitswochen konnten die Reste der beiden Keramikbrennöfen dokumentiert werden. Sie befanden sich in unmittelbarer Nähe zur Oberfläche, in einer Tiefe von rund 40 Zentimetern.
Zwei Töpferöfen freigelegt, Hinweise auf große Keramikproduktion in Hannersdorf.
Zu den Öfen gehören auch Arbeitsgruben. Darüber hinaus wurden weitere Gruben festgestellt, die als Lehmentnahme- und Abfallgruben angesprochen werden. Sowohl die Öfen als auch die umliegenden Gruben sind mit Keramik gefüllt.
An dem Standort wurden Schüsseln, Schalen, Becher und Vorratsgefäße hergestellt. Die Funde deuten darauf hin, dass es sich nicht nur um einen einzelnen Brennofen, sondern um einen größeren Produktionsstandort gehandelt haben könnte.
Viele Gefäße vollständig erhalten
Besonders auffällig ist die große Zahl an Gefäßen, die vollständig erhalten geblieben sind. Solche Ganzgefäße kommen bei Ausgrabungen nicht häufig vor. Daneben fanden die Archäologen zahlreiche sogenannte Fehlbrände.
Dabei handelt es sich um Keramikstücke, die während der Herstellung misslungen sind. Nach Angaben von Grabungsleiterin Basema Hamarneh geben diese Fehlbrände Einblicke in die damaligen Produktionsabläufe. Gleichzeitig deutet ihre große Zahl darauf hin, dass an diesem Ort in größerem Umfang Keramik hergestellt wurde.
Auch importierte Keramik wurde entdeckt. Dazu zählt Terra Sigillata. Der Fund solcher importierter Ware stützt die Annahme, dass es sich um eine größere Produktionsstätte gehandelt haben könnte.
Keine bekannte Siedlung in unmittelbarer Nähe
Auffällig ist, dass sich in unmittelbarer Nähe des Fundplatzes keine bekannte Abnehmersiedlung befindet. Die nächste größere römische Ansiedlung ist die Stadt Savaria im heutigen Ungarn. Sie liegt rund 16 Kilometer Luftlinie von der Fundstelle entfernt.
Die Entfernung zur nächsten größeren Ansiedlung und die Menge der gefundenen Keramik deuten darauf hin, dass die Gefäße nicht ausschließlich für den unmittelbaren lokalen Bedarf hergestellt worden sein könnten.
Die Funde liefern damit Hinweise auf eine überregional ausgerichtete Keramikproduktion. Welche Bedeutung die Produktionsstätte tatsächlich hatte und wie groß sie war, sollen die weiteren Grabungen zeigen.
Hinweise auf bis zu 100 weitere Öfen
Die Annahme, dass sich noch zahlreiche weitere Öfen unter dem Acker befinden, beruht auf den geomagnetischen Untersuchungen. Diese zeigten neben möglichen Öfen auch Gebäudegrundrisse und weitere archäologische Strukturen.
Bis zu 100 weitere Öfen könnten demnach noch unter der Erde liegen. Die laufenden Arbeiten sollen Klarheit über die tatsächliche Größenordnung der Fundstelle bringen.
In Hannersdorf wurden zwei römische Töpferöfen entdeckt. Bis zu 100 weitere Öfen könnten unter dem Acker im Burgenland liegen.
Die beiden bislang freigelegten Öfen bilden daher möglicherweise nur einen kleinen Teil des gesamten Produktionsareals. Die Grabungen werden fortgesetzt, täglich kommen neue Funde hinzu.
Spuren reichen bis in die Jungsteinzeit
Neben den römischen Strukturen wurden im Umfeld auch Spuren aus der Jungsteinzeit festgestellt. Dazu zählen Keramikscherben und Reste von Langhäusern in Pfostenbauweise.
Diese Funde stammen aus dem 6. Jahrtausend v.u.Z. Die jungsteinzeitlichen und die römischen Befunde stehen in keinem direkten Zusammenhang. Sie zeigen jedoch, dass der Standort bereits Jahrtausende vor der römischen Keramikproduktion genutzt wurde.
Damit handelt es sich um eine sogenannte multiperiodale Fundstelle. Der Ort war in unterschiedlichen Epochen Schauplatz menschlicher Aktivität.
Die Funde aus der Jungsteinzeit und der Römerzeit weisen laut den vorliegenden Angaben darauf hin, dass die Lage gute Voraussetzungen für eine Besiedlung und für Produktion geboten haben dürfte.
Hügelgräberfeld rund 1,5 Kilometer entfernt
Weitere Hinweise auf die historische Bedeutung des Gebiets liefern geomagnetische Daten aus der Umgebung. Rund 1,5 Kilometer von der Fundstelle entfernt befinden sich demnach Ausläufer des bekannten hallstatt- und römerzeitlichen Schandorfer Hügelgräberfeldes.
Auch dieser Befund zeigt, dass die Gegend über einen langen Zeitraum hinweg genutzt wurde. Die verschiedenen Fundstellen reichen von der Jungsteinzeit über die Hallstattzeit bis in die Römerzeit.
Grabungen laufen bis 7. August
Die aktuellen Grabungen in Hannersdorf werden noch bis 7. August fortgesetzt. Das Team dokumentiert laufend neue Funde.
Ganz erhaltene Gefäße, Fehlbrände, importierte Terra Sigillata und die freigelegten Töpferöfen sollen dazu beitragen, die Produktionsabläufe und die Bedeutung der Fundstelle genauer zu erfassen.
Die bisherigen Ergebnisse liefern Hinweise auf eine weit vernetzte römische Wirtschaftslandschaft im heutigen Burgenland. Wie viele der vermuteten Öfen tatsächlich erhalten sind und welches Ausmaß die Produktionsstätte hatte, sollen die weiteren Untersuchungen zeigen.
Kommentare