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Chronik Burgenland
10/02/2020

Gusto auf Regionales: Zahl der Selbstbedienungs-Hofläden steigt

Die bäuerlichen Direktvermarkter werden mehr. Kontaktloses Einkaufen regionaler Produkte rund um die Uhr wird immer gefragter.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Mit seinem Konzept der Direktvermarktung war Hans Goldenits aus Tadten im Seewinkel einer der ersten im Burgenland, der diesen Weg einschlug. Es waren zunächst  Beet- und Balkonblumen, die Goldenits in den 1990er-Jahren  ab Hof anbot.

Anfangs sei er noch belächelt worden für sein Konzept. Doch unbeirrt startete Goldenits auch mit dem Direktverkauf von Gemüse.
Seit 2018 hat der Landwirt schrittweise seine „Hansag-Food-Container im Burgenland aufgestellt. An sieben Tagen die Woche  können sich da die Kunden bei der  frischen Ware  selbst bedienen.


 Mittlerweile betreibt Goldenits  neun  Selbstbedienungshofläden-Hofläden in den Bezirken Neusiedl am See, Eisenstadt und Mattersburg. Auch in Fischamend, Schwechat und Bruck an der Leitha (NÖ) ist er  vertreten. Die Nachfrage steigt.

„Die Leute haben das Gefühl, sie kennen den Bauern, der hinter den Produkten steht“, erklärt Goldenits das Konzept. Nicht nur ein Video, das im Laden zu sehen ist, soll den Kunden den Werdegang von Obst und Gemüse in ihrem Einkaufskorb  näherbringen.

„Ich bin  für Fragen  immer telefonisch erreichbar.“ Fünf bis sechs Mal pro Tag bekomme er Anrufe von Kunden, sagt Goldenits. „Und wenn sich einer vor Ort überzeugen will, wie unser Gemüse  angebaut bzw. geerntet wird, kann er  jederzeit  am Feld vorbei kommen.“

Auch Stefan Kaiser aus Kleinhöflein setzt auf den Verkauf regionaler Produkte in Selbstbedienung. Seit etwa 300 Jahren produziert seine Familie  Wein. Seit Juni gibt es  am Weingut neben selbst erzeugten Rebensäften auch Gemüse, Obst sowie Aufstriche, Käse und Marmeladen zu erwerben.

Kaiser und seine Frau Réka kooperieren  mit verschiedenen Bauern, deren saisonale Produkten sie  in  „Stefans Regional-Regal“ verkaufen. „Der Vorteil unseres Hofladens ist es, dass  die Leute nicht Schlange stehen müssen und kontaktlos rund um die Uhr  einkaufen können.“

„Kuchlgartl“ reaktiviert

Einer, der ganz neu in die Landwirtschaft eingestiegen ist, ist Julian Tröscher. Der 19-Jährige aus dem mittelburgenländischen Weppersdorf wollte schon seit seiner frühen Jugend in der Landwirtschaft tätig sein. Jetzt hat er das frühere „Kuchlgartl“ seiner Großeltern reaktiviert.

Das  Gemüse zieht er selbst. Nebenbei hält der Absolvent der Landwirtschaftlichen Schule auch  120 Hühner. Im Mai hat Tröscher wegen der Corona-Krise eine Vitrine zur Selbstbedienung auf der Gasse installiert.

 Die Bio-Produkte gehen weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. „Am Samstag waren  in eineinhalb Stunden  120 Hühnereier verkauft.“

Steigerung um 20 Prozent

Dass die Nachfrage nach Lebensmittel, die aus der Region kommen, steigt, das belegen auch die Zahlen der Landwirtschaftskammer (LK) Burgenland. Gab es vor zwei Jahren 275 bäuerliche Direktvermarkter in Pannonien, sind es heute bereits 329.  Das ist eine Steigerung von 20 Prozent. Noch gar nicht miteingerechnet sind da die  Weinbauern und Buschenschanker, die zur größten Gruppe der Direktvermarkter zählen.


„Die Bauern vermarkten wieder verstärkt auf eigenen Wegen und das mit zunehmend innovativen Produkten, die auch manchmal eine Nische bedienen, wie etwa Leberkäse im Glas, oder schwarzer fermentierter Knoblauch“, sagt Magdalena Kaiser, Sprecherin der LK Burgenland.   


Öffnungszeiten rund um die Uhr und der kontaktlose Einkauf im Container würden zudem  das Konsumverhalten der Kunden befriedigen.  „Die Leute wollen wissen, woher die Lebensmittel kommen und wer sie herstellt. Vor allem die Corona-Krise hat diesen Trend verstärkt. Jetzt gilt es, diesen Trend weiterzuverfolgen.“

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